
NICK OLIVERI – N.O. Hits At All Vol.10 (Review)

Wer bei Nick Oliveri auf Altersmilde oder gar Feinschliff hofft, ist hier komplett falsch. „N.O. Hits At All“ ist kein klassisches Studioalbum, sondern bereits der zehnte Teil einer Compilation-Reihe, in der Oliveri seine zahlreichen Gastbeiträge bündelt – Songs, bei denen er über die Jahre hinweg als Sänger oder Bassist beteiligt war. Das Ergebnis: kein Hit-Album, sondern ein bewusst roher Querschnitt durch seine Kollaborationen.
Musikalisch gibt’s genau das, was man erwartet – und zwar in Reinform. Kurze, ruppige Tracks zwischen Punk, Stoner Rock und kontrolliertem Abriss, die selten länger bleiben als nötig. Gitarren sägen, der Bass drückt im Hintergrund, das Schlagzeug prügelt alles nach vorne. Produktion? Entsprechend unterschiedlich, aber durchweg roh, direkt und ohne Netz und doppelten Boden.
Oliveris Vocals sind dabei das verbindende Element: ein bellender, angepisster Vortrag, der jederzeit zu kippen droht. Schön ist das nicht, muss es aber auch nicht sein. Es geht um Energie, um Druck, um diesen permanenten Eindruck, dass der Laden gleich auseinanderfliegt.
Das Problem: Genau diese Konsequenz wird mit der Zeit auch zur Schwäche. Durch die Natur als Sammlung wirken viele Songs stilistisch ähnlich, große Dynamik oder ein klarer Spannungsbogen fehlen zwangsläufig. Statt eines gezielt aufgebauten Albums gibt es Dauerfeuer – intensiv, aber auf Dauer auch ermüdend. Das Ding rauscht durch, hinterlässt Eindruck – aber kaum etwas bleibt hängen.
Trotzdem funktioniert die Platte auf ihre eigene, rohe Art. Gerade weil hier nichts glattgebügelt wurde, entsteht diese unmittelbare, fast schon dokumentarische Wucht. Kein Schnickschnack, keine falsche Tiefe – einfach Lärm mit Haltung.
Unterm Strich ist „N.O. Hits At All“ kein Album für die Dauerrotation. Als Sammlung von Oliveris Gastauftritten über viele Jahre hinweg hat das Ganze aber seinen Reiz – besonders für Fans, die genau diesen ungeschliffenen Zugriff schätzen.
Fazit: Ungehobelt, kompromisslos, streckenweise ermüdend – als Compilation mit klarer Idee aber stimmig. Kein Hit-Feuerwerk, sondern ein roher Blick auf Nick Oliveris kollaboratives Schaffen.
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