
Mandy Manala – Something Wicked (2026, Argonauta Records) (Review)

Mandy Manala machen es sich mit ihrem zweiten Album nicht unbedingt gemütlich. Something Wicked ist dunkler als das Debüt, teilweise schwerer, aber vor allem wirkt die Platte deutlich selbstbewusster. Dabei ist es eigentlich gar keine Reaktion auf den Erfolg des ersten Albums. Die Finnen hatten mit den neuen Songs schon angefangen, bevor ihr Debüt überhaupt erschienen war. Eine Woche nach der Veröffentlichung wurde Something Wicked bereits aufgenommen. Reviews zum Vorgänger waren bis dahin ausdrücklich tabu. Keine schlechte Methode, wenn man vermeiden will, plötzlich Musik für irgendwelche Leute zu schreiben, die irgendwo im Internet eine Zahl unter eine Rezension gesetzt haben.
Musikalisch bleibt das Ganze im Bereich zwischen Heavy Rock, Stoner und Occult Rock, ohne sich auf eine dieser Schubladen festnageln zu lassen. Die Riffs haben ordentlich Gewicht, aber Mandy Manala wollen nicht permanent beweisen, wie schwer sie klingen können. Viel wichtiger sind Melodien und Songs, die tatsächlich irgendwohin führen. Genau dadurch funktioniert die Mischung aus älteren Hard-Rock-Einflüssen und der dunkleren Seite des Materials erstaunlich gut.
Und natürlich fällt zuerst Christa Nedergårds Stimme auf. Sie singt nicht einfach über die Gitarren hinweg, sondern bestimmt wesentlich, wie die Songs wirken. Mal rauer, mal fast zerbrechlich, dann wieder mit ordentlich Druck – ohne dass daraus ein ständiges „Schaut mal, was ich alles kann“ wird. Gerade das passt gut zu Mandy Manala. Die Musik darf schwer sein, aber sie braucht keine übertriebene Dramatik, weil die Stimme diese Rolle ohnehin übernimmt.
„Bloodred Chapel of Sin“ setzt den Ton ziemlich gut. Der Song baut Spannung auf, ohne sie sofort in einem riesigen Refrain aufzulösen. Danach kommt mit „Nocturnal Bites“ ein deutlich direkterer Brocken. Die Nummer war laut Band genau das, was auf dem Album noch fehlte: ein richtiger Anthem, der „Radio-Hit“, wenn man so will. Und tatsächlich gehört der Song zu den Momenten, die sofort hängen bleiben, ohne deshalb glattgebügelt zu wirken.
Interessanter wird es bei „Psalm 77:7“. Der Song braucht ein bisschen Zeit, bis er seine Wirkung entfaltet, und gerade deshalb bleibt er länger im Kopf. Der Text nimmt sich religiösen Fanatismus und die Welt der unabhängigen Kirchen vor, während musikalisch ein etwas federnderer Groove ins Spiel kommt. Hier merkt man auch, dass Mandy Manala nicht jeden Song nach demselben Rezept bauen. Das Bassspiel bekommt mehr Raum, die Nummer bewegt sich anders und plötzlich wirkt das Album weniger wie eine Ansammlung von schweren Riffs und mehr wie eine tatsächlich durchdachte Platte.
Überhaupt sind die Kontraste eine der Stärken von Something Wicked. „Shoebox“ nimmt deutlich Tempo und Lautstärke heraus und funktioniert fast wie ein kurzer Film, bevor die Platte wieder anzieht. Später sorgen „Beneath A Steel Sky“ und „The Dark Passenger Pt.2“ für mehr Druck. Letzterer ist dabei nicht einfach nur eine Fortsetzung um der Fortsetzung willen. Die Geschichte um den unkontrollierbaren primitiven Teil des menschlichen Gehirns wird weitergeführt und bekommt einen ziemlich passenden Abschluss.
Ganz frei von Problemen ist die Sache allerdings nicht. Die Produktion ist kraftvoll und modern, manchmal aber auch etwas zu dicht. Wenn mehrere Gitarrenschichten gleichzeitig aufdrehen, verschwimmen einzelne Details schneller, als es der Musik eigentlich guttun würde. Gerade bei den schwereren Passagen könnte etwas mehr Luft zwischen den Instrumenten dafür sorgen, dass die Riffs noch stärker wirken. Das ist kein kaputter Sound – eher das Gegenteil. Alles sitzt sehr ordentlich an seinem Platz, nur hätte man manchen Stellen ruhig ein wenig mehr Raum geben dürfen.
Das ist insofern interessant, weil Mandy Manala eigentlich aus einer Haltung heraus entstanden sind, die genau gegen diese sterile moderne Metal-Ästhetik gerichtet ist. Alte Amps, echte Drums, gute Songs und eingängige Riffs statt der Suche nach dem nächsten perfekten Gitarrensound. Auf Something Wicked funktioniert dieser Ansatz meistens. Wo die Produktion etwas zu kompakt wird, merkt man allerdings auch, wie viel besser die Songs atmen, wenn sie nicht von einer dichten Gitarrenwand zugestellt werden.
Die okkulte Geschichte um Mandy selbst – die aus der Asche der verbrannten Hexe Amanda von Treiss hervorgeht – passt dabei erstaunlich gut zum musikalischen Charakter der Band. Es ist nicht einfach irgendein Pentagramm auf dem Cover und fertig. Die Figur wird über mehrere Alben weiterentwickelt und gibt dem Ganzen einen eigenen kleinen Kosmos. Dazu kommen Einflüsse aus Filmen von Robert Eggers, Ingmar Bergman oder Benjamin Christensen und natürlich jede Menge schwarzer Humor und menschliche Abgründe. Das erklärt auch, warum die Musik nicht einfach nach Retro-Rock klingt. Dafür steckt zu viel Eigenwilligkeit in der Mischung.
Something Wicked erfindet den Occult Rock sicher nicht neu. Das muss es aber auch gar nicht. Mandy Manala haben etwas wesentlich Schwierigeres geschafft: Sie nehmen vertraute Zutaten und machen daraus Songs, die nicht wie eine bloße Ansammlung von Einflüssen wirken. Heavy Rock, Stoner-Groove, dunkle Atmosphäre und starke Gesangsmelodien stehen hier nicht gegeneinander. Meistens greifen sie ziemlich sauber ineinander.
Und wenn Christa Nedergård dann wieder über einem dieser Riffs auftaucht, weiß man ziemlich schnell, warum das funktioniert.
Nicht revolutionär. Aber eigenständig genug, um nicht wie die nächste Retro-Band im selben alten Schrank zu klingen.
- ENDLESS FLOODS – Passages (2026, Permafrost Records / Araki Records / Yoyodyne Records) (Review)

- Suplecs – Hymns Under A Blood Moon Sky (2026, Ripple Music) (Review)

- RITUAL ARCANA – Ritual Arcana (2026, Heavy Psych Sounds) (Review)

- HIJSS – hijss (2026, Heavy Psych Sounds) (Review)

- SLEEPING GIANT – The Beauty of Obliteration (2026, Octopus Rising) (Review)

- Sleep – Hempispheres (2026, Third Man Records) (Review)

- Gjenferd – Black Smoke Rising (2026, Apollon Records) (Review)

- FUZZING NATION – Mothertruck (2026, Octopus Rising) (Review)

- Mandy Manala – Something Wicked (2026, Argonauta Records) (Review)

- PELEGRIN – The Curse of Nephtar (2026, Ripple Music) (Review)


Schreibe einen Kommentar