Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

Wealthy Women – Children (2026) (Review)

Es gibt Alben, bei denen man schon nach den ersten Minuten merkt, dass hier niemand besonders viel Wert auf gute Laune gelegt hat. Children von Wealthy Women gehört ziemlich eindeutig in diese Kategorie. Das selbstveröffentlichte Album des Trios aus San Francisco ist dreckig, schwer und stellenweise unangenehm – und genau deshalb funktioniert es.

Acht Songs, knapp 35 Minuten. Eigentlich keine übertriebene Länge, trotzdem fühlt sich die Platte größer an. Nicht weil Wealthy Women irgendwelche epischen Songmonster bauen würden, sondern weil sie ihre Musik ständig zwischen Druck und Bewegung hin und her schieben.

Da sind die schweren Passagen, in denen sich Gitarre und Bass förmlich durch den Song arbeiten. Und dann plötzlich wieder diese schnelleren Momente, in denen der Punk-Hintergrund der Band deutlich stärker zum Vorschein kommt. Das verhindert, dass Children einfach in einem einzigen zähen Sludge-Brei versinkt.

Zum Glück.

Denn genau diese Wechsel geben dem Album seinen Charakter.

Die Gitarren klingen nicht besonders interessiert daran, schön zu sein. Dafür haben sie Textur. Der Bass sitzt tief und macht sich bemerkbar, während das Schlagzeug immer wieder dafür sorgt, dass die Songs nach vorne gehen. Gerade wenn Wealthy Women das Tempo anziehen, bekommt die Platte eine Nervosität, die bei einer rein auf Doom und Sludge ausgerichteten Band schnell fehlen kann.

Stattdessen entsteht ein ziemlich unangenehmer Druck.

Und der passt zum Inhalt.

Children beschäftigt sich mit Themen, die man kaum von der aktuellen Realität trennen kann: Gewalt, Migration, politische Radikalisierung, Krieg und die verschiedenen Formen gesellschaftlicher Grausamkeit. Wealthy Women erzählen das allerdings nicht aus einer komfortablen Beobachterposition heraus. Ihre Musik klingt eher so, als würde das alles direkt vor der Haustür passieren.

Was wiederum erklärt, warum hier so viel Wut steckt.

Interessant ist dabei, dass die Band nicht versucht, diese Wut permanent auf maximaler Lautstärke auszuspielen. Die langsameren Stellen sind mindestens genauso wirkungsvoll. Wenn der Rhythmus schwerer wird und die Instrumente mehr Raum bekommen, entsteht eine bedrückende Atmosphäre, die teilweise stärker wirkt als jeder aggressive Ausbruch.

Dann kommt wieder der Punk durch.

Kurz, hektisch, direkt.

Und weiter geht’s.

Diese Dynamik ist wahrscheinlich die größte Stärke von Children. Wealthy Women verstehen, dass ein wirklich schwerer Song nicht unbedingt durch möglichst langsames Tempo entsteht. Manchmal wird er gerade dann schwer, wenn nach einer zähen Passage plötzlich Bewegung hineinkommt. Das Album nutzt diesen Effekt immer wieder.

Musikalisch gibt es dabei durchaus Anknüpfungspunkte an die alternative und noisigere Seite des Rock. Man könnte an Therapy? denken, wenn man unbedingt einen Namen braucht, aber Wealthy Women gehen deutlich tiefer in Sludge und Doom hinein. Die Songs wirken weniger wie klassische Alternative-Rock-Stücke und mehr wie etwas, das irgendwann aus einer Mischung aus Punk-Wut und schweren Verstärkern entstanden ist.

Das Entscheidende: Children klingt nicht geschniegelt.

Die Produktion lässt genug Dreck zu, damit die Musik ihre Wirkung behält. Gerade bei dieser Art von Material wäre eine zu saubere Produktion fast kontraproduktiv gewesen. Der Bass darf drücken, die Gitarren dürfen schaben und die einzelnen Instrumente müssen nicht ständig perfekt voneinander getrennt sein.

Man hört eine Band.

Keine Produktbeschreibung.

Und vielleicht ist das auch der Grund, warum Children trotz seiner ziemlich düsteren Themen nicht in Hoffnungslosigkeit ertrinkt. Die Platte ist wütend, manchmal bitter und definitiv nicht besonders freundlich. Aber in dieser Wut steckt Energie. Wealthy Women machen nicht einfach Musik über eine kaputte Welt – sie reagieren darauf.

Das Ergebnis ist kein politisches Konzeptalbum im klassischen Sinne und auch kein gemütlicher Sludge-Ausflug. Children ist unmittelbarer. Die Songs sind kurz genug, um nicht in ihren eigenen schweren Atmosphären stecken zu bleiben, und gleichzeitig massiv genug, um nach dem letzten Stück noch eine Weile im Kopf zu hängen.

Wealthy Women liefern mit Children ein unangenehm gutes Stück Heavy Underground ab: Sludge, Doom, Noise und Punk werden hier nicht sauber voneinander getrennt, sondern aufeinander losgelassen. Wütend, dreckig und mit genug Tempo, um die Sache ständig in Bewegung zu halten. Kein Album, das die Welt retten will. Aber eines, das verdammt deutlich macht, dass es mit dem Zustand dieser Welt nicht einverstanden ist.

https://www.instagram.com/wealthywomenband

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