Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

OKAY YOU WIN: Fuzz, Freundschaft und der lange Weg zu „End of Days“

Seit 2023 in fester Besetzung unterwegs, hat sich OKAY YOU WIN aus London in kurzer Zeit einen Namen in der britischen Heavy-Szene erspielt. Mit „End of Days“ erscheint nun das Debütalbum – roh, intensiv und mit klarem Fokus auf die Live-Qualitäten der Band. Wir haben mit der Band gesprochen – über ihren Sound zwischen Stoner und Heavy Psych, den langen Weg ins Studio und den Druck, aus vier individuellen Stimmen einen gemeinsamen Kern zu formen.

Stellt euch OKAY YOU WIN kurz vor – für alle, die bisher unter einem Stein gelebt haben: Historie, Line-up, Vibe.

(DK) Hey! Wir sind Dave (Gesang), Ryan (Gitarre), Rod (Bass) und Antonio (Drums) – eine Stoner-/Heavy-Psych-Band aus London. In dieser Besetzung spielen wir seit Anfang 2023 und haben uns in Großbritannien und darüber hinaus langsam, aber stetig einen Namen erspielt. Unser Vibe ist sehr bodenständig, direkt und ohne Bullshit. Auch wenn wir extrem stolz auf unser neues Studioalbum sind, sehen wir uns vor allem als Liveband, die auf der Bühne immer 100% gibt und dabei gerne auch spontan und überraschend bleibt.

(RB) Zur Geschichte: Dave und Ryan waren zuvor bei Empty Friend aktiv, die sich aufgelöst hatten – klar war aber, dass sie weiter zusammen Musik machen wollten. Ich (Rod) habe die beiden zufällig auf einem Gig kennengelernt (eigentlich gar nicht so zufällig – Dave hat den Abend organisiert, ich wusste das nur damals nicht!). Wir haben uns sofort gut verstanden, und schnell war klar: Wir sollten zusammen jammen. Schon nach der ersten Session hat es gepasst. Einen Drummer zu finden, war danach schwieriger – bis wir über Freunde von Gramma Vedetta an Antonio kamen. Sobald wir alle im selben Raum standen, wussten wir: das ist es.

Euer Debütalbum „End of Days“ erscheint diesen Sommer via Blues Funeral Recordings. Gab es bestimmte Auslöser oder Erlebnisse, die das Album geprägt haben?

(DK) Gute Frage – aber schwer eindeutig zu beantworten. Das Album ist aus den Emotionen von vier Leuten entstanden, die alle gerade unterschiedliche Dinge im Leben durchmachen. Musikalisch und emotional spiegelt es viel von der aktuellen Stimmung in London (und der Welt) wider: harte Schläge, Enttäuschungen, dystopische Eindrücke – aber auch Optimismus und Freude an Musik und Leben. Ich schreibe die Texte hauptsächlich, und die Themen sind eher introspektiv und „kopflastig“: stoische Haltung, Selbstreflexion, existenzielle und philosophische Fragen, ein bisschen Psych-Elemente, auch selbstzerstörerische Tendenzen.

Der Albumtitel hat übrigens eine konkrete Geschichte: Vor etwa einem Jahr sind zwei entlaufene Kavalleriepferde durch London gerast, haben Autos und Busse gerammt und überall Chaos hinterlassen. Ich habe das gesehen und gedacht: Wenn das kein schlechtes Omen ist, dann weiß ich auch nicht. Zusammen mit dem ganzen Zustand der Welt – Krieg, Krankheit, Unruhe – war „End of Days“ einfach naheliegend.

Wie viel hat jeder Einzelne in die Platte eingebracht?

(DK) Einige ältere Songs stammen noch hauptsächlich von Ryan und mir, aber der Großteil wurde gemeinsam im Proberaum entwickelt. Jeder bringt seine Stärken ein, und zusammen sind wir definitiv mehr als die Summe unserer Teile. Ryan ist ein Riff-Motor – kreativ, hart, live extrem stark. Ich selbst gehe eher Richtung Einfachheit und Melodie, das ergänzt sich gut. Rod hat ein unglaubliches Gespür für Basslinien – oft sofort perfekt passend. Antonio ist unser „Heart Player“: kein übertechnisches Gefrickel, sondern Groove, Druck und Leidenschaft. Er ist ein absoluter Tier am Schlagzeug – genau das, was wir brauchen.

(RB) Ich muss das sagen – Dave ist viel zu bescheiden dafür – seine Vocals sind ein riesiger Teil unseres Sounds. Seine Stimme hat enorm viel Power und Charakter. Als wir die ersten Mixe gehört haben, hatten wir sofort ein Grinsen im Gesicht.

