Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

NEPAL DEATH – Pilgrims and Psychonauts (2025, Kali Psyche Records) (Review)

Schon der Titel macht ziemlich deutlich, dass man es bei NEPAL DEATH nicht unbedingt mit einer Band zu tun hat, die ihre psychedelische Musik auf ein paar verzerrte Gitarren und eine ordentliche Portion Hall reduziert. Pilgrims and Psychonauts ist vielmehr ein Album, das sich seine eigene kleine Welt baut – und zwar eine ziemlich durchgeknallte.

Vierzehn Stücke umfasst die Platte, wobei sich die eigentlichen Songs immer wieder mit kurzen Interludes abwechseln. Das Ganze wirkt dadurch weniger wie eine Sammlung einzelner Nummern und mehr wie ein zusammenhängendes Programm. Ein bisschen Konzeptalbum, ein bisschen Drogentrip, ein bisschen Sixties-Freakout – und zwischendrin immer wieder Momente, in denen man sich fragt, ob NEPAL DEATH gerade tatsächlich das tun, was man denkt.

Musikalisch sitzt die Band tief im psychedelischen Rock der späten Sechziger und frühen Siebziger. Man hört die Vorliebe für alte Gitarren, analoge Synthesizer und exotischere Instrumente wie Sitar, Flöten oder Tanpura, ohne dass daraus eine bloße Retro-Show wird. Dafür ist das Album zu lebendig und an einigen Stellen auch schlicht zu seltsam.

The Hippie Trail Revisited eröffnet die Platte noch eher als Einstieg in die Geschichte, bevor Polychromatic Route richtig Fahrt aufnimmt. Hier zeigt sich bereits eine der großen Stärken des Albums: NEPAL DEATH können Groove. Und zwar nicht nur im Sinne eines netten Rhythmus, auf dem man mit dem Fuß wippt. Viele der Stücke haben tatsächlich diesen leicht klebrigen Sog, bei dem man nach ein paar Minuten feststellt, dass der Kopf längst automatisch mitnickt.

Freak Street Blues schlägt anschließend die Brücke zum Bluesrock, ohne dabei plötzlich nach einer x-beliebigen Retro-Rockband zu klingen. Genau solche Momente verhindern, dass Pilgrims and Psychonauts in einer einzigen psychedelischen Klangfarbe stecken bleibt.

Überhaupt ist die Abwechslung erstaunlich groß.

Die drei Interludes – A Word of Warning, The Tantric Transmission und The Mantra Mechanism – erfüllen dabei mehr als nur eine dekorative Funktion. Sie teilen das Album in kleinere Abschnitte und sorgen dafür, dass die vierzehn Tracks tatsächlich wie Teile eines größeren Ganzen funktionieren.

Danach wird es mit Divine Destroyer (The Mahakala Mantra) deutlich düsterer. Die Band zieht hier die psychedelische Seite weiter in Richtung Ritual und Soundtrack, ohne in irgendwelchen esoterischen Kitsch abzurutschen. Das ist ein schmaler Grat, gerade bei einem Album, das so offensichtlich mit Spiritualität, Hippie-Kultur und fernöstlicher Ästhetik spielt. NEPAL DEATH bleiben meistens auf der richtigen Seite davon.

Besonders interessant ist der zweiteilige Ashen Pilgrim / The Beacon Speaks. Hier wird deutlich, dass die Band ihre Stücke nicht nur über unterschiedliche Instrumente voneinander abheben will. Die Songs bekommen tatsächlich unterschiedliche Stimmungen und Tempi, obwohl sie hörbar aus derselben musikalischen Welt kommen.

Und dann kommt Sister Nirvana.

Der Song gehört zu den Momenten, in denen Pilgrims and Psychonauts am zugänglichsten wird. Eine eingängige Melodie, ein treibender Groove und genug psychedelische Farbe im Hintergrund, damit das Ganze nicht zu sauber wirkt. Genau diese Balance bekommt die Platte erstaunlich oft hin.

Später wird es mit Her Crawling Majesty und She Demon wieder schräger. Die Titel passen dabei durchaus zur Musik, aber glücklicherweise verzichtet die Band darauf, jeden Song mit maximalem Bombast zu inszenieren. Stattdessen arbeiten sie viel mit kleinen Details: Percussion, Stimmen, ungewöhnlichen Klangfarben und diesen leicht schiefen Momenten, die einen Song interessanter machen als die zehnte perfekt gespielte Vintage-Rock-Nummer.

Überhaupt ist Pilgrims and Psychonauts nicht besonders interessiert an Perfektion.

Das ist gut so.

Bei mehr als 30 beteiligten Musikern wäre es wahrscheinlich ohnehin schwierig gewesen, eine komplett klinische Produktion daraus zu machen. Stattdessen klingt das Album warm, stellenweise rau und angenehm analog. Die Instrumente dürfen atmen, und die vielen unterschiedlichen Klangquellen wirken nicht wie nachträglich aufgesetzte Dekoration.

Natürlich ist das Album nicht frei von Längen. Vierzehn Tracks und zahlreiche Zwischenspiele sind eine Menge Material, und nicht jeder Abschnitt entwickelt dieselbe Sogwirkung. Gerade deshalb funktioniert die Platte wahrscheinlich besser, wenn man sie am Stück hört, anstatt einzelne Songs herauszupicken.

Denn Pilgrims and Psychonauts lebt vom Zusammenhang.

Es ist ein Album, das seine verschiedenen Einflüsse ziemlich hemmungslos nebeneinanderstellt: psychedelischer Rock, Blues, Garage, Krautrock-Anleihen, indische Instrumentierung, Space-Sounds und ein gewisser Hang zum Soundtrackhaften. Das könnte problemlos völlig überladen wirken.

Tut es aber erstaunlich selten.

NEPAL DEATH haben verstanden, dass psychedelische Musik nicht automatisch möglichst viele Effekte braucht. Entscheidend ist, was zwischen den einzelnen Elementen passiert. Und genau dort funktioniert die Platte am besten.

The Exorcism of Rakshasi (She Demon Pt. II) beendet schließlich die Reise mit einem letzten größeren Ausbruch, bevor die Platte sich verabschiedet. Ein besonders nüchterner Abschluss wäre wahrscheinlich auch unpassend gewesen.

Pilgrims and Psychonauts ist keine Platte, die man unbedingt analytisch auseinandernehmen muss. Dafür macht sie zu viel Spaß.

Sie ist eigenwillig, manchmal etwas überdreht, gelegentlich bewusst kitschig und trotzdem erstaunlich fokussiert. Vor allem aber klingt sie nicht nach einer Band, die lediglich alte psychedelische Platten möglichst originalgetreu nachbauen möchte.

NEPAL DEATH nehmen sich die Zutaten aus einer musikalischen Epoche, die ihnen offensichtlich viel bedeutet, und machen daraus etwas Eigenes. Mal bluesig, mal tanzbar, mal ziemlich düster und gelegentlich komplett neben der Spur. Wer Psychedelic Rock gerne mit etwas mehr Farbe und deutlich weniger Berührungsangst hört, sollte sich auf diesen Trip einlassen.

https://www.instagram.com/nepaldeath

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert