Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

OCCULT HAND ORDER – Meaningless Monuments (2026, Totem Cat Records) (Review)

Occult Hand Order kommen aus Lyon und bewegen sich zwar irgendwo im weiteren Post-Doom-/Heavy-Psych-Kosmos, aber dieses Album funktioniert deutlich weniger über klassische „große Riffs“ als über Stimmung, Bewegung und Spannung. Die Band existiert seit 2018, hervorgegangen aus einem früheren Projekt der Mitglieder, und man merkt „Meaningless Monuments“ ziemlich schnell an, dass das keine zusammengewürfelte Stilübung mehr sein soll. Dafür wirkt das alles zu geschlossen.

Klar, die üblichen Referenzen liegen irgendwo auf dem Tisch: YOB, Russian Circles, Isis, teilweise auch dieser neuere schwere Psych-/Post-Metal-Kram wie REZN oder Chrome Ghost. Aber Occult Hand Order gehen das weniger monumental an, als der Albumtitel vielleicht vermuten lässt. Vieles wirkt eher nach innen gekehrt. Die Songs bauen Druck auf, lösen ihn aber oft gar nicht komplett auf, sondern halten ihn einfach fest.

Gerade das macht die Platte interessant, teilweise aber auch anstrengend. Viele Stücke entwickeln sich langsam, fast kreisend. Riffs werden nicht permanent erweitert oder technisch ausgebaut, sondern eher minimal verschoben. Kleine Änderungen im Schlagzeug, ein neuer Gitarrenlayer, plötzlich etwas mehr Raum im Mix – solche Sachen verändern hier mehr als irgendwelche großen Höhepunkte.

Man merkt auch, dass die Band stark über gemeinsames Spielen funktioniert. Vieles fühlt sich nicht „konstruiert“ an, sondern eher wie aus langen Sessions entstanden. Gerade die Übergänge wirken oft bewusst offen gelassen, fast ein bisschen unfertig – aber eben im positiven Sinn. Nicht alles wird sauber zu Ende erklärt.

Die Gitarrenarbeit lebt stark von Textur. Weniger klassische Stoner-Riffs, mehr flächige Wiederholungen, Delay-Schichten und dieses permanente Schweben zwischen Ruhe und Druck. Dazu kommt ein Bassfundament, das oft mehr für das Gewicht verantwortlich ist als die Gitarren selbst.

Auch die Vocals drängen sich selten in den Vordergrund. Sie funktionieren eher als zusätzliche Atmosphäre innerhalb der Songs statt als klassische Führungslinie. Teilweise fast entrückt, dann wieder deutlich direkter, aber nie wirklich theatralisch. Das passt gut zu dieser leicht apokalyptischen Grundstimmung, die sich durch das ganze Album zieht.

Interessant ist auch, wie wenig die Platte versucht, „episch“ zu wirken, obwohl sie eigentlich genau aus diesem musikalischen Umfeld kommt. Viele Bands in diesem Bereich schieben irgendwann zwangsläufig Richtung Pathos oder Übergröße. Occult Hand Order bleiben dagegen erstaunlich zurückhaltend. Selbst die lauteren oder dichteren Momente wirken eher bedrückend als triumphal.

Produktionstechnisch passt das ziemlich gut zusammen. Alles klingt warm, leicht verschwommen, aber nie matschig. Die Instrumente hängen ständig ineinander, ohne komplett ihre Konturen zu verlieren. Gerade über Kopfhörer merkt man, wie viel im Hintergrund ständig arbeitet.

Nicht jeder Abschnitt bleibt gleich stark hängen. Manche Spannungsbögen ziehen sich vielleicht etwas zu lange, und gelegentlich hätte der Platte etwas mehr Kontrast gutgetan. Gleichzeitig entsteht genau daraus aber auch dieser leicht hypnotische Sog, der „Meaningless Monuments“ über die komplette Laufzeit zusammenhält.

Am Ende wirkt das Album weniger wie eine Sammlung einzelner Songs und mehr wie ein langer, langsamer Zustand. Kein klassisches Doom-Album zum stumpfen Riff-Nicken und auch keine reine Post-Metal-Wand. Eher etwas dazwischen – schwer, melancholisch, leicht unwirklich und deutlich stärker über Atmosphäre als über unmittelbare Wirkung funktionierend.

https://www.instagram.com/occult_hand_order

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