
HÖG – BLACKHOLE (2025, RidingEasy Records) (Review)

Manchmal braucht es nicht besonders viel, um einen guten Heavy-Rock-Song auf die Beine zu stellen. Eine Gitarre, die ordentlich Dreck angesetzt hat. Einen Bass, der nicht höflich im Hintergrund bleibt. Einen Drummer, der lieber nach vorne tritt als alles sauber auszurechnen. Und natürlich jemanden, der dazu schreit, singt und gelegentlich den Eindruck erweckt, als wäre ein ruhiger Abend ohnehin überschätzt.
HÖG aus Portland gehören ziemlich eindeutig in diese Kategorie.
BLACKHOLE ist ein Album, das seine Wurzeln im Heavy Rock der Siebziger nicht versteckt, sich aber auch nicht damit zufriedengibt, eine weitere Runde Retro-Rock zu drehen. Dafür steckt zu viel Punk und Metal in der Band. Vor allem aber klingt das Ganze angenehm schmutzig.
Das fängt schon bei der Produktion an. Aufgenommen wurde das Album auf 2-Zoll-Band, nachts und nach Feierabend in einem Amp-Reparaturladen in Portland. Und tatsächlich hat BLACKHOLE nicht diesen klinischen Studio-Glanz, den manche moderne Heavy-Rock-Produktion inzwischen leider mitbringt. Hier darf es knirschen. Die Gitarren haben Kanten, der Bass schiebt von unten und das Schlagzeug klingt nicht so, als wäre jede Trommel einzeln aus einem Computer gefallen.
Gut so.
Daniel trägt den größten Teil des Albums mit seiner Gitarre und seinen Vocals. Beides bewegt sich erfreulich weit auseinander. Mal wird aus dem Gesang ein beinahe klassischer Hard-Rock-Schrei, dann wieder klingt er deutlich rauer und angepisster. Dazu kommt eine Gitarre, die nicht einfach nur Riffs abliefert, sondern sich gerne etwas weiter aus dem Fenster lehnt.
Den nötigen Unterbau liefern Adam am Schlagzeug und Bobcat am Bass. Gerade der Bass ist dabei nicht zu unterschätzen. Er hält viele der Stücke zusammen und sorgt dafür, dass HÖG nicht in Richtung gewöhnlicher Gitarrenrock kippen. Wenn der Bass in Wellen durch einen Song läuft und das Schlagzeug darüber nach vorne marschiert, bekommt die Musik diesen leicht schleppenden, dreckigen Zug, der BLACKHOLE seinen eigenen Charakter gibt.
Natürlich hört man die Siebziger.
Das muss man nicht lange suchen.
Aber ebenso deutlich sind die Spuren von Punk und Metal. Dadurch entsteht ein interessanter Gegensatz: Die musikalische Grundlage ist klassisch, die Haltung dagegen deutlich moderner und wesentlich weniger gemütlich. HÖG wollen nicht unbedingt zeigen, wie gut sie ihre alten Plattensammlungen kennen. Sie nehmen die Zutaten und machen daraus etwas, das eher nach verrauchten Clubs als nach einer perfekt ausgeleuchteten Retro-Rock-Bühne klingt.
Auch thematisch passt das.
Die älteren Songs entstanden ursprünglich aus einer eher optimistischen, kämpferischen Perspektive. Später wurde es düsterer: Weltlage, Depression, Sex – also nicht gerade die drei beliebtesten Gesprächsthemen beim Kindergeburtstag. Interessant ist dabei, dass man diesen zeitlichen Unterschied offenbar nicht als Bruch hört. Das Album funktioniert trotzdem als Einheit.
Vielleicht gerade deshalb, weil HÖG ihre Musik nicht über ein bestimmtes Konzept zusammenhalten müssen.
Sie brauchen keine großen Prog-Wendungen und auch keine endlosen Solos. Die Songs leben von Bewegung, Druck und dem Wechsel zwischen den einzelnen Instrumenten. Daniel kann die Gitarre hochziehen, während Bass und Schlagzeug darunter alles etwas schwerer machen. Dann kommt wieder dieser punkige Vorwärtsdrang durch und verhindert, dass die Sache im klassischen Doom-Schneckentempo stecken bleibt.
Das Ergebnis ist ziemlich genau das, was der Titel verspricht: BLACKHOLE zieht einen nicht unbedingt mit Eleganz hinein.
Es zieht.
Und zwar nach unten.
Dabei ist die Platte keineswegs hoffnungslos monoton oder ausschließlich auf Härte aus. Gerade die unterschiedliche Dynamik innerhalb der Songs macht sie interessant. Mal wirkt HÖG wie eine klassische Heavy-Rock-Band, mal wie eine Punkband, die zufällig ziemlich schwere Verstärker besitzt, und dann wieder wie eine dreckige Metal-Combo aus irgendeinem Keller, in dem die Lüftung seit 1978 kaputt ist.
Diese Unberechenbarkeit steht ihnen gut.
Was BLACKHOLE letztlich von vielen Retro-Veröffentlichungen unterscheidet, ist die fehlende Hochglanz-Attitüde. HÖG versuchen nicht, den Staub von ihren Einflüssen zu wischen. Sie lassen ihn einfach drauf.
Und genau deshalb funktioniert das Album.
Es klingt dunkel, rau und ziemlich körperlich, ohne dabei künstlich auf „evil“ getrimmt zu sein. Die Musik hat Ecken und Kanten, die Produktion lässt ihr genügend Luft und die Band wirkt wie eine Einheit – obwohl Teile des Materials aus unterschiedlichen Phasen stammen.
Kein Album für die Zimmerlautstärke also.
BLACKHOLE gehört dahin, wo der Verstärker ruhig ein bisschen zu laut eingestellt werden darf und der Bass durch den Boden geht.
HÖG liefern dreckigen Heavy Rock mit Siebziger-Wurzeln, Punk im Blut und genügend Metal im Tank, um nicht in der Retro-Falle stecken zu bleiben. Nicht geschniegelt, nicht überproduziert und schon gar nicht darauf aus, irgendjemandem zu gefallen. Genau das macht den Reiz aus.
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