
TONS – Stoned Villains: Zwischen Sludge, Exzess und Selbstironie
Seit 2009 stehen TONS aus Turin für eine kompromisslose Mischung aus Sludge, Doom und Hardcore-Punk. Mit „Stoned Villains“ legt die Band nun ihr nächstes Album vor – mit mehr Melodie, aber unverändert viel Dreck im Sound.
Wir haben mit der Band über Riffs, Rauschzustände, Line-up-Wechsel und ihre ganz eigene Philosophie zwischen Exzess und Humor gesprochen.
Hail von Der Fuzzer! Für alle, die euch noch nicht kennen: Wie ist TONS entstanden, wer spielt aktuell in der Band und wie würdet ihr euren Sound selbst beschreiben?
TONS wurden 2009 in Turin gegründet. Die ursprüngliche Besetzung bestand aus mir, Steuso und Marco – wir alle kamen aus HC-Punk-Bands aus Italien. Die Idee war, eine Sludge-Band im Stil von Bongzilla zu gründen, aber mit einer deutlichen HC-Punk-Kante. Seitdem haben wir vier Alben und drei Split-Releases aufgenommen, eines davon zusammen mit Bongzilla. Wir sind viel durch Europa getourt, haben in Clubs, Squats und auf Festivals gespielt – besonders oft in Deutschland.
Inzwischen hat sich die Besetzung mehrfach verändert. Aktuell sind wir:
Paolo (Gingerzilla) – Gesang/Bass
Steuso (Stewie J. Tanuki) – Gitarre/Grafik
Paolo (Duncan McCrapper) – Gitarre
Paolo (Paolo Arturo) – Drums
„Stoned Villains“ erscheint bald – was waren diesmal die zentralen Ideen hinter Songs und Texten?
Hello, Der Fuzzers!!!! „Stoned Villains“ ist am 20.04. erschienen (keine Ahnung, warum genau an dem Datum…) über Heavy Psych Sounds Records. Auf dem Album wollten wir melodische Elemente stärker in den Vordergrund stellen als früher, insgesamt mit einem etwas grungigeren Feeling. Inhaltlich geht es in den Texten von Weed-Stories bis hin zu meinen eigenen Exzessen – auch was Essen angeht. Essen und Weed spielen eine ziemlich große Rolle in unserem Leben. Dabei versuchen wir immer, einen humorvollen und eher lockeren Zugang zu behalten.
Könnt ihr uns kurz durch die Songs führen – worum geht es jeweils?
– „Shirley Temple Ball“ erzählt von der Reise eines unschuldigen Mädchens, das in Nepal eine spirituelle Erfahrung sucht und sich dabei in den Wolken von Temple-Ball-Hasch verliert – und den Weg zurück nicht mehr findet.
– „Hangover the Top“ handelt vom brutalen Erwachen nach einer Nacht voller Alkohol- und Drogenexzesse.
– „Lost in Plantation“ beschreibt das Gefühl, sich durch übermäßigen Weed-Konsum zu verlieren – metaphorisch als jemand, der sich in einer Marihuana-Plantage verirrt.
– „The Big Bong Theory“ ist im Grunde eine Aufforderung, Dinge groß anzugehen, an die eigenen Grenzen zu gehen, ohne sich von Schwierigkeiten abschrecken zu lassen.
– „Darth Vaper“ zeigt, dass selbst die düstersten Figuren ihre Maske ablegen und aus ihrer Rolle ausbrechen können.
– „Rollercoaster Diet Bombo“ ist wahrscheinlich der persönlichste Song – über meinen eigenen Kampf mit Disziplin und Selbstkontrolle und die Konsequenzen davon.
Wie liefen die Aufnahmen? Gab es Chaos oder magische Momente im Studio?
Jetzt können wir es sagen: Es war die Hölle – aber wir haben es durchgezogen! Während des Songwritings hat unser damaliger Drummer Andrea beschlossen auszusteigen, um sich komplett seinem neuen Projekt Gotho zu widmen. Das hat alles deutlich komplizierter gemacht, sowohl beim Schreiben als auch bei den Aufnahmen. Aber am Ende haben wir es geschafft – und sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis.
