
MOON DESTROYS – OMN (2026, Blues Funeral Recordings) (Review)

Schwer, laut und trotzdem verdammt eingängig. Was zunächst wie ein Widerspruch klingt, ist auf OMNI ziemlich genau das Programm von Moon Destroys. Die Amerikaner haben ihren Sound weiter geöffnet, ohne dabei die Riffs aus den Augen zu verlieren. Und vielleicht ist genau das der größte Unterschied zum Vorgänger: Wo She Walks By Moonlight noch gerne in langen, schimmernden Klanglandschaften verschwand, kommen die neuen Songs schneller auf den Punkt.
Das heißt allerdings nicht, dass Moon Destroys plötzlich auf Atmosphäre verzichten.
Schon Invasion setzt die Richtung. Gitarren mit ordentlich Gewicht, ein weit aufgezogener Sound und darüber eine Melodie, die sich nicht einfach wieder verabschiedet. Das Stück klingt groß, ohne künstlich aufgeblasen zu wirken. Vieles passiert gleichzeitig, aber nichts davon wirkt zufällig.
Mit Flowers wird dann endgültig klar, wohin die Reise geht. Der Song ist eingängig, beinahe freundlich – zumindest solange man nicht genauer auf das Gewicht achtet, das darunter liegt. Zach Amsters Stimme passt erstaunlich gut in dieses Umfeld. Sie klingt nicht wie ein Fremdkörper, der nachträglich auf fertige Instrumentalstücke gesetzt wurde, sondern gibt den Songs eine neue Mitte.
Das ist wichtig, denn Moon Destroys waren schon vorher eine Band, die stark über ihre Instrumente funktioniert hat. Mit Amster als Sänger und Rhythmusgitarrist bekommt das Ganze nun eine andere Balance.
My Eyes und Motion Sickness treiben diese Entwicklung weiter. Die Songs sind kompakt, aber nicht simpel. Es gibt genug kleine Verschiebungen, Effekte und atmosphärische Momente, damit man auch nach dem ersten Durchlauf nicht alles schon kennt. Gleichzeitig bleiben die Refrains und Gitarrenfiguren hängen.
Und dann ist da natürlich Juan Montoya.
Wer bei seinem Namen sofort an Torche denkt, liegt nicht völlig falsch, sollte aber trotzdem nicht erwarten, hier einfach eine zweite Version seiner alten Band zu bekommen. Die Gitarren auf OMNI können massiv sein, aber Moon Destroys interessieren sich ebenso für Texturen, Hallräume und Melodien. Manchmal steht ein Riff im Vordergrund, manchmal scheint es fast im Hintergrund zu schweben.
Kingdom gehört zu den Stücken, bei denen diese Mischung besonders gut funktioniert. Der Song hat ordentlich Druck, aber gleichzeitig etwas fast Schwereloses. Man kann sich darin festbeißen oder ihn einfach laufen lassen – beides funktioniert.
Überhaupt hat OMNI diesen angenehmen Effekt, dass die Platte schwer klingt, ohne ständig nach Schwere zu verlangen.
Das ist ein Unterschied.
Viele Bands aus dem Stoner-, Doom- oder Sludge-Umfeld wollen den Hörer mit jedem neuen Riff noch tiefer in den Boden drücken. Moon Destroys machen das nicht. Sie lassen ihre Songs atmen und setzen auf Kontraste. Gerade deshalb wirken die schweren Momente oft noch stärker.
After 5 ist dafür ein gutes Beispiel. Der Song kommt relativ direkt daher und macht keine unnötigen Umwege. Danach darf Sowing Stars wieder etwas weiter werden, bevor Missing Wish die Balance zwischen Melodie und Gitarrengewicht erneut verschiebt.
Und irgendwann merkt man, dass OMNI trotz seiner elf Stücke erstaunlich schnell vorbei ist.
Das liegt nicht zuletzt daran, dass Moon Destroys ihre Ideen nicht mehr so lange ausbreiten wie auf She Walks By Moonlight. Die neue Platte will nicht unbedingt eine Reise sein, bei der man irgendwann vergisst, wo man eigentlich angefangen hat. Sie ist eher eine Sammlung von Momenten, die möglichst schnell Wirkung erzielen sollen.
Das funktioniert meistens ziemlich gut.
Nocturne bringt eine dunklere, ruhigere Seite ins Spiel, bevor Lost Hearts wieder mehr nach vorne geht. Und mit She Cried endet das Album schließlich, ohne noch einen künstlichen großen Abschluss erzwingen zu müssen.
Vielleicht ist das überhaupt die sympathischste Eigenschaft dieser Platte: Sie versucht nicht, größer zu sein, als sie ist.
Moon Destroys haben mit OMNI ihren Sound nicht komplett neu erfunden. Das wäre auch ziemlich unnötig gewesen. Stattdessen haben sie verstanden, welche Teile ihres bisherigen Ansatzes besonders gut funktionieren, und diese stärker in den Vordergrund gerückt. Mehr Hooks, kürzere Wege, aber immer noch genug Raum für all die seltsamen Geräusche, großen Gitarren und schwebenden Momente, die Moon Destroys interessant machen.
Und Zach Amster erweist sich dabei als mehr als nur ein neuer Sänger. Seine Stimme verändert die Dynamik der Band und gibt den Songs eine emotionale Direktheit, die dem teilweise sehr weitläufigen Instrumentalsound gut tut.
OMNI ist deshalb vielleicht nicht die Platte, auf der Moon Destroys ihre Grenzen am weitesten ausloten. Es ist eher die Platte, auf der sie gelernt haben, ihre Stärken besser zusammenzubringen.
Schwere Riffs, psychedelische Flächen, ein bisschen Shoegaze, etwas Post-Rock und vor allem jede Menge Melodie. Das Ganze klingt modern, ohne sich krampfhaft modern geben zu müssen.
Wer She Walks By Moonlight mochte, wird hier einiges wiedererkennen. Wer damals mit den langen Klanglandschaften nicht ganz warm wurde, sollte OMNI trotzdem eine Chance geben.
Denn diesmal bleiben Moon Destroys nicht ganz so lange im Mondlicht stehen.
Sie kommen schneller auf den Punkt.
Und das steht ihnen verdammt gut.
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