
Seedy Jeezus – Hell Yeah! (2026) (Review)

Manchmal muss eine Band einfach den Verstärker aufdrehen und loslegen. Keine Konzeptgeschichte, kein großes Statement, keine musikalische Weltreise. Nur Gitarre, Bass, Schlagzeug und die verdammt gute Idee, für eine Weile alles andere zu vergessen.
Bei Seedy Jeezus heißt diese Idee Hell Yeah!.
Das neue Vinyl-Release der Australier ist schon auf dem Papier ein ziemlich eigenwilliges Teil. Sieben Songs, rund 35 Minuten, drei eigene Stücke und vier Coverversionen – also weder klassisches Album noch EP. Eigentlich auch völlig egal. Entscheidend ist, was aus den Lautsprechern kommt: dreckiger Heavy Rock, Blues, Psychedelic und jede Menge Siebziger-Jahre-Gefühl, gespielt von einer Band, die hörbar Spaß daran hat, ihre Muskeln spielen zu lassen.
Und diesmal geht es nicht darum, besonders tief in die menschliche Seele zu schauen.
Nach dem deutlich schwereren und emotional aufgeladenen Damned to the Depths wirkt Hell Yeah! wie ein Befreiungsschlag. Nicht als Gegenentwurf zum Vorgänger, sondern als bewusste Flucht aus dessen Schwere. Lex Waterreus, Paul Crick und Mark Sibson lassen es krachen, als müssten sie beweisen, dass Heavy Rock immer noch etwas wunderbar Unvernünftiges sein darf.
Der Einstieg mit Riff Song macht die Richtung sofort klar. Die Gitarre übernimmt das Kommando, aber der Song funktioniert nicht nur wegen Waterreus‘ ziemlich offensichtlicher Freude am Riff. Gerade das Zusammenspiel des Trios gibt dem Stück diesen Vorwärtsdrang. Bass und Schlagzeug kleben nicht einfach am Gitarristen, sondern treiben das Ganze ständig weiter.
Das ist überhaupt eine der Stärken dieser kleinen Veröffentlichung: Man hört drei Musiker, die sich gegenseitig Raum geben und gleichzeitig ständig aneinander ziehen.
Warwhores nimmt zunächst etwas Tempo heraus, ohne wirklich die Bremse zu treten. Der Song entwickelt sich über einen schwereren Groove und lässt zwischendurch sogar etwas Luft zwischen den Riffs. Für einen kurzen Moment wird es ruhiger, bevor die Gitarre wieder übernimmt. Gerade solche kleinen Kontraste verhindern, dass der klassische Heavy-Rock-Sound in bloßem Dauerfeuer endet.
Und dann kommt der Titeltrack.
Hell Yeah! ist im Grunde die musikalische Übersetzung seines eigenen Namens. Keine komplizierte Theorie dahinter, kein Versuch, besonders clever zu wirken. Ein treibender Song, ein ordentlicher Groove, ein paar Riffs, die nach alten Platten riechen, und Waterreus mitten drin. Man kann sich ziemlich gut vorstellen, wie dieses Stück live funktioniert.
Eigentlich muss man sich das gar nicht vorstellen.
Man hört es.
Seedy Jeezus spielen diese Musik mit einer Selbstverständlichkeit, die vielen Retro-Rock-Bands fehlt. Sie versuchen nicht, 1973 nachzustellen. Sie wissen, woher ihre Musik kommt, und gehen entsprechend respektlos damit um. Blues, Hard Rock und Psychedelic werden nicht wie Museumsstücke behandelt, sondern als Material, das man immer noch ziemlich laut und ziemlich dreckig verwenden kann.
Das zeigt sich besonders bei den Coverversionen.
Mit Cactus‘ Evil greifen sie sich einen Song, der schon im Original ordentlich Biss hat, und machen daraus eine ziemlich überzeugende Seedy-Jeezus-Version. Hier geht es weniger um eine komplette Neuinterpretation als um Haltung. Der Song passt einfach zu dieser Band.
Spannender wird es auf der zweiten Seite mit The Human Instinct. Stoned Guitar ist genau die Sorte Stück, bei der man sich fragt, warum eigentlich nicht viel mehr Bands so etwas machen. Erst einmal steht die Gitarre im Mittelpunkt, ziemlich frei und ungezügelt, bevor Bass und Schlagzeug dazukommen. Das Ganze klingt angenehm unaufgeräumt und erinnert daran, dass Heavy Rock nicht zwangsläufig ein kompliziertes Arrangement braucht, um Wirkung zu erzielen.
Dass Seedy Jeezus anschließend Maurice Greer für Midnight Sun ans Mikro holen, macht den Abschluss noch einmal zu etwas Besonderem. Hier wird nicht einfach irgendein alter Song abgehakt. Die Verbindung zu The Human Instinct ist offensichtlich eine echte Herzensangelegenheit der Band.
Und genau das hört man.
Auch Pull Down the Shades fällt aus dem Rahmen. Der Song von Chris Knox beziehungsweise Toy Love bringt eine Portion frühen Punk auf die Platte und verzichtet konsequenterweise auf das Gitarrenheldentum, das sonst so präsent ist. Das tut dem Gesamtbild gut. Ein kleiner Tritt in die Seite, bevor die zweite Vinylhälfte in Richtung Human Instinct abbiegt.
Überhaupt lebt Hell Yeah! von dieser Mischung aus Verehrung und Spielfreude.
Natürlich hört man die Siebziger. Deep Purple, Cactus, The Human Instinct und all die anderen Namen, die seit Jahrzehnten als Blaupause für Heavy Rock dienen. Aber Seedy Jeezus wirken nicht wie eine Coverband, die zufällig auch eigene Songs schreibt. Die drei eigenen Stücke stehen völlig selbstverständlich neben dem Fremdmaterial.
Vielleicht ist genau das der Punkt.
Hell Yeah! will nichts beweisen. Es ist kein Album, mit dem Seedy Jeezus ihre musikalische Entwicklung dokumentieren wollen. Es ist eher eine Momentaufnahme einer Band, die Bock auf laute Gitarren hat und sich für ein paar Songs sämtliche Bremsen spart.
Nach dem düsteren Damned to the Depths ist das sogar ziemlich erfrischend.
Dort ging es um Verlust, Trauer und die schweren Dinge, die man nicht einfach abschütteln kann. Hier dagegen wird der Kopf ausgeschaltet und der Verstärker eingeschaltet. Beides funktioniert, weil Seedy Jeezus nicht versuchen, ihre Musik künstlich größer zu machen, als sie sein muss.
Hell Yeah! ist einfach Heavy Rock.
Aber verdammt guter.
Das limitierte Vinyl wird vermutlich vor allem Fans der Band und Liebhaber alter Heavy-Psych-Schätze interessieren – und genau für diese Leute ist die Platte auch gemacht. Trotzdem braucht man keine komplette Seedy-Jeezus-Vorgeschichte, um hier Spaß zu haben. Wer auf dreckigen Siebziger-Rock, bluesige Riffs, fuzzige Gitarren und Bands steht, die lieber spielen als erklären, wird ziemlich schnell wissen, was zu tun ist.
Plattenspieler an. Lautstärke hoch.
Und dann: Hell Yeah!
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