Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

Aktopasa – Journey to the Pink Planet (2022, Argonauta Records) (Review)

Aktopasa machen es einem nicht unbedingt leicht. Wer bei Psychedelic Rock automatisch an eingängige Grooves, endlose Jams oder die nächste Stoner-Hymne denkt, könnte hier erstmal etwas ratlos vor den Lautsprechern sitzen. „Journey To The Pink Planet“ funktioniert anders.

Die drei Italiener bauen ihre Stücke nicht um große Höhepunkte herum. Vieles entwickelt sich langsam, manchmal so langsam, dass man erst nach einigen Minuten merkt, dass sich die Musik längst verändert hat. Das kann anfangs fast unspektakulär wirken, ist aber genau die Art von Platte, die mit jeder weiteren Runde etwas mehr preisgibt.

Schon die ersten Minuten machen klar, dass hier Atmosphäre wichtiger ist als alles andere. Die Gitarre führt meistens den Weg, der Bass hält die Sache zusammen und das Schlagzeug macht genau das, was nötig ist – oft nicht mehr. Trotzdem klingt das nie leer. Im Gegenteil. Gerade weil niemand permanent zeigen will, was er kann, bekommen die einzelnen Ideen genug Platz.

„Calima“ gehört zu den Stücken, die ziemlich gut zeigen, wie die Band arbeitet. Da wird nichts erzwungen. Kein plötzlicher Ausbruch, kein künstlicher Spannungsbogen. Die Musik bewegt sich einfach weiter und zieht dabei immer neue kleine Details hinter sich her. Ähnlich funktioniert auch „Agarthi“, das eher von seiner Stimmung lebt als von einzelnen markanten Momenten.

Überhaupt hat man bei der Platte oft das Gefühl, dass die Songs weniger geschrieben als gewachsen sind. Viele Übergänge passieren ganz natürlich. Man hört selten Stellen, an denen die Band offensichtlich auf einen bestimmten Effekt hinarbeitet. Die Stücke fließen eher von einer Idee in die nächste.

„Sirdarja“ bringt zwischendurch etwas mehr Bewegung hinein, ohne den Charakter des Albums zu verändern. Und auch „Foreign Lane“ zeigt, dass Aktopasa durchaus grooven können, wenn sie wollen. Nur machen sie daraus kein großes Ereignis.

Was ebenfalls auffällt: Die Band verliert sich erstaunlich selten. Bei Musik dieser Art passiert es schnell, dass zehn Minuten wie zwanzig wirken. Hier hält sich das in Grenzen. Natürlich gibt es Passagen, die bewusst treiben oder schweben, aber meistens bleibt genug Substanz vorhanden, damit die Aufmerksamkeit nicht komplett abwandert.

Klanglich passt das ebenfalls gut zusammen. Alles wirkt warm, offen und angenehm unaufgeregt. Nichts springt einem ständig ins Gesicht. Man kann sich auf die Details konzentrieren, muss aber nicht.

Vielleicht ist genau das die größte Stärke von „Journey To The Pink Planet“. Die Platte versucht nicht permanent, wichtig zu wirken. Sie fordert Zeit, aber sie fordert keine Bewunderung. Wer sich darauf einlässt, bekommt eine gute Stunde psychedelischer Musik, die lieber Stimmungen aufbaut als große Gesten macht.

Das wird nicht jeden packen. Muss es auch nicht. Für Freunde von instrumentalem Psychedelic- und Space Rock ist das hier aber eine dieser Platten, die man irgendwann nachts nochmal auflegt und plötzlich deutlich mehr darin entdeckt als beim ersten Durchlauf.

https://www.instagram.com/aktopasa/

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