
Zypriotischer Rock auf Tauchgang: STONUS über ihr neues Album
Mit ihrem neuen Album Space To Dive tauchen STONUS tief in die eigene Gefühlswelt ein. Das zypriotische Quintett verbindet wuchtige Riffs mit persönlichen Texten, die von Wut, Hoffnung und der Suche nach Freiheit erzählen. Im Interview sprechen sie über die Entstehung des Albums, magische Momente im Studio, ihre größten musikalischen Einflüsse und die Erfahrungen auf der Bühne – von ausverkauften Clubs bis zu Festivalauftritten in ganz Europa.
• Grüße von Der Fuzzer! „Space To Dive“ erscheint am 20. März – welche zentralen Ideen stecken diesmal hinter Lyrics und Riffs?
Hallo zusammen und vielen Dank für das Interview! Space To Dive dreht sich im Kern darum, einen introspektiven Blick in uns selbst zu werfen, unseren inneren Raum neu zu entdecken und das Leben sowie unsere Gefühle etwas besser zu verstehen. Diese Reise durchläuft viele verschiedene Emotionen – Wut, Glück, Traurigkeit, Verwirrung – und genau deshalb wollten wir ein Album erschaffen, das in gewisser Weise das Leben selbst widerspiegelt.
Da wir aus einem Land kommen, das politisch und kulturell von starken Gegensätzen geprägt ist, spielten Aspekte wie Zögern, Selbstzerstörung oder Erleuchtung eine große Rolle bei der Entstehung der Texte. Letztlich ist Space To Dive aber auch ein Album, das jeder Hörer auf seine eigene Weise verstehen kann – jeder kann darin verschiedene Gefühle und Verletzlichkeiten entdecken, genauso wie sie während der Entstehung der Songs in der Band präsent waren.
• Kannst du uns kurz Song für Song erklären, worum es inhaltlich geht?
Ich nenne mal sechs Songs, die für mich als Texter besonders wichtig sind:
Berlin:
„Berlin“ symbolisiert die Konfrontation zwischen den eigenen Handlungen und verpassten Chancen, getrennt durch eine Mauer des Bewusstseins. Wer ist Sünder, wer ist Heiliger, in einer korrupten Gesellschaft, in der Gesetze von Sündern gemacht werden? Man bricht Regeln, während gleichzeitig neue entstehen – wie Mauern, die richtig und falsch voneinander trennen. Vielleicht ist der einzige gemeinsame Nenner der Raum dazwischen – genau das ist Berlin.
Space To Dive:
Der Titeltrack ist ein kraftvoller Song, der eine mentale und emotionale Reise beschreibt: Das bewusste Ich versucht die Kontrolle zu behalten, während das Unterbewusstsein kämpft, auszubrechen. Das Musikvideo zeigt diesen inneren Kampf durch surreale Landschaften und starke Bilder.
Follow Me:
Was ist Realität? Vielleicht eine Mischung aus Erfahrungen, Moralvorstellungen und Glaubenssätzen, die über unsere Sinne mit der Gegenwart verbunden sind. Platons Gleichnis der Höhle stellt das infrage – Realität ist relativ. „Follow Me“ wird aus der Sicht des Erleuchteten erzählt, dessen Rufe nach Freiheit von den Blinden ignoriert werden, egal wie laut er schreit.
Colours:
„Colours“ beschreibt Gefühle über Farben – Gelb, Schwarz und andere Nuancen. Die tiefere Bedeutung liegt darin, dass all diese Farben eine Flagge symbolisieren. Diese Gefühle entstehen aus Kriegssituationen, in denen man für die Farben seines Landes kämpft. Da wir aus Zypern kommen und selbst zwei Jahre beim Militär waren, konnten wir diese Gefühle in das Konzept einfließen lassen.
Hope Dose:
Ein weiterer Tag – entweder zur Selbstzerstörung oder zur Verbesserung. Man muss in sich hineintauchen und versuchen, wieder herauszukommen. Entscheidungen haben Konsequenzen. Am Ende des Tages brauchen wir alle ein bisschen Hoffnung – und eine Menge Party!
Tangerine:
Jeder kennt die dunkle Phase aus Frustration, Ablehnung und Einsamkeit. Man sagt: „Was dich nicht umbringt, macht dich stärker.“ Aber was, wenn das, was man innerlich „getötet“ hat, trotzdem bleibt? Die Überreste formen dein Herz neu – und jeder Schlag trifft härter. Viel Glück beim Verzeihen.
• Wie liefen die Aufnahmen? Gab es lustige oder magische Momente im Studio?
Die Sessions waren intensiv und sehr inspirierend. Wir haben lange Tage in den Wreck It Sound Studios in Korinth, Griechenland, verbracht – eine wunderschöne Umgebung. Es war eine magische Erfahrung, in der wir unser Bestes gaben, Spaß hatten und kreativ sein konnten.
Ein besonderer Moment war die Entstehung des zweiten Teils von „Space To Dive“. Er klingt ganz anders als der Rest des Albums und ist völlig natürlich entstanden.
An unserem freien Tag besuchten wir das Grab von Agamemnon. Dieses monumentale, historisch beeindruckende Bauwerk strahlte eine enorme Energie aus – man spürte sie regelrecht in den Adern.
Lustige Momente gab es auch: Ich (Kyriacos, Sänger) und Pavlos (Gitarre) spielten ein paar Songs auf dem Balkon, tranken viel Wein und tanzten dabei – und solche Situationen gab es noch viele weitere.
• Wie läuft die Zusammenarbeit mit Ripple Music – alles glatt oder auch Lernkurven?
Die Zusammenarbeit hat gerade erst begonnen, bisher läuft alles sehr gut. Natürlich gibt es bei einem neuen Label und neuen Menschen immer Lernpunkte. Aber durch gute Kommunikation und Organisation klappt alles reibungslos.
• Wer hat euren aktuellen Sound am meisten beeinflusst – und welche lokalen Bands verdienen mehr Aufmerksamkeit?
Für Space To Dive haben mich persönlich Monster Magnet, 1000mods, Deftones und A Perfect Circle stark geprägt. Gleichzeitig bringt jedes Bandmitglied seine eigenen Einflüsse mit ein, und so entsteht unser finaler Sound.
Eine zypriotische Band, die definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient, ist Abettor – die sollte man unbedingt hören.
• Spielt ihr viele Konzerte? Lieblings- oder Hasslocations – und internationale Shows?
Wir spielen etwa 25 bis 30 Shows im Jahr, hauptsächlich in Europa. Live-Shows sind für uns essenziell – Rock’n’Roll ist unsere Leidenschaft, und auf der Bühne bekommen wir die Freiheit und Energie zurück, die uns die Musik gibt.
Besonders beeindruckend war die Arena Wien, in der schon Legenden wie Led Zeppelin spielten. Auch das A38-Schiff in Budapest war ein einzigartiges Erlebnis – ein komplett ausverkauftes Schiff auf der Donau.
• Wie entsteht bei euch normalerweise ein neuer Song – Riff zuerst, Text, Stimmung oder Chaos?
Das ist unterschiedlich. Manchmal bringt Nicky (Rhythmusgitarre) ein Riff mit offenen Ideen, die wir gemeinsam ausbauen. Andere Male entsteht etwas beim Jammen im Proberaum. Gefällt uns ein Jam, nehmen wir ihn auf und bauen später darauf auf.
Als Sänger entstehen Refrains oft während des Jammens, da sie so dynamischer und natürlicher wirken. Strophen entstehen manchmal auch im Home-Studio – abhängig von der Kreativität des Moments.
• Stichwort Bandchemie: Wie schafft ihr es, euch nicht gegenseitig auf die Nerven zu gehen?
Rock’n’Roll ist ein harter Sport (lacht). Wir respektieren und verstehen uns gegenseitig. Mir persönlich hilft es, vor Shows allein durch die Stadt zu laufen, verschiedene Ecken zu erkunden, Ruhe zu finden und in die richtige Stimmung für den Auftritt zu kommen.
• Wo seht ihr STONUS in drei Jahren, wenn alles optimal läuft?
Wir würden gerne weiter touren, größere Bühnen spielen und unsere Fanbase ausbauen. Unser Traum ist es, komplett vom Touring leben zu können. Größere Festivals wären natürlich ebenfalls großartig.
• Gab es schon einmal eine Aktion oder Worte eines Fans, die euch nachhaltig beeindruckt haben?
Letztes Jahr in Hamburg kam ein Fan nach dem Konzert zu uns und sagte, er fände es schade, dass es nicht komplett voll war. Für ihn war es eines der besten Konzerte seit Jahren. Er meinte, wir sollten weitermachen, weil man uns die Authentizität und Liebe zur Musik in den Augen ansehen könne – das hat uns sehr berührt.
Auf dem A38 in Budapest zeichnete ein griechischer Künstler eine große Live-Skizze von uns und brachte sie uns zum Gig. Ein unglaublicher Moment. Generell fühlen wir uns sehr gesegnet, so viel Liebe von unseren Fans zu bekommen – und wir geben sie genauso zurück.
• Noch ein Wort an die deutschen Fans – und vielleicht auch an die Hater?
Deutschland ist für uns einer der besten Orte zum Touren. Wir erfahren unglaubliche Gastfreundschaft, eine großartige Atmosphäre und lieben es, nach den Shows mit dem Publikum abzuhängen und mediterran zu feiern.
Wir sehen uns auf Tour – und bleibt laut!
https://www.instagram.com/stonus.band

- Waste a Saint: „Wir sind nie wirklich fertig“

- Truckfighters – Masterflow (2026, Fuzzorama Records) (Review)

- Purple Skies: Doom, Fuzz und der lange Weg zu „A Million Years“

- Thammuz – Sons of the Occult (2022, Argonauta Records) (Review)

- FANGUS – Emerald Dream (2026, From The Urn Records) (Review)

- GODZILLA IN THE KITCHEN – Exodus (2022, Argonauta Records) (Review)

- MONSTERNAUT – Approaching Doom (Review)

- Oaks – Genesis of the Abstract (Review)

- Interview mit Occult Hand Order

- NICK OLIVERI – N.O. Hits At All Vol.10 (Review)


Schreibe einen Kommentar