
HIJSS – hijss (2026, Heavy Psych Sounds) (Review)

Bei HIJSS wird es schnell unübersichtlich – und das ist durchaus als Kompliment gemeint. Das italienische Trio versucht gar nicht erst, sich sauber in eine Schublade zu setzen. Grunge, Post-Punk, Space Rock, Krautrock, Psychedelic, Blues und irgendwo dazwischen auch Stoner und Sludge: Das kann auf dem Papier nach einer ziemlich wilden Mischung aussehen. Auf hijss funktioniert es vor allem deshalb, weil hinter allem eine ziemlich simple Idee steckt: Punk-Attitüde.
Das ist der rote Faden auf dem zweiten Album der Band. Nicht unbedingt ein bestimmter Gitarrensound oder ein wiederkehrendes Songwriting-Schema, sondern diese leicht dreckige, ungeduldige Haltung. HIJSS können einen Song nach vorne prügeln und ihn kurz darauf mit Synthesizern, elektronischen Beats oder psychedelischen Passagen wieder aus der Spur bringen. Genau diese kleinen Richtungswechsel machen hijss interessanter als ein weiteres Retro-Psychedelic-Album, das sich ausschließlich an den üblichen Vorbildern abarbeitet.
Schon „Drain Of Thoughts“ setzt entsprechend die Richtung: rau, direkt und mit ordentlich Druck, ohne sich lange mit einer Einleitung aufzuhalten. „Vicious Cycle“ geht ähnlich aggressiv vor, bekommt aber durch elektronische Elemente und den krautigen Einschlag eine zusätzliche Ebene. Hier passt auch der von der Band selbst verwendete Begriff „kosmo kraut“ ganz gut – solange man ihn nicht gleich auf das ganze Album kleben will.
Denn hijss lebt gerade davon, dass nicht alles nach demselben Rezept funktioniert. „Parasite“ und „Underwater“ nehmen etwas Tempo heraus und lassen mehr Raum für die psychedelische und experimentelle Seite. Verzerrungen, Synths und noisigere Momente stehen neben einer weiterhin ziemlich bodenständigen Rockbasis. Das wirkt nicht wie ein Versuch, besonders abgefahren zu klingen. Eher wie eine Band, die einfach keinen Grund sieht, sich zwischen Punk-Energie und Space-Rock-Ausflug entscheiden zu müssen.
„Dopamine“ und „S.W.A.N.“ gehören dann zu den Stücken, in denen HIJSS ihre widerspenstigere Seite am deutlichsten zeigen. Die Songs dürfen schwerer und schräger werden, ohne dass die Band ihre Direktheit verliert. Gerade die Kombination aus Post-Punk-artigem Gesang, dreckigen Gitarren und den teilweise ziemlich abgefahrenen Synthesizer-Passagen gibt dem Album seinen eigenen Charakter. Man hört hier zwar genug bekannte Zutaten, aber sie werden nicht einfach sauber nebeneinandergelegt.
Und genau da liegt gleichzeitig die kleine Schwäche von hijss. Bei einer solchen Menge an Einflüssen besteht immer die Gefahr, dass Atmosphäre und Attitüde stärker im Gedächtnis bleiben als einzelne Songs. HIJSS können interessante Ideen aneinanderreihen, aber nicht jeder Moment besitzt dieselbe Wirkung. Manchmal scheint der Sound wichtiger zu sein als die eigentliche Songidee. Das fällt allerdings weniger ins Gewicht, weil die Band dieses Album nicht auf Hochglanz poliert, sondern seine Ecken und Richtungswechsel bewusst stehen lässt.
Im Vergleich zum Debüt Stuck On Common Ground wirkt hijss deshalb weniger wie eine bloße Fortsetzung und mehr wie ein Schritt zur Seite. Die Grundhaltung ist geblieben, aber das musikalische Spielfeld wurde deutlich größer. Punk bleibt der Antrieb, während Krautrock, Space Rock, Grunge und elektronische Elemente immer wieder dazwischenfunken.
Keine besonders höfliche Platte, keine besonders vorhersehbare Platte – und zum Glück auch keine, die sich allzu ernst nimmt. HIJSS haben hier ihren eigenen kleinen Begriff für das Durcheinander gefunden. kosmo kraut passt tatsächlich ganz gut.
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