Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

Gods & Punks – A Shrine by the Sea (2026, Electric Valley Records) (Review)

Zwei Songs. Jeweils 21 Minuten und zwölf Sekunden.

Das ist entweder eine ziemlich gute Idee oder eine Einladung an den Hörer, nach spätestens zehn Minuten mal nachzusehen, wie lange das Ding eigentlich noch läuft. Bei A Shrine by the Sea entscheiden sich Gods & Punks ganz bewusst für die erste Variante. Ihr mittlerweile sechstes Album besteht aus zwei langen Kompositionen: The Lighthouse auf der ersten und Poseidon auf der zweiten Seite.

Und tatsächlich funktioniert dieses Konzept erstaunlich gut.

Denn Gods & Punks haben offenbar gar kein Interesse daran, aus ihren beiden Stücken einfach zwei überlange Stoner-Rock-Songs zu machen. Beide Tracks sind eher kleine Reisen mit mehreren Stationen. Man muss sich darauf einlassen, dass hier nicht alle zwei Minuten ein neuer Refrain oder ein besonders fettes Riff wartet.

The Lighthouse beginnt vergleichsweise ruhig und lässt sich Zeit. Atmosphärische Gitarren, viel Raum und diese leicht entrückte Stimmung, die man von psychedelischem Stoner-Rock kennt. Dann wird es schwerer. Doom kommt ins Spiel, die Riffs werden langsamer und irgendwann steht plötzlich dieser Sabbath-Einschlag im Raum.

Das Schöne daran: Gods & Punks übertreiben es nicht.

Bei einem 21-Minuten-Stück wäre die Versuchung groß, möglichst viele Ideen hineinzupacken, damit bloß keine Langeweile entsteht. Hier passiert eher das Gegenteil. Die Band lässt bestimmte Motive wiederkommen und verändert sie nur langsam. Ein Riff, das anfangs noch relativ unscheinbar wirkt, bekommt dadurch mit der Zeit deutlich mehr Gewicht.

Man muss dafür allerdings ein bisschen Geduld mitbringen.

Das ist keine Platte für nebenbei. Zumindest A Shrine by the Sea nicht. Wer beim ersten Hören gleichzeitig E-Mails beantwortet, Kaffee kocht und nebenher noch drei Tabs offen hat, wird wahrscheinlich nicht besonders viel davon mitbekommen. Die Musik verlangt nicht unbedingt Aufmerksamkeit, aber sie belohnt sie.

Interessant ist auch, wie stark sich die beiden Stücke voneinander unterscheiden.

The Lighthouse wirkt erdiger und schwerer. Der Doom-Anteil ist deutlich spürbar, und die Sabbath-Wurzeln werden nicht versteckt. Gleichzeitig gibt es immer wieder Passagen, in denen die Gitarren den Boden unter den Füßen verlieren und das Stück in psychedelischere Gefilde driftet. Der Gastgesang von Andrea Ruocco fügt sich dabei gut ein, ohne aus dem Song plötzlich etwas völlig anderes zu machen.

Poseidon geht anschließend einen anderen Weg.

Hier wirkt vieles zunächst fließender. Die Musik hat mehr Luft, weniger Druck und bewegt sich stärker über Atmosphäre als über einzelne Riffs. Das Stück braucht seine Zeit, bis es wirklich Fahrt aufnimmt. Dafür wirkt der Aufbau am Ende umso befriedigender, wenn die Intensität langsam zunimmt.

Und genau da liegt für mich der eigentliche Reiz dieses Albums.

Gods & Punks versuchen nicht, ihre Musik künstlich größer zu machen, nur weil sie zwei 21-Minuten-Stücke geschrieben haben. Die Länge ist kein Selbstzweck. Es geht eher darum, musikalische Ideen so lange auszuspielen, bis sie ihre Wirkung entfalten.

Das funktioniert natürlich nicht in jedem Moment gleich gut.

Es gibt Passagen, bei denen man merkt, dass 21 Minuten eben verdammt lang sein können. Nicht jede Wiederholung entwickelt automatisch neue Spannung. Gerade bei Poseidon braucht man ein wenig Geduld, bis sich die einzelnen Teile zu einem größeren Ganzen verbinden. Wer lieber Songs mit klaren Strophen, Refrains und einem schnellen Punkt am Ende hört, dürfte hier vermutlich irgendwann nervös werden.

Aber das ist auch nicht die Zielgruppe.

A Shrine by the Sea ist eher ein Album zum Versinken.

Und vielleicht passt das Meer als Thema deshalb ziemlich gut. Beide Stücke bewegen sich ständig zwischen Ruhe und Bewegung. Mal ist das Wasser spiegelglatt, dann kommt plötzlich mehr Wind auf. Mal steht ein Riff wie ein Fels im Weg, dann löst es sich wieder in psychedelischen Gitarrenflächen auf.

Dabei hilft auch, dass die Band ihre progressive Seite nicht mit unnötiger Virtuosität verwechselt. Es gibt durchaus komplexere Arrangements, aber niemand muss hier ständig zeigen, wie viele Taktwechsel er beherrscht. Die Musik bleibt trotz ihrer Länge erstaunlich zugänglich.

Das ist vermutlich auch der Punkt, an dem die Sabbath-Einflüsse und die progressive Seite der Band am besten zusammenpassen. Gods & Punks können ein sehr simples, schweres Riff spielen und es trotzdem in einen größeren musikalischen Zusammenhang stellen.

Das Ergebnis ist keine Platte, die beim ersten Durchlauf sofort alle Karten auf den Tisch legt.

Im Gegenteil.

Je länger man zuhört, desto mehr kleine Veränderungen fallen auf. Gitarren kommen und gehen, die Dynamik verschiebt sich, ein Motiv taucht später in anderer Form wieder auf. Das sind keine riesigen Aha-Momente, sondern eher Kleinigkeiten, die dafür sorgen, dass man beim zweiten oder dritten Durchlauf plötzlich Stellen wahrnimmt, die vorher einfach vorbeigegangen sind.

Und damit funktioniert auch das alte Vinyl-Konzept hinter dem Album erstaunlich gut.

Eine Seite. Ein Stück. Umdrehen. Weiter.

Natürlich kann man A Shrine by the Sea heute problemlos digital am Stück hören. Aber die Musik fühlt sich trotzdem so an, als wäre sie für genau diese Art des Hörens gedacht worden. Nicht als Playlist-Material, nicht als Sammlung einzelner Singles, sondern als zusammenhängende Erfahrung.

Das ist vielleicht die größte Stärke dieses Albums.

Gods & Punks machen es dem Hörer nicht besonders bequem. Sie verlangen Zeit und ein bisschen Geduld. Dafür bekommt man eine Platte, die nicht nach fünf Minuten alles verraten hat.

The Lighthouse und Poseidon sind keine zwei Songs, die man einfach konsumiert und anschließend abhakt.

Man muss sich schon ein wenig auf sie einlassen.

Aber wenn man das tut, funktioniert A Shrine by the Sea erstaunlich gut als psychedelische Reise zwischen Doom, Stoner und Prog. Nicht spektakulär um jeden Preis, nicht überladen und auch nicht ständig auf der Suche nach dem nächsten großen Moment.

Ein Album, das lieber langsam Wellen schlägt.

Und manchmal ist genau das wesentlich spannender, als wenn eine Band permanent versucht, einen umzuhauen.

https://www.instagram.com/godsandpunksband

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