
RITUAL ARCANA – Ritual Arcana (2026, Heavy Psych Sounds) (Review)

Mit Wino Weinrich in der Band ist die Sache eigentlich schon vor dem ersten Ton klar: Hier werden die alten Doom-Geister nicht gerade in den Ruhestand geschickt. Der Mann hat in diesem Genre genug Geschichte geschrieben, um inzwischen als eigenes Gütesiegel durchzugehen. Trotzdem wäre es ziemlich langweilig, Ritual Arcana einfach als weiteres Wino-Projekt abzuhaken. Denn auf ihrem selbstbetitelten Debüt ist es nicht allein seine Gitarre, die den Ton angibt.
Ritual Arcana setzen auf eine Mischung aus Doom, bluesigem Hard Rock und okkult angehauchtem Heavy Rock, die eher auf Songs als auf endlose Riffwalzen baut. Vieles bleibt erstaunlich kompakt. Statt zehn Minuten lang denselben Gedanken auszuwalzen, kommen die meisten Stücke schnell zum Punkt. Das macht das Album zugänglich, ohne ihm die nötige Schwere zu nehmen.
Der Opener „Ritual Arcana“ zeigt ziemlich genau, wohin die Reise geht: ein fetter, relativ einfacher Groove, darüber SharLee LuckyFrees markanter Gesang und Winos Gitarrenarbeit, die weniger mit großen Gesten als mit kleinen Leads und genau gesetzten Akzenten funktioniert. Das ist kein Gitarrenalbum, auf dem der große Name ständig beweisen muss, warum er der große Name ist. Wino spielt erstaunlich diszipliniert und lässt dem Rest der Band Platz.
Und dieser Rest ist nicht unwichtig. LuckyFrees Bass und Stimme geben dem Material eine eigene Farbe. Ihr Gesang ist kräftig, dunkel und auffällig melodisch, ohne in die für viele Occult-Rock-Bands typische theatralische Nummer abzurutschen. Gerade in den bluesigeren Stücken funktioniert das gut. „Free Like A Pirate“, „Summon The Wheel“ und „Road Burnt“ haben ordentlich Rock’n’Roll im Tank und bewegen sich eher auf der hardrockigen Seite des Albums. „Judgment XX“ schlägt in eine ähnliche Kerbe.
Die interessanteren Momente liegen allerdings dort, wo Ritual Arcana etwas schwerer werden. „Mistress Of Change“ hat einen deutlich unheimlicheren Charakter und bewegt sich mit einem schleppenden, leicht betrunkenen Groove durch den Song. LuckyFrees Stimme wirkt hier weniger glatt und kontrolliert, was dem Stück gut tut. „Subtle Fruits“ geht noch stärker in Richtung Doom und gehört zu den Nummern, bei denen die Band tatsächlich mehr hinterlässt als einfach nur einen guten klassischen Hard-Rock-Song.
Genau hier zeigt sich auch eine kleine Schwäche des Albums. Ritual Arcana beherrschen den bluesigen Heavy Rock ohne Frage, aber diese Seite klingt stellenweise so vertraut, dass man nicht immer zwingend wissen muss, welcher Song gerade läuft. Die Riffs sitzen, die Produktion ist klar und druckvoll, die Band spielt sicher – aber wirklich überrascht wird man selten. Wer von einem Projekt mit Wino, LuckyFree und Munson eine komplette Neuerfindung des Doom erwartet, wird entsprechend enttäuscht sein.
Das muss allerdings nicht unbedingt ein Problem sein. Ritual Arcana will offensichtlich keine neue Doom-Schule eröffnen. Die Stärke liegt vielmehr in der Konsequenz, mit der die drei ihre unterschiedlichen Hintergründe zusammenbringen. Winos Gitarrenarbeit bringt die nötige Erdung, LuckyFrees Bass und Gesang verschieben den Schwerpunkt, und Oakley Munson hält das Ganze beweglich genug, damit aus den klassischen Zutaten kein statischer Retro-Rock-Abend wird.
Am Ende sind es deshalb nicht unbedingt die großen okkulten Gesten, die von Ritual Arcana hängen bleiben. Es sind die Songs, die Groove, Melodie und Doom miteinander verbinden, ohne daraus eine Wissenschaft zu machen. Das Album spielt stellenweise ziemlich sicher auf bekanntem Terrain, aber es tut das mit genug Charakter und handwerklicher Klasse, um nicht im Retro-Rock-Einheitsbrei unterzugehen.
Kein revolutionärer Doom-Meilenstein. Dafür ein verdammt solides Debüt mit einigen richtig guten Songs – und vor allem eine Band, bei der die Chemie zwischen den drei Beteiligten interessanter ist als die Namen auf dem Promozettel.
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