Wie ist die Zusammenarbeit mit Heavy Psych Sounds? Und bleibt ihr dabei?
Wir arbeiten seit unserem ersten Album „Musinè Doom Session“ mit Heavy Psych Sounds zusammen. Gabriele Fiori ist für uns nicht nur Labelboss, sondern auch ein guter Freund. Wir haben ein sehr enges Verhältnis zum Label und sind mit der Zusammenarbeit absolut zufrieden.
Welche Einflüsse prägen euren Sound – und welche Bands sollte man unbedingt auf dem Schirm haben?
Unsere Einflüsse kommen stark aus der extremen Musik der 80er und 90er: Punk, Metal, Hardcore – aber auch Psychedelic, Grunge und sogar ein bisschen Hip-Hop. Wir mögen Bands, die sich nicht einschränken, und für uns sind die Melvins da ein perfektes Beispiel.
Außerdem hat uns die HC-Punk-Szene in Turin stark geprägt. Bands wie Crunch und Arturo waren extrem wichtig für uns – und ironischerweise ist es jetzt genau der Arturo-Drummer Paolo, der bei uns am Schlagzeug sitzt, was dem Sound wieder mehr Punk und weniger Metal gegeben hat.
In Italien gibt es unglaublich viele gute Bands: Aus Grime sind Claustrum und Feral Forms entstanden (roher Death Metal), Sator aus Genua sind eine starke Sludge-Band, ZU haben gerade eines ihrer besten Alben veröffentlicht, wir feiern Ufomammut sehr, Ape Unit und ROPE haben starke neue Releases draußen, und Ponte del Diavolo aus Turin zünden gerade überall in Europa die Bühnen an. Vielleicht stimmt es ja doch: Italians do it better.
Spielt ihr viel live? Lieblingsorte?
Wir versuchen, etwa 25-30 Shows im Jahr zu spielen, meistens im Ausland, aber auch gerne in Italien. Einer unserer Lieblingsorte ist die Chemiefabrik in Dresden – da werden wir immer besonders herzlich empfangen. Außerhalb Europas waren wir noch nicht unterwegs, aber im Mai geht es nach Japan zum Tokyo Doom Fest, wo wir zwei exklusive Sets spielen. Darauf freuen wir uns extrem.
Gab es Momente mit Fans, die euch verändert haben?
Für mich persönlich: Ja. Nach ein paar Erfahrungen, bei denen ich nicht ganz unter Kontrolle war, habe ich gelernt, vor Shows mit Alkohol vorsichtig zu sein. Weed geht klar – aber Alkohol ist eine andere Geschichte. Die Fans waren immer zu nett, um das direkt anzusprechen, aber meine Bandkollegen sagen mir schon, wenn ich Mist baue.
Wie entstehen eure Songs normalerweise?
Die meisten Songs beginnen mit Riffs, die wir ins Handy einsingen. Danach werden sie gemeinsam im Proberaum ausgearbeitet und arrangiert. Die Songtitel entstehen ziemlich früh und geben oft schon die Richtung für Atmosphäre und Text vor – die Lyrics kommen meistens ganz am Ende.
Ihr seid schon lange unterwegs – wie hält man eine Band am Laufen?
Ganz ehrlich: Es gab einige Besetzungswechsel. Konstant sind seit 2009 nur ich (Paolo) und Steuso. Aber der wichtigste Punkt ist: Wir sind nicht nur Bandkollegen, sondern Freunde. Wir verbringen auch privat Zeit zusammen, gehen snowboarden oder in den Urlaub. Der Spaß steht immer im Vordergrund – Touren fühlen sich oft eher wie Klassenfahrten an.
Wo seht ihr euch in zwei Jahren?
Wir würden sehr gerne in den USA touren – dort fragen viele Leute nach Shows. Und idealerweise arbeiten wir bis dahin schon am nächsten Album.
Letzte Worte an Fans, Hater und unsere Leser?
Für unsere deutschen Fans: viel Weed beim Hören unserer Musik.
Für unsere Hater: auch viel Weed – hilft gegen Hass.
Für alle Leser: ebenfalls viel Weed – hilft beim Lesen.
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