Habt ihr irgendwelche Studio-Stories – stressig, lustig, alles möglich?

(DK) Wir kennen die Leute von Psychlona schon länger, und Phil hat uns damals das Studio „The Nave“ in Leeds empfohlen, zusammen mit Producer Andy Hawkins. Wir waren sofort interessiert, weil wir ihre Produktionen ohnehin sehr schätzen. Nach einem Gig in Bradford sind wir direkt ins Studio gefahren – und es hat sofort gepasst. Andy hatte ein enormes technisches Verständnis und war extrem fokussiert.

Wir wollten bewusst raus aus London, weg vom Alltag, um uns voll auf die Musik zu konzentrieren. Andy war dabei kein „neutraler Dienstleister“, sondern jemand, der uns wirklich gepusht hat. Er war ehrlich, manchmal sehr direkt („less shit“, „less obvious“), aber genau das hat uns weitergebracht. Rückblickend war er ein wichtiger Teil des Albums.

(RO) Ich hatte am letzten Tag sogar noch eine Akustikidee für den Outro-Part – Andy hat sie aber rausgenommen mit dem Kommentar: „Die Leute würden sich fragen, wo das die ganze Zeit war.“ Und er hatte recht. Außerdem war es cool, im großen Raum einer alten Kirche zu recorden – Gitarren über die Anlage zu hören, mit diesem natürlichen Hall, ist ein Traum.

(RB) Nach den Sessions haben wir direkt noch ein Konzert gespielt – zusammen mit Wolves in Winter, Ironrat und Borehead. Ehrlich gesagt waren wir komplett durch. Dave musste danach noch vier Stunden zurück nach London fahren und am nächsten Tag arbeiten. Trotzdem war es ein großartiger Abend.

(AP) Die Drums haben wir in nur zwei Tagen aufgenommen – sehr intensiv, aber auch extrem motivierend. Der Druck hat uns als Band eher zusammengeschweißt.

Glaubt ihr, dass die aktuelle Besetzung langfristig funktioniert?

(RO) Ich hoffe es sehr – sonst wären wir ziemlich verloren. Aktuell ziehen alle in die gleiche Richtung, und wir arbeiten bereits an Album zwei. Die Dynamik passt einfach.

(DK) 100%. Man weiß nie, was im Leben passiert, aber im Moment läuft es sehr gut. Die Chemie stimmt, und das ist nicht selbstverständlich.

(AP) Ich war der Letzte im Line-up, aber schon beim ersten Probieren hat es sofort geklickt. Bandmates sind wie eine zweite Familie.

Welche Bands haben euch ursprünglich dazu gebracht, Musik machen zu wollen?

(RO) Schwierig – das ändert sich ständig. Soundgarden, Alice in Chains, Kyuss, QOTSA waren definitiv prägend. Aber auch Punk hat viel Energie gegeben. In Europa gibt es außerdem starke Bands wie Elephant Tree, Lowrider oder Slomosa – extrem inspirierend.

(AP) Für mich war Dave Grohl wichtig, dazu Nirvana, Metallica, Kyuss, QOTSA, Led Zeppelin – aber auch Radiohead. Der entscheidende Moment war aber die italienische Band Litfiba.

Wie bringt ihr Band, Job und Alltag unter einen Hut?

(RO) Es ist definitiv ein Balanceakt. Viel Organisation, viele späte Calls, viel Planung neben dem Job. Aber wir versuchen auch, den Prozess zu genießen.

(RB) Wir haben außerdem ein starkes Umfeld – Freunde und Partner helfen uns bei Videos, Fotos und Promo enorm.

Was liebt und hasst ihr an der Musikindustrie?

(RO) Ich liebe, dass Menschen weiterhin Musik machen und zu Shows gehen. Was mich stört: Die massive Abwertung von Live-Musik im Vergleich zu anderen Ausgaben.

(RB) Die Szene selbst ist extrem stark und unterstützend. Was schwieriger geworden ist: Social Media ist mittlerweile entscheidend, was für Underground-Bands nicht immer hilfreich ist.

(DK) Die Community ist großartig. Wenn Musik ehrlich ist, bekommt sie auch Support zurück.

(AP) Ich liebe die Underground-Szene, aber es werden immer mehr kleine Venues geschlossen.

Spielt KI oder neue Technologie eine Rolle bei euch?

(RO) Kaum. KI für Ideen okay, aber nicht im kreativen Prozess. Musik muss menschlich bleiben.

Letzte Worte?

(DK) Grüße an alle im Umfeld, Label, Crew und Szene.

(AP) Genießt den Prozess – genau darum geht es.

https://www.instagram.com/okayyouwinofficial/

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