Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

BANTORIAK – Vol. II (2026, Argonauta Records) (Review)

Elf Jahre sind eine verdammt lange Zeit. So lange lag zwischen Bantoriaks erstem Album Weedooism und Vol. II. Izio Orsinis Projekt ist in dieser Zeit allerdings nicht einfach wieder aus der Versenkung gekrochen, um dort weiterzumachen, wo es einst aufgehört hat. Vol. II wirkt eher wie eine Fortsetzung, die sich selbst erst einmal neu sortieren musste.

Schon der kurze Titeltrack macht klar, wohin die Reise geht: Bantoriak hat wenig Interesse daran, aus jedem Riff einen Song mit klassischer Dramaturgie zu bauen. Vieles hier lebt von Stimmungen, Wiederholungen und kleinen Verschiebungen. Desert Rock ist zwar ein guter Ausgangspunkt, greift aber schnell zu kurz. Psychedelic Doom, Space Rock, Ambient und sogar ein paar östlich angehauchte Melodien tauchen auf, ohne dass das Album dadurch nach einer zusammengewürfelten Genre-Playlist klingt.

Besonders gut funktioniert das auf „Blu Bus“, das mit Sergio Ch. von Los Natas einen prominenten Gast an Bord hat. Der Song nimmt sich seine Zeit, lässt die Gitarren kreisen und entwickelt daraus diesen warmen, leicht verschobenen Wüstenrock, bei dem man nicht ständig auf den nächsten großen Moment wartet. Es passiert eben trotzdem genug.

„Ritualism“ geht in eine andere Richtung. Der Bass steht hier deutlich weiter vorne, dazu kommen krautige Wiederholungen und eine dunklere Grundstimmung. „Liquid Brain“ setzt stärker auf den hypnotischen Charakter, während „Kairot“ beinahe schon von seiner Atmosphäre zusammengehalten wird. Bantoriak muss nicht jedes Stück mit einem fetten Riff festnageln. Manchmal reicht eine Idee, die lange genug im Raum bleibt.

Das ist gleichzeitig eine der Stärken und eine der kleinen Schwächen von Vol. II. Wenn man sich auf diese Arbeitsweise einlässt, entwickelt das Album einen angenehmen Sog. Wer allerdings nach acht Songs mit jeweils klarer Pointe sucht, könnte zwischendurch ungeduldig werden. Einige Passagen drehen ihre Runden etwas länger, als unbedingt nötig wäre, und nicht jeder Effekt oder jede zusätzliche Schicht bringt die Musik tatsächlich weiter.

Mit „La Muerte“ wird es wieder etwas schwerer und düsterer, während „Amanita“ stärker in psychedelische Gefilde abdriftet. Der abschließende „Karpura“ bringt dann noch einmal diese eigenwillige Mischung aus orientalischen Anklängen, Doom und entrücktem Rock zusammen. Gerade solche Momente machen deutlich, dass Bantoriak nicht einfach den nächsten Desert-Rock-Aufguss liefern will.

Auffällig ist auch, wie selbstverständlich die zahlreichen Gäste eingebunden sind. Vol. II ist kein klassisches Bandalbum mit einer festen Besetzung, die sich durch zehn ähnlich gestrickte Songs arbeitet. Trotzdem zerfällt die Platte nicht in einzelne Gastauftritte. Die verschiedenen Musiker erweitern den Klang, ohne Bantoriaks Grundidee komplett aus der Hand zu nehmen.

Und diese Grundidee ist vor allem atmosphärisch. Die Platte hat etwas Warmes, leicht Verwaschenes, ohne sich komplett in psychedelischem Nebel aufzulösen. Sie kann schwer werden, ohne ständig auf Doom zu pochen, und sie kann ausufern, ohne gleich zum endlosen Jam zu werden. Nicht jeder Abschnitt sitzt gleich fest, aber das Gesamtbild stimmt.

Vol. II ist deshalb weniger ein Album für den schnellen Eindruck als eines, das man mit etwas Geduld wachsen lässt. Bantoriak interessiert sich nicht besonders dafür, möglichst viele große Momente hintereinander abzufeuern. Stattdessen wird gedehnt, wiederholt, verschoben und gelegentlich einfach stehen gelassen.

Nach elf Jahren hätte man durchaus einen deutlich offensiveren Neustart erwarten können. Stattdessen bekommt man ein Album, das seine Wirkung eher nebenbei entfaltet. Nicht spektakulär um jeden Preis, aber eigen genug, um nicht in der Masse des Desert- und Psych-Rock unterzugehen.

https://www.instagram.com/bantoriak.ii

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert