Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

Suplecs – Hymns Under A Blood Moon Sky (2026, Ripple Music) (Review)

Fünfzehn Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Genug Zeit, um eine Band komplett verschwinden zu lassen, alte Pläne zu begraben und sich irgendwann zu fragen, ob ein Comeback überhaupt noch Sinn ergibt. Suplecs haben diese Frage offenbar anders beantwortet. Die 1996 in New Orleans gegründeten Veteranen stehen wieder auf der Matte und bringen mit Hymns Under A Blood Moon Sky ihr fünftes Studioalbum mit. Und nein, sie versuchen nicht, plötzlich nach 2026 zu klingen.

Das wäre bei Suplecs vermutlich auch die falsche Idee. Ihr Sound war schon immer eng mit der New-Orleans-Szene verbunden, und genau diese schmutzige Mischung aus Stoner, Sludge, Doom, Blues und Punk steckt auch hier in den Wänden. Dazu kommt eine gewisse Streetwise-Haltung, die dem Album mehr Persönlichkeit gibt als die üblichen Fuzz-Pedal-Vergleiche. Das hier klingt nicht nach einer Band, die sich ein paar NOLA-Platten angehört und anschließend beschlossen hat, ebenfalls dreckig zu spielen.

„Got Nothing“ eröffnet das Album entsprechend ohne großen Anlauf. Fetter Groove, bluesige Gitarren, schwerer Rhythmus – aber eben nicht dieses endlose „Wir spielen jetzt sieben Minuten denselben Riff“-Doom-Ding. Suplecs bleiben erstaunlich direkt. „Pentacle Star“ und „I See You“ ziehen in eine ähnliche Richtung, wobei gerade die düstere Stimmung der Stücke deutlich macht, dass hinter dem ganzen Rock’n’Roll-Gehabe ziemlich viel persönlicher Ballast steckt.

Denn Hymns Under A Blood Moon Sky ist keine reine Riffübung. Tod, Scheidung, Sucht und Überleben gehören zu den Themen des Albums, und das Material wirkt gerade dann am überzeugendsten, wenn diese Dinge nicht als große dramatische Geste ausgestellt werden. Suplecs erzählen keine Heldengeschichte. Eher klingt das hier nach Leuten, die ein paar beschissene Jahre hinter sich haben und trotzdem wieder in den Proberaum gegangen sind.

Musikalisch bleibt die Band dabei angenehm offen. „Forest Of Fire“ schiebt sich beispielsweise aus der gewohnten Sludge-Schiene heraus und bringt jazzige und progartige Wendungen ins Spiel, bevor der Song wieder deutlich härter wird. Das funktioniert gerade deshalb, weil Suplecs ihre Ausflüge nicht unnötig aufblasen. Ein paar schräge Takte reichen, dann geht es weiter. Keine musikalische Selbstbefriedigung, kein „Schaut mal, wir können auch Jazz“.

Überhaupt lebt die Platte von dieser Mischung aus klassischem Heavy Rock und einer gewissen Ungehobeltheit. Sabbath und Motörhead sind als entfernte Verwandte durchaus hörbar, ebenso Punk und Hardcore, aber Suplecs klingen nie wie eine Coverband für ihre eigenen Einflüsse. Danny Nick und Durel Yates teilen sich die Vocals und halten den Gesang rau und ziemlich unprätentiös. Gerade das passt zu den Texten. Hier wäre ein sauber produzierter, großer Metal-Gesang eher störend.

In der zweiten Hälfte wird es teilweise noch bluesiger und schwerfälliger. „Old Spanish Trail“ nimmt sich Zeit für einen deutlich stärker vom Blues geprägten Moment, während „Damn These Pills“ schon vom Titel her ziemlich unmissverständlich ist. „Mountain“, „Heartless Bodies“ und „No Apologies“ gehören zu den Nummern, die den härteren Charakter des Albums weitertragen. Dabei bleibt die Band immer in Bewegung zwischen Groove und Gewicht, ohne aus jedem Song eine neue Stildefinition machen zu müssen.

Und genau darin liegt auch die kleine Schwäche. Nicht jeder Ausflug abseits der Hauptspur hinterlässt denselben Eindruck, und manche der klassischen Stoner-/Sludge-Riffs bewegen sich ziemlich nah an dem Terrain, das Suplecs und andere NOLA-Bands schon vor Jahrzehnten beackert haben. Wer hier nach einer musikalischen Revolution sucht, wird nicht fündig. Auch die Produktion ist zwar druckvoll und deutlich genug, aber kein futuristisches Klangexperiment. Muss sie allerdings auch nicht sein.

Denn Hymns Under A Blood Moon Sky funktioniert vor allem als Album einer Band, die ihre Vergangenheit nicht verleugnen muss. Suplecs versuchen weder, ihren alten Sound künstlich zu modernisieren, noch daraus eine Nostalgieveranstaltung zu machen. Sie spielen Blues, Doom, Sludge, Punk und Heavy Rock so, als wären diese Dinge ohnehin immer zusammengehört.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Stärke dieses Comebacks. Nach fünfzehn Jahren zurückzukommen und dann nicht besonders clever wirken zu wollen, sondern einfach wieder ordentlich Dreck unter die Fingernägel zu bekommen, hat etwas Erfrischendes. Hymns Under A Blood Moon Sky ist kein perfektes Album und sicher keine Neuerfindung des NOLA-Sounds. Aber es besitzt Charakter, Wucht und vor allem das Gefühl, dass hier tatsächlich etwas verarbeitet wurde.

Suplecs sind wieder da. Und sie klingen nicht so, als hätten sie sich dafür entschuldigt.

https://www.instagram.com/suplecsnola

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