
Earthlore – Within The Earth (2026) (Review)

Es gibt Alben, bei denen man nach den ersten paar Minuten schon ziemlich genau weiß, in welcher Schublade sie landen werden. Und dann gibt es Platten wie Within The Earth, bei denen die Schublade langsam anfängt, etwas zu klein zu werden.
Earthlore kommen aus der Doom-/Stoner-Ecke, keine Frage. Aber auf ihrem zweiten Album bleibt es nicht bei schweren Riffs und ordentlich Fuzz. Psych-Rock, Sludge, Grunge, Post-Rock und ein Schuss Space-Rock mischen sich hier zu einem Sound, der gleichzeitig ziemlich bodenständig und erstaunlich weitläufig wirkt.
Der Opener Within The Earth macht das schon ganz gut vor. Schwere Gitarren treffen auf Synthesizer und eine Atmosphäre, die sich nicht sofort auf einen einzigen Punkt festnageln lässt. Das Stück hat Gewicht, bleibt aber ständig in Bewegung. Dazu kommt Drew Pelrines Gesang, der deutlich aus der Grunge-Ecke kommt und dem ansonsten recht kosmischen Sound eine menschliche, fast raue Note verpasst.
Und genau dieser Kontrast funktioniert.
Earthlore versuchen nicht, möglichst futuristisch zu klingen. Die Synths sind keine Science-Fiction-Dekoration, sondern werden ziemlich selbstverständlich in die Songs eingebaut. Gleichzeitig bleiben die Gitarren schwer genug, um das Ganze jederzeit wieder auf den Boden zu holen.
All setzt diesen Weg fort und zeigt eine Band, die offenbar wenig Interesse daran hat, jeden Song nach demselben Muster aufzubauen. Mal wird es riffbetonter und aggressiver, dann nimmt die Band wieder Tempo heraus und lässt eine instrumentale Passage einfach atmen.
Das braucht etwas Geduld, zahlt sich aber aus.
Denn Within The Earth funktioniert nicht unbedingt als Platte für den schnellen Durchlauf. Die sieben Songs fühlen sich eher wie einzelne Stationen einer zusammenhängenden Reise an. Gerade die ruhigeren Momente sind wichtig, weil die härteren Ausbrüche dadurch wesentlich mehr Wirkung bekommen.
Epitaph ist mit knapp anderthalb Minuten nur ein kurzer Zwischenhalt, aber genau solche kleinen Unterbrechungen geben dem Album Struktur. Danach baut Tempest Skies wieder deutlich mehr Spannung auf und bringt die progressive Seite der Band stärker zum Vorschein.
Was Earthlore dabei gut vermeiden, ist das typische Problem vieler Bands, die sich an Progressive Rock versuchen: technische Spielereien um ihrer selbst willen.
Hier geht es nicht darum, möglichst viele Taktwechsel oder möglichst komplizierte Gitarrenläufe unterzubringen. Die Songs dürfen sich entwickeln, ohne dass die Musiker ständig zeigen müssen, was sie können. Und wenn dann doch einmal ein schwererer Part aus dem Nebel auftaucht, wirkt er entsprechend.
Besonders Blinding Star profitiert davon. Der siebenminütige Song gibt Earthlore genügend Platz, ihre verschiedenen Seiten zusammenzubringen. Schwere, tief gestimmte Passagen treffen auf melodischere Momente und psychedelische Atmosphäre. Das Stück wirkt dadurch größer, als es auf den ersten Blick vielleicht vermuten lässt.
Centuries geht anschließend noch stärker in diese Richtung. Hier bekommt die Musik etwas Zeitloses, beinahe Schwereloses, ohne dass die Band ihre Wurzeln im Doom und Stoner Metal verliert.
Überhaupt liegt eine interessante Spannung über dem gesamten Album.
Die Gitarren sind schwer, aber nicht ständig aggressiv. Die Synthesizer erweitern den Raum, ohne ihn zuzudecken. Und Pelrines Gesang bringt immer wieder diese leicht angeschlagene Grunge-Färbung hinein, die verhindert, dass Within The Earth zu einem rein instrumentalen Weltraumtrip wird.
Das ist wahrscheinlich die größte Stärke der Platte: Sie klingt nicht wie eine Ansammlung verschiedener Genres.
Earthlore nehmen sich Elemente aus Doom, Stoner, Psych, Sludge, Grunge und Post-Rock, aber am Ende bleibt trotzdem ein eigener Zusammenhang bestehen. Man hört die Einflüsse, ohne ständig darüber nachdenken zu müssen, welcher Band man diesen oder jenen Moment zuschreiben könnte.
Auch die Produktion passt hervorragend dazu. Die Gitarren dürfen Druck entwickeln, ohne den Rest des Arrangements zu erschlagen, und gerade die Synth- und Ambient-Anteile bekommen genügend Raum. Dadurch entsteht dieser leicht cineastische Eindruck, der sich durch mehrere Stücke zieht.
Zum Schluss kommt In Spring, und der Titel passt fast schon zu gut. Nach all dem Gewicht und den dunkleren Passagen wirkt der Song wie ein langsames Auftauchen aus der Tiefe. Nicht unbedingt als großes Happy End, sondern eher als Moment, in dem wieder etwas Licht durch die Risse kommt.
Within The Earth ist deshalb kein Album, das man auf einen einzigen Stil reduzieren sollte. Earthlore können schwer und dreckig, aber ebenso atmosphärisch und melodisch. Sie können minutenlang auf einem Riff herumreiten und im nächsten Moment den Raum mit Synthesizern und weit offenen Gitarren verändern.
Und genau daraus zieht die Platte ihren Reiz.
Earthlore stehen noch nicht an dem Punkt, an dem jeder Song automatisch ein Klassiker wäre. Dafür ist manches noch etwas ungleichmäßig und die Band könnte an einigen Stellen vermutlich noch mutiger sein. Aber Within The Earth zeigt sehr deutlich, dass hier Musiker am Werk sind, die ihre eigene Richtung suchen und dabei nicht besonders viel Wert auf Genregrenzen legen.
Ein schönes, schweres und gelegentlich ziemlich abgefahrenes Album also – mit genug Fuzz für die Stoner-Fraktion, genug Dunkelheit für Doom-Fans und ausreichend psychedelischem Weltraum, damit es auch nach mehreren Durchläufen noch etwas zu entdecken gibt.
Earthlore haben mit Within The Earth keinen weiteren Stoner-Doom-Klon gebaut. Sie haben einen ziemlich eigenen kleinen Kosmos erschaffen – dreckig an der Oberfläche, schwer im Kern und mit deutlich mehr Weite, als man zunächst erwartet.
- ENDLESS FLOODS – Passages (2026, Permafrost Records / Araki Records / Yoyodyne Records) (Review)

- Suplecs – Hymns Under A Blood Moon Sky (2026, Ripple Music) (Review)

- RITUAL ARCANA – Ritual Arcana (2026, Heavy Psych Sounds) (Review)

- HIJSS – hijss (2026, Heavy Psych Sounds) (Review)

- SLEEPING GIANT – The Beauty of Obliteration (2026, Octopus Rising) (Review)

- Sleep – Hempispheres (2026, Third Man Records) (Review)

- Gjenferd – Black Smoke Rising (2026, Apollon Records) (Review)

- FUZZING NATION – Mothertruck (2026, Octopus Rising) (Review)

- Mandy Manala – Something Wicked (2026, Argonauta Records) (Review)

- PELEGRIN – The Curse of Nephtar (2026, Ripple Music) (Review)


Schreibe einen Kommentar