Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

Dixie Goat zwischen Ordnung, Chaos und purem Rock’n’Roll

Mit ihrem neuen Album Order, Chaos, Life and Death zeigen Dixie Goat aus Chile, wie roher Rock’n’Roll auf persönliche Erfahrungen und globale Krisen trifft. Im exklusiven Interview sprechen sie über ihre Anfänge, Songwriting, die chilenische Szene und was Black Sabbath für sie bedeutet.

Wie haben sich die Kernmitglieder von Dixie Goat kennengelernt – und was hat euch zu genau dieser Art von Musik hingezogen?
KF und ich haben uns auf Konzerten kennengelernt, damals noch mit seiner früheren Band Devil Presley, in der er Bass gespielt hat. Seit ungefähr 2007 sind wir befreundet. 2015 ist er dann bei Dixie Goat eingestiegen, während er parallel bei Tabernarios den Bass bedient hat – seitdem ist er also schon elf Jahre dabei. Unser Drummer Pipe? Den kenne ich im Grunde, seit er auf der Welt ist – er ist mein Cousin. Haha. Und was uns musikalisch eint? Zwei Worte: Black Sabbath.

Was sind die zentralen Themen auf Order, Chaos, Life and Death? Worin unterscheidet sich das Album von Black Sun Child?
Unser aktuelles Werk ist stark von der Pandemie geprägt – und davon, was sie mit unserem Leben und unseren Köpfen gemacht hat. Ausgangssperren, Unruhen, Jobverluste, massenhaftes Sterben und dieser permanente Überlebensmodus – all das hat Spuren hinterlassen. Im Gegensatz dazu ist unser Debüt deutlich roher und weniger poliert – purer Rock’n’Roll eben. Es wurde noch mit der Originalbesetzung eingespielt und hat anderthalb Jahre bis zur Veröffentlichung gebraucht, nicht zuletzt, weil sowohl unser damaliger Drummer als auch der Bassist die Band verlassen hatten.

Wie läuft euer typischer Songwriting-Prozess ab?
Meistens entstehen zuerst Riffs, die wir dann mit der Akustikgitarre festhalten. Diese Skizzen schicken wir uns regelmäßig über WhatsApp hin und her und arbeiten sie im Proberaum gemeinsam aus. Dort probieren wir auch Gesangslinien aus und verpassen den Songs Arbeitstitel, damit wir sie auseinanderhalten können. Wenn Riffs und Melodien sitzen, kümmern wir uns um die Texte – die kommen immer ganz zum Schluss.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Olde Magick Records?
Ich habe Gideon, den Kopf hinter Olde Magick, damals 2020/21 per E-Mail kennengelernt, als wir noch mit den Leuten von Electric Valley und The Cosmic Peddler gearbeitet haben. Letztere waren übrigens maßgeblich dafür verantwortlich, dass unser erstes Album überhaupt als Vinyl und Kassette außerhalb Chiles erschienen ist – ewiger Dank dafür! Auf dieser Basis hatte Gideon dann richtig Bock, unser neues Album in allen erdenklichen Formaten rauszubringen: Vinyl, CD und Kassette. Großartig!

Wie steht es um die Szene in Chile – gibt es gute Läden für längere Shows?
Die chilenische Szene ist großartig und extrem talentiert – eigentlich gibt’s für jeden Geschmack etwas. Was allerdings fehlt, ist Support, sowohl von den Medien als auch vom Publikum. Aufmerksamkeit bekommen viele Bands erst, wenn sie im Ausland Erfolg haben. Was die Clubs angeht: In Santiago gibt es zumindest zwei Läden, in denen ich jederzeit spielen würde – nicht nur wegen Bühne, Licht und Sound, sondern weil man dort auch menschlich top behandelt wird. Das sind MiBar und Bar de Rene.

Welche eurer Songs könntet ihr euch endlos in Dauerschleife geben?
„From One Hell To Another“, „Two Faces“, „Look At The Mirror“, „Watch Your Back“, „Demon Pact“, „Dee Dee“, „Woman In Black“ und so weiter.

Gibt es neue Musik, Videos oder Merch in Planung?
Wir haben tatsächlich vier neue Songs aufgenommen und drei davon 2025 auch schon live gespielt. Die Aufnahmen liegen aktuell aber auf Eis, weil wir eine Pause auf unbestimmte Zeit eingelegt haben – ich will erst mal für meinen neugeborenen Sohn und meine Frau da sein. Vielleicht machen wir nächstes Jahr genau da weiter, wo wir aufgehört haben.

Welche zwei chilenischen Bands sollte man sich aktuell unbedingt reinziehen?
Schwierige Frage – es gibt einfach zu viele gute Bands, die man eigentlich alle hören sollte. Aber wenn ich zwei nennen muss: Vorágine und La Grima. Unser Bassist hat außerdem gerade sein erstes Soloalbum unter dem Namen Evil.cl veröffentlicht.

Wie haltet ihr euch motiviert, wenn das Leben dazwischenfunkt?
Leicht ist das nicht. Eigentlich versuchen wir, möglichst entspannt zu bleiben, wenn wir neue Songs schreiben wollen. Und ganz ehrlich: Persönlich hilft Bier auch ganz gut.

Gab es Träume, Erlebnisse oder seltsame Momente, die direkt in Riffs oder Texte eingeflossen sind?
Songs wie „Look At The Mirror“ oder „The Girl, The Rope And The Serpent“ sind tatsächlich aus Schlafparalyse-Erfahrungen entstanden, die ich zwischen 2012 und 2013 hatte.

Habt ihr noch eine Botschaft an eure deutschen Leser und Supporter?
Zuallererst: Danke für euren Support. Danke, dass ihr euch eine Band anhört, die aus einem so weit entfernten Land wie Chile kommt. Wir hoffen, dass wir es irgendwann schaffen, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit Konzerte zu spielen.

https://www.instagram.com/dixie_goat666

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert