
DEMONS MY FRIENDS: Druck, Realität und „Survive/Yourself“
Fünf Tage, Ausnahmezustand, kein Plan B: DEMONS MY FRIENDS haben ihr neues Album „Survive/Yourself“ unter Bedingungen geschrieben, die näher an Realität kaum sein könnten. Zwischen familiären Schicksalsschlägen, Jobverlust und permanenter Unsicherheit entstand eine Platte, die weniger Konzept als vielmehr Ventil ist. Wir haben mit der Band über diesen Prozess gesprochen.
Ihr habt das Album in nur fünf Tagen in Cuernavaca geschrieben – mitten in einer Phase mit Krankheit in der Familie, Jobverlust und allem, was gleichzeitig auf euch eingeprasselt ist. Wie liefen diese Tage konkret ab? Kamen die Riffs und Texte, weil sie rausmussten – oder war das Spielen selbst das, was euch über Wasser gehalten hat?
Es war beides. Wir sind nicht dorthin gefahren, um „ein Album zu schreiben“ – wir hatten schlicht keine andere Wahl, als zu explodieren. Wenn Krankheit in der Familie und Jobverlust gleichzeitig passieren, wird das Studio zum Druckkessel. Die Riffs kamen, weil sie raus mussten – aber das Spielen selbst hat uns überhaupt erst über Wasser gehalten. Das war keine Entscheidung, das war Überleben.
Das erste Album hat sich stark mit inneren Dämonen aus der Pandemie beschäftigt. „Survive/Yourself“ kommt jetzt direkt aus dem echten Leben. Haben die Songs als reines Ventil angefangen – oder haben sie sich im Prozess weiterentwickelt?
Am Anfang war es reines, ungefiltertes Ventil. Dieses Album ist deutlich näher an der Realität als das erste. Während es damals eher um Isolation und „Dämonen“ ging, geht es jetzt um den Alltag: 9-to-5, Krankenhausflure, Beerdigungen, dieses Gefühl, aufgesogen zu werden. Manche Songs waren zunächst einfach nur Schreie – und sind dann zu etwas geworden, das man fast schon als strukturierte Gegenwehr bezeichnen kann.
Vier Studios, mehrere Leute beteiligt – unter anderem Jeff Henson, Pastas und Fer Monroy. Gab es einen Moment, in dem alles zusammengekommen ist, oder hat sich das Ganze eher wie kontrolliertes Chaos angefühlt?
Der Kleber war das Chaos dieser zwei Jahre. Egal, wo wir aufgenommen haben – die Spannung war immer dieselbe. Allen war klar: Es geht nicht um „perfekt“, sondern um „echt“. Genau diese gemeinsame Haltung hat verhindert, dass es auseinanderfällt.
Pablo und Lu teilen sich die Vocals. Wie habt ihr entschieden, wer was singt – gerade bei den schweren oder sehr persönlichen Momenten?
Das hat die Emotion entschieden. Wenn sich etwas wie ein innerer Monolog angefühlt hat, hat die Person übernommen, die diese Verletzlichkeit am besten transportieren konnte. Wenn es um pure Aggression ging, haben wir die entsprechende Energie genutzt. Das Ganze ist sehr organisch passiert – immer entlang der Frequenz, die am besten zum Gewicht der Texte gepasst hat, ohne unsere melodische Seite zu verlieren.
Ihr kombiniert diesen dreckigen Grunge-Vibe mit großen Grooves und Hooks. Gab es einen Song, bei dem es besonders schwierig war, Härte und ruhigere Parts auszubalancieren?
Diese Songs sind immer ein Tauziehen. Wir wollten, dass die schweren Parts wirklich reinhauen, ohne die Melodie zu verlieren, die im Kopf bleibt. Genau da lag die größte Herausforderung.
Ihr wart mit Bruce Dickinson und Graveyard auf Tour und habt viele Festivals gespielt. Hat das Einfluss auf das Album gehabt – oder war das, was privat passiert ist, am Ende lauter?
Die Touren haben uns geschärft, aber dieses harte Jahr war deutlich lauter. Große Bühnen geben dir ein Gefühl für Dimension – aber wenn du „Survive/Yourself“ schreibst, denkst du nicht an Licht oder Publikum, sondern an den Anruf von zu Hause, an Unsicherheit. Die Realität war stärker als jede Rock’n’Roll-Fantasie.
„Survive Yourself“ als Titel – geht es dabei vor allem darum, mit den eigenen Gedanken klarzukommen, wenn außen alles zusammenbricht?
Genau darum. Wenn die Welt auseinanderfällt, bist du oft selbst dein größter Gegner – und gleichzeitig dein einziger Verbündeter. Du musst erst durch deinen eigenen Kopf, bevor du irgendetwas anderes bewältigen kannst.
Ihr kommt alle aus Mexiko-Stadt, lebt jetzt aber in Austin. Steckt das Herkunftsgefühl noch im Sound?
Immer. Das ist Teil unserer DNA. Diese gewisse Dunkelheit, diese Rauheit – die kommt von dort. Austin hat uns Raum gegeben, uns zu entwickeln, aber das Fundament bleibt Mexiko-Stadt.
Songs wie „The Isolate“ und „We All End Up Here“ – welcher steht mehr für die schwierigste Phase und welcher eher für den Blick danach?
„The Isolate“ ist der offene Nerv – komplett im Chaos drin. „We All End Up Here“ ist der Moment danach, wenn sich der Staub legt: Akzeptanz. Wieder aufstehen.
Ihr hattet ein ziemlich hartes Jahr – und habt trotzdem weitergeschrieben und aufgenommen. Gab es einen Moment, in dem ihr gemerkt habt: Die Band ist daran gewachsen?
Ja. Irgendwann merkst du: Alles bricht weg – Jobs, Sicherheit – aber die Musik bleibt. Sie trägt dich. Dass wir in so einer Situation trotzdem weiter erschaffen konnten, hat uns das Gefühl gegeben, unzerstörbar zu sein.
Wenn jemand „Demons Seem To Gather“ kennt und jetzt „Survive/Yourself“ hört – was fällt zuerst auf?
Das Gewicht. Die Härte ist noch da – aber die Songs und Texte gehen deutlich tiefer. „Demons Seem To Gather“ war ein Einstieg. „Survive/Yourself“ ist ein Geständnis.
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