
Maha Sohona – A Dark Place (Review)

Schweden, Umeå, Winter 2025 – draußen minus 15 Grad, drinnen fuzzige Röhren und drei Typen, die ihren Bandnamen nach einem Dämon aus der singhalesischen Folklore haben: Maha Sohona, „großer Friedhofs-Dämon“ – einer der gefürchtetsten Geister Sri Lankas. Die Heavy-Psych-Trio aus dem hohen Norden legt mit A Dark Place ihr drittes Album vor, und verdammt, das Ding hat richtig Eier. Nach dem starken Endless Searcher (2021) haben Johan Bernhardtson (Gitarre/Gesang), Thomas Hedlund (Bass) und Erik Andersson (Schlagzeug) nochmal eine Schippe draufgepackt. Sechs Tracks, knapp 49 Minuten, mit dieser organischen, live-im-Raum-Energie – warm, fuzzig, menschlich, ohne überproduzierten Schnickschnack. Das Ergebnis ist ein Brocken Heavy Psych / Stoner / Space Rock mit Doom- und Prog-Elementen, der sich anfühlt wie Kyuss auf Valium, Tool im Nebel und Alice in Chains mit schwedischem Winter-Blues.
Der Opener „Liquid Motion Medicine“ kriecht sofort rein: langsamer, sirupartiger Riff, Bass wie ein warmer Motor, Drums, die nicht hämmern, sondern rollen. Bernhardtsons Stimme – breathy, verletzlich, fast Layne-Staley-mäßig – setzt erst leise ein, dann baut sich alles auf, ohne je hektisch zu werden. Das ist Heavy Metal als Meditation, ehrlich jetzt: man nennt so was gerne „Heavy-Metal-Yoga“, und hier passt der Spruch mal ausnahmsweise.
Highlight Nummer eins: „Ostera“. Intim, fast zerbrechlich, mit cleanen Gitarren und einem marschierenden Beat, der irgendwann in ein Trommelgewitter kippt – als würde jemand die Treppe runterfallen, aber rhythmisch. Dynamik pur, laut/leise-Wechsel, die richtig unter die Haut gehen. Dann kommt „Visions“ und haut alles um. Neun Minuten Tool-Vibes, hypnotischer Groove, der sich steigert, bis die Fuzz-Wand explodiert. Emotional, melancholisch, und trotzdem mit nem Drive, der einen nicht loslässt. Für mich der Song des Jahres in der ganzen Psych-Ecke – Punkt.
„The Long Way Home“ geht doomiger ran, post-metallisch, schwer wie Blei, mit Sabbath-Schwere, aber spaciger, moderner. Am Ende kommt trotzdem so ne Art Lichtblick durch – downbeat, ja, aber nicht hoffnungslos. „Voyagers“ lockert kurz auf mit swaggerndem Stoner-Groove, und „Uddh“ schließt ambient und kosmisch ab, als würde man in ner Sternenstaub-Wolke abhängen.
Produktion ist glasklar, aber warm – echtes Raumgefühl, keine sterile Digital-Kacke. Die Rhythmusfraktion sitzt wie angegossen, Bernhardtsons Gesang ist präsenter und vielseitiger als je zuvor. Man hört, dass die Jungs sich gefunden haben.
Kritikpunkte? Na ja, A Dark Place bleibt im Kern Genre-konform. Es gibt keine wilden Experimente oder großen Überraschungen – wer auf totale Innovation aus ist, guckt vielleicht woanders hin. In manchen Mid-Parts zieht sich die Jam-Struktur ein bisschen, Repetition setzt ein (was bei langen Tracks ja normal ist, aber nicht immer spannend bleibt). Für Hardcore-Fans von Elder, Tool, Lowrider, Greenleaf oder eben Alice in Chains ist das aber pures Futter. Comfort Food mit Charakter.
Fazit: Maha Sohona haben ihr bisher bestes und reifstes Album abgeliefert. Es wächst mit jedem Durchlauf, zeigt neue Details, bleibt hängen. Ein Album, das nicht schreit „Hört mich!“, sondern einfach da ist und dich mitnimmt – in dunkle, schöne, fuzzige Welten. Schwedischer Underground at its finest. Wer Heavy Psych, Stoner oder Space Rock mag, sollte hier zugreifen, am besten auf Vinyl, da knallt die Dynamik richtig.
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