Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

Tarlung: Zwischen Druck, Doom und „Axis Mundi“

Mit „Axis Mundi“ verdichtet die Sludge/Doom-Formation Tarlung ihren Sound weiter und bewegt sich hörbar weg von früheren, verspielteren Ansätzen. Stattdessen setzt die Band auf Kompaktheit, Druck und eine deutlich fokussiertere Herangehensweise – ohne dabei ihre Mischung aus schweren Riffs, schleppenden Grooves und harschen Vocals zu verlieren.
Wir haben mit der Band über den Entstehungsprozess, das Studio, die Songstruktur und die thematische Schwere des Albums gesprochen.

Wie hat „Axis Mundi“ als Album Form angenommen?

Hi Karl, danke für dein Interesse! Die Band gibt es seit 2013, wir haben bisher drei Alben, eine EP und eine Split-EP veröffentlicht. Kurz nach „Architect“ haben wir angefangen, mit neuen Ideen zu experimentieren – daraus entwickelte sich nach und nach das Fundament für „Axis Mundi“. Das war kein bewusster Richtungswechsel, aber die Songs wurden kompakter, direkter und stellenweise auch etwas experimenteller – ohne dabei unsere schweren Riffs, den schleppenden Groove und die harschen Vocals zu verlieren.

Ihr habt erneut bei DeepDeepPressure aufgenommen – was zieht euch immer wieder dorthin?

Lukas Haidinger ist einfach ein absoluter Profi. Die Arbeit in seinem Studio läuft extrem reibungslos, und er bringt durch seine Erfahrung – auch als Musiker bei Bands wie DISTASTE, ENDONOMOS oder VOR DIE HUNDE – genau das Verständnis mit, das es für schwere Musik braucht.

War der Schreibprozess diesmal lang oder eher in Schüben?

Es hat sich über einen längeren Zeitraum entwickelt, tatsächlich in mehreren Phasen. Wir hatten aber keinen Zeitdruck und haben dem Ganzen bewusst Raum gegeben. Irgendwann war einfach klar: Jetzt ist der Punkt erreicht, an dem wir ins Studio gehen.

Warum eröffnet ausgerechnet „Static Noise“ das Album?

Das hat sich relativ schnell ergeben. Der Song ist für unsere Verhältnisse sehr kompakt und funktioniert gut als erster Kontaktpunkt. Deshalb haben wir ihn auch als erste Single gewählt.

Hat sich zwischen frühen Versionen und finaler Aufnahme noch viel verändert?

Nicht grundlegend. Natürlich haben wir Details ausgearbeitet, Arrangements angepasst und am Groove gefeilt – aber die Basis stand von Anfang an.

Denkt ihr beim Schreiben eher in einzelnen Songs oder im Albumkontext?

Es ist kein Konzeptalbum, daher stehen die einzelnen Songs für sich. Trotzdem ergibt sich ein Gesamtbild: düsterer, schwerer Sludge und Doom – mit gelegentlichen helleren Momenten.

„Sea of Drowned Souls“ sticht atmosphärisch heraus – wie ist der Song entstanden?

Ausgangspunkt war dieses leicht „swingende“ Riff – intern nennen wir es das „Hotel California“-Riff. Der Track ist insgesamt experimenteller aufgebaut: ein extrem schweres Hauptriff, kombiniert mit einem ungewöhnlich zerschnittenen, fast sperrigen Finale.

2023 waren wir mit MARES OF THRACE auf Tour und haben Trez und Casey kennengelernt. Daraus entstand die Idee, sie für Gastvocals zu fragen – was hervorragend funktioniert hat.

Gab es viel Material, das es nicht aufs Album geschafft hat?

Ja, zwei zusätzliche Tracks. Beide eher kurz, sehr heavy – fast schon in Richtung langsamer Death Metal. Damit werden wir vermutlich noch etwas machen.

War die Reihenfolge der Songs schnell klar?

Der Einstieg mit „Static Noise“ und das Ende mit „Axis Mundi“ standen früh fest. Dazwischen war es allerdings durchaus ein Prozess, einen stimmigen Flow zu finden – auch im Hinblick auf die Vinyl-Aufteilung.

Steht das Album eher in Verbindung zu „Architect“ oder ist es ein eigenständiger Schritt?

Für uns steht „Axis Mundi“ klar für sich. „Architect“ war verspielter und offener, während wir hier bewusst verdichtet und fokussiert gearbeitet haben.

Ihr habt erneut mit Alex Eckman-Lawn für das Artwork gearbeitet – was bringt er visuell ein?

Sein Stil ist einzigartig: düster, aber gleichzeitig sehr künstlerisch – weit weg von klassischen Genre-Klischees. Das Motiv mit dem aufbrechenden Planeten und dem grinsenden Schädel im Kern hatte fast schon etwas von Warhammer 40K – was erstaunlich gut gepasst hat.

Wann kam der Titel „Axis Mundi“ ins Spiel?

Mit dem Gesamtgefühl hinter dem Album: eine massive Unruhe angesichts der Weltlage. Nach der Pandemie folgten neue Krisen, Kriege, Chaos. Man versucht informiert zu bleiben, ohne daran zu zerbrechen. Daraus entstand das Bild einer aus dem Gleichgewicht geratenen Erdachse – kurz vor dem Bruch, aber noch in Bewegung.

Fühlte sich das Album am Ende abgeschlossen an – oder eher wie ein Momentaufnahme?

Beides. Ein Album fertigzustellen ist immer ein besonderer Moment – einerseits fällt eine Last ab, andererseits weiß man: Jetzt ist es endgültig. Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis und dankbar für den Support von ARGONAUTA RECORDS sowie für das Feedback von Fans und Medien.

Wie geht es für euch weiter?

Kein Stress, aber wir wollen weiterhin live spielen – vor allem Festivals und Open Airs. Wer Interesse hat: einfach melden!

Danke für den Support!

https://www.instagram.com/tarlung_band/

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