
Faerie Ring – Faerie Ring (2026, King Volume Records) (Review)

Es gibt Bands, bei denen man schon nach den ersten Sekunden ziemlich genau weiß, aus welchem Plattenregal sie kommen. Bei Faerie Ring ist das ebenfalls nicht schwer zu erraten. Sie mögen alte Verstärker, schwere Gitarren und Songs, die lieber ein gutes Riff ausspielen, als sich mit unnötiger Eile durch drei Strophen und zwei Refrains zu arbeiten.
Der entscheidende Unterschied: Faerie Ring klingen nicht so, als hätten sie irgendwann beschlossen, jetzt eben eine Siebziger-Jahre-Band zu sein.
Das selbstbetitelte dritte Album des Quartetts aus Evansville, Indiana, nimmt zwar reichlich Material aus dem klassischen Hard Rock, Proto-Doom und Heavy Metal mit, macht daraus aber keinen nostalgischen Museumsbesuch. Dafür ist die Platte zu unruhig, zu dreckig und stellenweise schlicht zu eigenwillig.
Vor allem der Garage-Einschlag verhindert, dass die zehn Songs in gepflegter Retro-Wärme baden. Hier darf es auch mal rauer werden. Die Gitarren haben ordentlich Dreck angesetzt, das Schlagzeug klingt nicht nach Hochglanzproduktion und manche Übergänge wirken eher wie aus einer guten Probe als aus einem Lehrbuch für perfektes Songwriting.
Das ist als Kompliment gemeint.
Denn gerade diese kleinen Unebenheiten geben Faerie Ring Charakter. Die Band versucht nicht, ihre Einflüsse sauber zu polieren und anschließend als vermeintlich zeitlosen Sound zu verkaufen. Sie lässt sie aufeinanderprallen.
Doom trifft auf Blues.
Heavy Metal trifft auf Garage Rock.
Und irgendwo dazwischen schiebt sich immer wieder dieser psychedelische Einschlag hinein, der dafür sorgt, dass ein zunächst ziemlich klassisches Riff plötzlich in eine ganz andere Richtung kippt.
Mit New Gods und Fattest Witch macht die Band gleich zu Beginn klar, dass hier niemand vorhat, besonders vorsichtig vorzugehen. Die Gitarren sind massiv, aber nicht überladen, und hinter der Schwere steckt eine gewisse Beweglichkeit. Faerie Ring können ein Riff ziemlich breit hinstellen, ohne es gleich mit fünf zusätzlichen Spuren zuzukleistern.
Das ist eine Qualität, die sich durch das Album zieht.
Biggest Hit funktioniert dann beinahe wie ein kurzer Richtungswechsel, bevor Draggin’ mit deutlich mehr Blues und einem gewissen Rotz in der Stimme beziehungsweise im Riffing wieder Fahrt aufnimmt. Gerade solche Momente verhindern, dass das Album in einem einzigen Tempo oder einer einzigen Stimmung stecken bleibt.
Und das ist vielleicht die größte Stärke von Faerie Ring: Die Platte hat Gewicht, ohne ständig schwer sein zu müssen.
Das klingt zunächst nach einem ziemlich kleinen Unterschied. Im Doom ist es aber ein wichtiger.
Wenn eine Band zehn Songs lang nur versucht, möglichst massiv zu klingen, wird selbst das dickste Riff irgendwann zu Tapete. Faerie Ring lassen dagegen immer wieder andere Farben zu. Mal kommt der klassische Heavy-Rock-Einschlag stärker durch, mal der Psychedelic-Anteil, dann wieder eine bluesige Passage oder dieses leicht schmutzige Garage-Gefühl.
Dabei bleibt die Band erstaunlich geschlossen.
Man hört verschiedene Einflüsse, aber selten einzelne Bands, die einem direkt ins Gesicht springen. Natürlich kann man hier und dort an Boris, Thin Lizzy, Scorpions oder Crowbar denken, und auch die schwerere Seite des modernen amerikanischen Heavy Rock ist nicht spurlos an Faerie Ring vorbeigegangen. Trotzdem klingt das Album nicht wie eine Sammlung von Referenzen.
Es klingt nach einer Band, die diese Sachen längst durch den eigenen Fleischwolf gedreht hat.
Besonders interessant wird es dort, wo die Musik nicht mehr nur nach außen drückt. Hinter der ganzen Verzerrung und dem klassischen Heavy-Rock-Fundament steckt eine erstaunlich persönliche Seite. Einsamkeit, Verlust, Liebe, Frustration und diese unangenehme Frage, was man eigentlich mit dem eigenen Leben anfangen soll, wenn die großen Antworten ausbleiben.
Das wird nicht ständig erklärt.
Zum Glück.
Faerie Ring haben keine Lust, ihre Songs mit einem Beipackzettel zu versehen. Die Texte funktionieren eher als zweite Ebene zu einer Musik, die ohnehin schon genügend Atmosphäre mitbringt.
Howling At The Misty Moon zeigt diese Seite besonders gut. Der Song hat zwar die nötige Portion Pathos für eine Band, die mit Doom und Siebziger-Hard-Rock arbeitet, bleibt aber weit genug von der großen Rockoper entfernt. Ähnlich bei Lost Boy: Hier wird aus der Schwere weniger ein triumphaler Moment als eine ziemlich ernüchternde Grundstimmung.
Und genau das macht die Platte sympathisch.
Sie will nicht ständig behaupten, dass alles groß, magisch und episch sei.
Manchmal ist es einfach beschissen.
Dann hilft vielleicht ein guter Verstärker.
Dass mit Matt McGuyer ein neuer Drummer hinter dem Kit sitzt, dürfte dabei ebenfalls seinen Anteil haben. Das Schlagzeug hält die Songs nicht einfach nur zusammen, sondern gibt ihnen genug Bewegung, damit die Gitarren nicht in einem einzigen dichten Block verschwimmen.
Überhaupt ist die Produktion gut gewählt. Faerie Ring klingt groß, ohne steril zu werden. Die einzelnen Instrumente dürfen ihren eigenen Platz haben, und gerade die etwas rauere Oberfläche passt wesentlich besser zum Material als irgendeine moderne Hochglanzproduktion.
Man könnte das Album deshalb problemlos als Retro-Platte verkaufen.
Nur wäre das ziemlich langweilig.
Denn Faerie Ring interessieren sich zwar hörbar für die Vergangenheit, leben aber nicht dort. Sie nehmen sich die klassischen Zutaten und machen daraus etwas, das deutlich weniger nostalgisch ist, als die ersten Sekunden vermuten lassen.
Das selbstbetitelte dritte Album ist damit auch kein radikaler Neuanfang. Es ist eher der Punkt, an dem die Band ihre verschiedenen Seiten ziemlich gut zusammenbekommt: Doom und Heavy Rock, Psychedelic und Garage, Melodie und Dreck.
Und vor allem: Schwere und Persönlichkeit.
Faerie Ring beweisen auf ihrem dritten Album, dass Retro-Sound nicht automatisch Rückwärtsgang bedeuten muss. Die Riffs stammen hörbar aus einer alten Schule, die Haltung dahinter aber nicht. Mal dreckig, mal bluesig, mal psychedelisch und immer wieder erfreulich schwer, ist Faerie Ring eine Platte für alle, denen moderner Heavy Rock ruhig etwas Staub auf den Verstärkern hinterlassen darf – solange darunter noch Leben steckt.
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