Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

HOLYSTONE – Accepting Omega (2026) (Review)

Dass eine Band beim zweiten Album härter werden will, gehört inzwischen fast schon zum guten Ton. Meistens bleibt davon am Ende nicht viel übrig. Ein paar Gitarrenspuren mehr, etwas weniger Hall, fertig. Bei HOLYSTONE läuft das anders.

Accepting Omega fühlt sich von Anfang an deutlich unbequemer an als viele aktuelle Veröffentlichungen aus der Heavy-Psych-Ecke. Wer nach den ersten Minuten glaubt, hier die nächste Desert-Rock-Platte mit endlosen Jams serviert zu bekommen, wird ziemlich schnell eines Besseren belehrt. Klar, diese Wurzeln sind immer noch da. Aber sie bestimmen das Geschehen längst nicht mehr.

Was sofort auffällt, ist die Spannung, die sich fast über die komplette Spielzeit hält. Die Band verzichtet weitgehend darauf, den Hörer mit großen Refrains oder offensichtlichen Höhepunkten abzuholen. Stattdessen schiebt sich ein Riff nach dem nächsten langsam ins Bewusstsein. Vieles wirkt zunächst unscheinbar und gewinnt erst mit der Zeit an Gewicht. Gerade das macht den Reiz der Platte aus.

Die Gitarren klingen dabei angenehm trocken. Nichts wirkt überproduziert oder künstlich aufgeblasen. Dass Jack Endino und Dave Catching an den Aufnahmen beteiligt waren, überrascht im Nachhinein eigentlich kaum. Trotzdem würde ich den Sound nicht auf diese beiden Namen reduzieren. HOLYSTONE klingen nicht wie Nirvana, nicht wie Queens Of The Stone Age und schon gar nicht wie irgendeine Kopie der Seattle-Schule. Die Einflüsse kann man sich zusammenreimen, aber am Ende steht eine Platte, die ihren eigenen Charakter entwickelt.

Besonders gut funktioniert das Zusammenspiel der beiden Stimmen. Weder Wolfe Peterson noch Madison Morris drängen sich ständig in den Vordergrund. Stattdessen wechseln sie sich ab oder ergänzen sich genau dort, wo es den Songs guttut. Das wirkt nie konstruiert. Im Gegenteil – vieles entsteht eher beiläufig, fast selbstverständlich.

Überhaupt nimmt sich die Band erstaunlich viel Zeit. Die Songs entwickeln sich langsam, manchmal sogar störrisch. Wer ständig auf den nächsten Höhepunkt wartet, dürfte hier irgendwann ungeduldig werden. Wer sich dagegen auf dieses Tempo einlässt, entdeckt nach und nach immer mehr Details. Genau deshalb würde ich Accepting Omega auch nicht nebenbei hören. Dafür passiert zu viel zwischen den eigentlichen Riffs.

Interessant finde ich außerdem, dass HOLYSTONE trotz der düsteren Grundstimmung nie ins Pathetische abrutschen. Das Album beschäftigt sich mit Weltuntergang, Angst und Selbstzerstörung – Themen, die schnell kitschig werden können. Hier bleiben sie erstaunlich nüchtern. Die Musik trägt diese Stimmung ohnehin besser als jeder erhobene Zeigefinger.

Auch die Produktion trägt ihren Teil dazu bei. Alles hat Platz, nichts wird zugeschüttet. Gerade das Schlagzeug profitiert davon enorm. Es treibt die Stücke an, ohne ständig Aufmerksamkeit einzufordern. Dasselbe gilt für den Bass, der häufig mehr macht, als man beim ersten Durchlauf überhaupt wahrnimmt.

Natürlich ist Accepting Omega keine Platte für jeden. Wer eingängige Hooks oder schnelle Erfolgserlebnisse sucht, wird vermutlich nicht glücklich. Dafür verlangen HOLYSTONE schlicht zu viel Geduld. Mich hat genau das allerdings überzeugt. Das Album entfaltet seine Wirkung nicht in einzelnen Songs, sondern als Ganzes. Es lebt davon, dass man dranbleibt.

Nach mehreren Durchläufen hatte ich jedenfalls nicht das Bedürfnis, einzelne Titel herauszupicken. Eher im Gegenteil. Ich habe die Platte meistens komplett noch einmal von vorne gestartet. Das passiert mir inzwischen gar nicht mehr so oft.

Unterm Strich ist Accepting Omega deshalb genau die Art von zweitem Album, die man sich häufiger wünschen würde. Keine hastige Wiederholung des Debüts, kein übertriebener Stilwechsel und auch kein verzweifelter Versuch, möglichst modern zu klingen. HOLYSTONE haben ihren Sound hörbar weiterentwickelt, ohne dabei ihre Identität über Bord zu werfen. Das wirkt ehrlich, selbstbewusst und vor allem deutlich nachhaltiger als vieles, was in diesem Bereich derzeit erscheint.

https://www.instagram.com/holystonefuzz/

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