
FANE – Armageddon Scars (2026, Octopus Rising) (Review)

Sludge und Doom leben bekanntlich davon, dass es schwer wird. Sehr schwer. Die Gitarren müssen drücken, der Bass darf ruhig ein paar Zentimeter unter der Erdoberfläche verschwinden und am besten klingt alles so, als hätte jemand einen ziemlich schlechten Tag gehabt und beschlossen, daraus ein Album zu machen.
FANE aus Louisiana gehen die Sache etwas anders an.
Nicht unbedingt leichter. Nur bewusster.
Armageddon Scars ist das Debütalbum des Duos Ryan Ashmore und Trey Porche, und schon die Besetzung sagt einiges aus. Zwei Leute, kein riesiger Bandapparat, keine zehn Instrumente, die gleichzeitig um Aufmerksamkeit kämpfen. Stattdessen konzentrieren sich FANE auf das, was sie offenbar wirklich interessiert: Gewicht, Spannung und die Frage, wie viel Atmosphäre ein schweres Riff eigentlich braucht.
Die Antwort lautet: ziemlich viel.
Denn Armageddon Scars scheint nicht darauf aus zu sein, den Hörer möglichst schnell mit maximaler Lautstärke zu erschlagen. FANE lassen ihren Songs Raum. Zwischen den massiven Gitarren gibt es Luft, und gerade dadurch bekommen die schweren Stellen ihr Gewicht.
Das ist ein kleiner, aber wichtiger Unterschied.
Im Sludge kann man sich schließlich ziemlich leicht verrennen. Noch mehr Verzerrung, noch mehr Bass, noch langsamere Riffs – und irgendwann klingt alles nur noch nach einem einzigen langen Geräusch. FANE vermeiden diese Falle, indem sie ihre Musik nicht ausschließlich über Härte definieren.
Die Spannung ist mindestens genauso wichtig.
Dabei kommen natürlich die erwartbaren Einflüsse zusammen: Doom, Sludge, Hardcore und ein Schuss Black Metal. Dazu kommt die Beschäftigung mit amerikanischer Folklore, was dem Ganzen eine zusätzliche, eher unterschwellige Farbe gibt. FANE machen daraus allerdings kein folkloristisches Konzeptalbum. Die Einflüsse sitzen eher im Hintergrund und geben der Musik eine bestimmte Atmosphäre.
Und die ist nicht gerade freundlich.
Armageddon Scars beschäftigt sich mit dem, was nach der Katastrophe übrig bleibt. Nicht mit dem großen Knall selbst, sondern mit den Spuren danach: Schaden, Erschöpfung, Durchhalten. Das passt wesentlich besser zu dieser Musik, als es ein weiteres „Die Welt geht unter“-Konzept tun würde.
Denn Untergang ist im Doom inzwischen ungefähr so ungewöhnlich wie ein Gitarrensolo im Metal.
Interessanter ist die Zeit danach.
Was bleibt, wenn der Lärm vorbei ist? Was macht man mit den Schäden? Und wie viel Kraft braucht es eigentlich, um nicht einfach liegenzubleiben?
FANE geben darauf keine großen Antworten. Zum Glück. Die Musik lässt diese Fragen eher stehen.
Das macht Armageddon Scars auch emotional interessanter, als man bei einer Beschreibung wie „crushing sludge/doom“ vielleicht erwarten würde. Hinter der Schwere steckt nicht nur Wut. Da ist auch Erschöpfung. Und eine gewisse Ruhe, die gerade deshalb funktioniert, weil sie jederzeit wieder von etwas Schwerem überrollt werden kann.
Der Vergleich mit Thou, Crowbar, YOB oder Primitive Man ist deshalb nachvollziehbar, aber auch ein bisschen zu bequem. FANE stehen zwar klar in derselben Landschaft, interessieren sich aber offenbar weniger für das reine Nachbauen dieser Sounds als für deren Wirkung.
Vor allem die Idee, möglichst wenig zu überproduzieren, kommt ihnen dabei entgegen.
Armageddon Scars soll nicht glänzen.
Es soll Spuren hinterlassen.
Das klingt nach einem billigen Satz, wenn man ihn so hinschreibt, passt aber tatsächlich ziemlich gut zum Titel. FANE setzen auf organische Aufnahmen, echte Performances und analoge Arbeitsweise. Nicht, weil analog automatisch besser wäre – dieser Mythos gehört inzwischen ebenfalls ins Museum –, sondern weil die Band offenbar einen Klang wollte, bei dem man die Musiker noch als Musiker wahrnimmt.
Das ist bei schwerer Musik durchaus wichtig.
Denn je dichter und tiefer der Sound wird, desto größer ist die Gefahr, dass am Ende nur noch Produktion übrig bleibt. FANE versuchen offenbar genau das zu verhindern. Die Songs dürfen atmen, die Arrangements müssen nicht jede Lücke füllen und die einzelnen Elemente bekommen ihren Platz.
Dadurch wirkt das Album weniger wie eine Demonstration von Härte und mehr wie eine gemeinsame Anstrengung.
Und das passt wiederum zur Geschichte hinter FANE. Ashmore und Porche kennen sich seit Jahren, kommen beide aus der Metal- und Hardcore-Szene Louisianas und haben hier kein Projekt gestartet, um möglichst schnell irgendeinen Trend mitzunehmen. Armageddon Scars wirkt eher wie etwas, das aus einer langen gemeinsamen musikalischen Geschichte heraus entstanden ist.
Das hört man einer solchen Platte idealerweise auch an.
Nicht an Perfektion.
Sondern daran, dass nichts unbedingt größer gemacht werden muss, als es ist.
FANE haben offenbar verstanden, dass ein Riff nicht automatisch besser wird, wenn man noch eine Gitarrenspur darüberlegt. Ein Song braucht nicht ständig einen neuen Höhepunkt. Und ein Doom-Album muss nicht jede Minute beweisen, wie langsam und schwer es sein kann.
Manchmal reicht ein guter Gedanke, ordentlich Gewicht und die Geduld, ihn stehen zu lassen.
Armageddon Scars ist deshalb kein Album, das mit großen Gesten um Aufmerksamkeit bettelt.
Es zieht eher langsam an einem.
Und wenn man irgendwann merkt, dass man schon ziemlich tief drinsteckt, ist es zu spät.
FANE machen auf ihrem Debüt keinen besonders komplizierten Sludge. Aber sie machen ihn mit Gefühl für Raum, Gewicht und Atmosphäre. Armageddon Scars ist schwer, ohne stumpf zu werden, düster, ohne sich in Pathos zu verlieren – und genau deshalb ein ziemlich überzeugender Einstieg für ein Duo, von dem man hoffentlich noch einiges hören wird.
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