
DDENT – Feeding the Void’s Luster (2026, Chien Noir) (Review)

Neuaufnahmen alter Songs sind immer so eine Sache. Oft fragt man sich nach der ersten Nummer, warum eine Band dafür überhaupt Zeit investiert hat. Die Originale gibt es schließlich noch. Also wozu das Ganze?
Bei DDENT war ich deshalb erst einmal skeptisch.
Nach ein paar Durchläufen hat sich das allerdings erledigt. *Feeding the Void’s Luster* klingt nämlich nicht wie eine Band, die altes Material einfach noch einmal eingespielt hat. Dafür hat sich zu viel verändert.
Natürlich fällt der Gesang sofort auf. Das lässt sich gar nicht vermeiden. Wer DDENT bislang kannte, verbindet die Band schließlich mit rein instrumentalen Platten. Ich hatte ehrlich gesagt Sorge, dass die Atmosphäre darunter leiden könnte. Tut sie aber nicht. Nicolas Zivkovich setzt seine Stimme ziemlich gezielt ein und hält sich erfreulich zurück. Es gibt keine Minute, in der man denkt: Jetzt muss der Sänger unbedingt zeigen, was er kann. Genau das macht die Sache glaubwürdig.
Fast spannender finde ich den neuen Drummer. Alain Minot bringt ordentlich Bewegung ins Material. Die alten Versionen wirkten stellenweise bewusst stoisch. Das hatte seinen Reiz. Jetzt schiebt die Musik deutlich mehr nach vorne, ohne hektisch zu werden. Das passt erstaunlich gut.
Überhaupt hat die Platte heute mehr Kanten. An einigen Stellen kratzt sie am Black Metal, dann schiebt sich wieder Doom nach vorne, zwischendurch blitzt sogar ein ordentlicher Hardcore-Einschlag auf. Trotzdem verliert DDENT nie den eigenen Charakter. Das gefällt mir deutlich besser, als wenn jede Idee sofort einer bestimmten Schublade entsprechen muss.
Dass die Songs live im Studio entstanden sind, hört man ebenfalls. Und das meine ich ausdrücklich positiv. Heute wird viel zu oft alles glattpoliert. Hier rumpelt es gelegentlich ein bisschen, Gitarren reiben sich aneinander, das Schlagzeug atmet. Genau solche Kleinigkeiten sorgen dafür, dass die Platte lebendig bleibt.
Man sollte allerdings wissen, worauf man sich einlässt. Wer komplett neues Material erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht sein. DDENT schreiben ihre Geschichte hier nicht weiter, sondern schauen noch einmal auf bereits vorhandene Stücke. Nur eben mit einer Band, die heute anders funktioniert als damals.
Genau deshalb macht diese Veröffentlichung für mich auch Sinn. Wären die neuen Fassungen lediglich lauter oder härter geworden, hätte ich wahrscheinlich nach der Hälfte abgeschaltet. Stattdessen verändern sie die Wirkung der Songs, ohne deren Kern anzutasten. Das bekommt längst nicht jede Band hin.
Ich habe danach tatsächlich noch einmal die alten Versionen aufgelegt. Muss man nicht machen, hilft aber. Erst dann fällt auf, wie viel sich im Detail verändert hat. Manche Passagen wirken heute direkter, andere deutlich düsterer. Und trotzdem erkennt man die Stücke sofort wieder.
Am Ende ist *Feeding the Void’s Luster* weder ein gewöhnliches Livealbum noch eine klassische Neuaufnahme. Eigentlich ist es beides nicht. Eher eine Momentaufnahme einer Band, die sich hörbar verändert hat und ihr eigenes Material noch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Das hätte leicht zur Fingerübung werden können.
Ist es aber nicht.
Und genau deshalb hat diese Platte ihre Berechtigung.
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