Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

PELEGRIN – The Curse of Nephtar (2026, Ripple Music) (Review)

Es gibt Platten, die sich einfach in eine bestimmte Stimmung legen lassen. Und dann gibt es Alben, die sich ihre eigene Welt bauen und erwarten, dass man ihnen ein Stück weit folgt.

The Curse of Nephtar gehört eindeutig zur zweiten Sorte.

Pelegrin aus Frankreich waren bisher vor allem für schweren Psychedelic Rock mit progressiver Schlagseite bekannt. Auf ihrem dritten Album gehen sie allerdings einen Schritt weiter. Die Musik ist direkter geworden, die Riffs sitzen etwas härter und die Melodien bleiben schneller hängen. Gleichzeitig verliert die Band nicht diese leicht entrückte Atmosphäre, die schon auf Al-Mahruqa und Ways of Avicenna eine wichtige Rolle gespielt hat.

Und diesmal gibt es dazu eine Geschichte.

Eine ziemlich düstere sogar.

Nephtar ist eine schwarze Kugel, die vor Jahrmillionen im Tethys-Meer entsteht. Sie wartet dort unten, bis die Menschheit sie irgendwann an die Oberfläche holt und glaubt, damit den großen Wohlstand gefunden zu haben. Natürlich kommt es anders. Der vermeintliche Segen wird zum Fluch, und aus dem Versprechen von Reichtum entsteht Gewalt.

Man muss kein besonders großer Fan von Konzeptalben sein, um zu verstehen, worauf Pelegrin hinauswollen.

Öl.

Ressourcen.

Macht.

Und die ziemlich unangenehme Erkenntnis, dass das, was zunächst Wohlstand verspricht, einen ganz anderen Preis haben kann.

Musikalisch erzählt die Band diese Geschichte allerdings nicht mit erhobenem Zeigefinger. The Curse of Nephtar funktioniert zunächst einmal als Heavy-Psych-Album. Eons eröffnet die Platte mit genau dieser Mischung aus schweren Gitarren und weit geöffneten Klangräumen, die Pelegrin inzwischen ziemlich gut beherrschen. Es gibt Druck, aber auch genug Luft zwischen den einzelnen Elementen.

Dann kommt Sun and Blood und zieht die Zügel etwas an. Die Riffs werden prägnanter, die Melodien unmittelbarer. Hier zeigt sich bereits, was die Band mit ihrer angekündigten Weiterentwicklung meint: Pelegrin wollen nicht nur Atmosphäre erzeugen, sie wollen Songs schreiben, die tatsächlich irgendwohin führen.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Denn Psychedelic Rock kann sich bekanntlich sehr gemütlich im eigenen Nebel einrichten. Ein bisschen Fuzz, ein bisschen Hall, ein paar lange Gitarrenläufe und schon ist die Reise gebucht. Pelegrin machen es sich nicht ganz so einfach.

In the Company of Stars wirkt wieder offener und beinahe schwebend, bevor Drawn to Nephtar die Geschichte weiter in Richtung Abgrund zieht. Gerade hier funktioniert die Verbindung zwischen Konzept und Musik ziemlich gut. Die Songs wirken nicht wie einzelne Kapitel, die nachträglich mit einer Handlung versehen wurden. Die Atmosphäre trägt tatsächlich etwas Bedrohliches in sich.

Und trotzdem bleibt die Platte erstaunlich zugänglich.

Das liegt vor allem an den Hooks.

Plenty gehört zu den Stücken, bei denen Pelegrin ihre schwerere Seite mit einem beinahe klassischen Rockgefühl verbinden. Der Song hat genug Wucht, um auch dann zu funktionieren, wenn man sich überhaupt nicht für das Konzept dahinter interessiert.

Das ist wahrscheinlich die größte Stärke des Albums.

Man muss Nephtar nicht kennen.

Man kann die Geschichte komplett ignorieren und bekommt immer noch eine verdammt solide Heavy-Psych-Platte.

Aber wenn man sich darauf einlässt, bekommt das Ganze zusätzliche Tiefe.

Denn spätestens bei The Price to Pay wird deutlich, dass es hier nicht um irgendeine Fantasy-Geschichte geht. Die schwarze Kugel ist natürlich eine Metapher. Nephtar steht für fossile Rohstoffe und für die Vorstellung, dass man einen scheinbar unerschöpflichen Schatz nur aus dem Boden holen muss, um eine bessere Zukunft zu bekommen.

Dass gerade der Nahe Osten im Zentrum dieser Geschichte steht, macht das Konzept angesichts der Realität unserer Gegenwart ziemlich schwer verdaulich.

Pelegrin lassen diese Realität allerdings nicht einfach über die Musik drüberlaufen. Sie bauen sie in ihre eigene Mythologie ein. Spoken-Word-Passagen, Sounddesign und Texte erweitern das musikalische Gerüst, ohne dass daraus ein Hörspiel wird.

Break the Omen führt diese Entwicklung schließlich zu Ende. Die Platte wird dabei nicht plötzlich zur politischen Protestplatte. Dafür sind Pelegrin viel zu sehr Musiker und viel zu wenig Prediger. Sie erzählen eine Geschichte und lassen den Hörer selbst entscheiden, wie unangenehm die Parallelen zur wirklichen Welt werden.

Und vielleicht ist genau das die bessere Variante.

Musikalisch bewegen sich Pelegrin weiterhin zwischen Heavy Psych, Stoner Rock und Prog, aber The Curse of Nephtar wirkt weniger verspielt als manches, was man aus dieser Ecke kennt. Die Gitarren haben Biss, die Arrangements bleiben beweglich und die orientalisch angehauchten Elemente werden nicht als exotische Dekoration vorgeführt.

Stattdessen sind sie Teil der Atmosphäre.

Das passt zum Konzept und gibt dem Album einen eigenen Charakter, ohne dass die Band dafür ihre westlichen Heavy-Rock-Wurzeln verleugnen müsste.

Was ebenfalls auffällt: The Curse of Nephtar fühlt sich nicht wie ein Album an, das unbedingt seine technische Klasse demonstrieren möchte. Pelegrin können spielen, aber sie müssen es nicht ständig beweisen. Die Songs stehen im Vordergrund.

Und das ist gut so.

Nach drei Alben wird außerdem deutlich, dass Pelegrin langsam aus der Kategorie „interessanter Geheimtipp“ herauswachsen. Die Band hat ihren Sound gefunden, ohne sich darin einzumauern. Das neue Album ist schwerer und eingängiger, aber gleichzeitig konzeptionell ambitionierter.

Eine ziemlich gute Kombination.

The Curse of Nephtar ist also kein Album für den schnellen Konsum. Nicht, weil die Songs kompliziert wären, sondern weil hinter ihnen mehr steckt als nur ein weiterer Ausflug in psychedelische Klanglandschaften.

Man kann sich von den Riffs treiben lassen.

Oder man hört genauer hin.

Im ersten Fall bekommt man ein starkes Heavy-Psych-Album. Im zweiten entdeckt man eine ziemlich düstere Geschichte über Gier, Ressourcen und die Folgen des Versprechens, dass es irgendwo tief unter unseren Füßen noch einen Schatz geben muss, der nur darauf wartet, uns reich zu machen.

Vielleicht ist Nephtar deshalb gar kein Monster.

Vielleicht ist Nephtar einfach das, was wir aus dem machen, was wir finden.

Und genau darin liegt der eigentliche Fluch.

https://www.instagram.com/pelegrinmusic

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