
Buzzard – Mean Bone (Review)

Christopher Thomas Elliott veröffentlicht mit Mean Bone das zweite Album seines Ein-Mann-Projekts Buzzard. Nach Doom Folk bleibt er seiner Linie treu – erweitert sie aber spürbar. Wieder alles DIY, wieder aus Massachusetts, wieder komplett in Eigenregie eingespielt und produziert.
Musikalisch bewegt sich das Ganze irgendwo zwischen düsterem Americana-Folk und schwerem, erdigem Doom – wobei der Folk-Anteil klar dominiert. Viel Akustikgitarre, reduziertes Songwriting, erzählerischer Gesang. Wenn es elektrisch wird, dann nicht als Dauerzustand, sondern in Wellen: einfache, gewichtige Riffs, die eher Atmosphäre schaffen als klassisches Doom-Riffgewitter abzufeuern.
Elliotts Stimme steht dabei im Zentrum. Kein Opernpathos, kein Effektgewitter – eher direkt, rau, manchmal fast sprechend. Er erzählt mehr, als dass er performt. Inhaltlich geht es um gesellschaftliche Spannungen, moralischen Verfall, düstere Americana-Motive und persönliche Abgründe. „Murder in the White Barn“ steht exemplarisch für diese Mischung aus Storytelling und unterschwelliger Bedrohung.
Die Produktion ist bewusst roh gehalten. Kein Hochglanz, keine digitale Glättung. Man hört, dass das hier kein Studioalbum im klassischen Sinn sein will, sondern ein persönliches Statement. Das sorgt für Authentizität – bringt aber auch Ecken und Kanten mit sich. Die Übergänge zwischen akustischen Passagen und schweren Momenten wirken stellenweise abrupt. Manche Songs sind klar mehr Folk als Doom. Wer permanent tonnenschwere Riffs erwartet, wird hier nicht dauerhaft bedient.
Gerade das macht Mean Bone aber interessant. Es ist kein Genre-Album im engen Sinne, sondern ein eigenwilliger Hybrid. Doom mit Staub auf den Stiefeln. Folk mit Gewicht in der Magengrube.
Kein Werk für jede Stimmung, kein Soundtrack für nebenbei. Aber eines, das hängen bleibt, wenn man sich darauf einlässt. Vielleicht kein radikaler Schritt nach vorne, aber ein selbstbewusstes zweites Album, das den eingeschlagenen Weg konsequent weitergeht.
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