Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

SLEEPING GIANT – The Beauty of Obliteration (2026, Octopus Rising) (Review)

Sechs Songs, knapp 35 Minuten und gleich drei Gitarren. Bei SLEEPING GIANT aus Reykjavík ist also schon auf dem Papier klar, dass hier nicht gerade mit Wattebäuschchen geworfen wird. The Beauty Of Obliteration ist das Debütalbum der Isländer und bewegt sich irgendwo zwischen Doom, Sludge, Stoner und einer ordentlichen Portion Extreme Metal. Klingt nach einer ziemlich vollen Mischung. Ist es auch. Aber erstaunlicherweise funktioniert das Ganze ziemlich gut.

„Conqueror“ eröffnet das Album zunächst mit schwerem Doom. Langsam, düster, ordentlich Gewicht auf den Schultern. Nach und nach kommt mehr Bewegung in den Song, die Gitarren bekommen mehr Raum und plötzlich merkt man, dass SLEEPING GIANT nicht einfach nur möglichst tiefe Riffs aneinanderreihen wollen. Die drei Gitarren sorgen für ordentlich Fleisch am Knochen, ohne dass permanent alles gleichzeitig lärmen muss. Dazu kommt ein Bass, der sich ebenfalls nicht damit zufriedengibt, irgendwo im Hintergrund mitzuschwimmen.

Mit „Mobilizer Of Evil“ wird die Sache aggressiver. Sludge und Doom bleiben das Fundament, aber Thrash- und Melodic-Metal-Einflüsse schieben sich dazwischen. Vor allem die Wechsel im Tempo funktionieren gut, weil die Band dadurch nicht in diesem typischen „Riff, Pause, Riff, noch langsameres Riff“-Doomtrott hängen bleibt. Man hört die Einflüsse durchaus heraus – Down, frühe Mastodon, High On Fire und Konsorten – aber SLEEPING GIANT kopieren nicht einfach deren Platten nach.

„The Monk“ ist für mich dann einer der stärksten Momente des Albums. Der Song hat diese schmutzige Sludge-Seite, kann aber genauso plötzlich das Tempo anziehen und in Richtung Thrash abbiegen. Genau in solchen Momenten wird die Band interessant. Die Riffs sind fett, aber nicht nur fett. Sie verändern sich, werden gegeneinander geschoben und bekommen dadurch eine gewisse Spannung. Und Sänger Oddur Freyr Þorsteinsson legt darüber ein tiefes, dreckiges Growlen, das den Songs einen deutlichen Extreme-Metal-Stempel aufdrückt.

Überhaupt sind die Vocals so eine Sache. Sie passen zweifellos zur Musik und bringen eine ordentliche Portion Aggression mit. Gleichzeitig bleibt der Gesang über weite Strecken in einem ähnlichen Bereich. Gerade bei den langsameren Doom-Passagen könnte etwas mehr Abwechslung nicht schaden. Das ist kein großes Problem, aber man merkt es vor allem deshalb, weil die Instrumentalisten deutlich variabler unterwegs sind.

„Slay The King Of Hell“ gehört ebenfalls zu den Stücken, bei denen SLEEPING GIANT ihre Vorliebe für große, rollende Riffs voll ausspielen. Hier darf es einfach grooven. Der Song hat diesen klassischen Stoner-Doom-Impuls, bei dem man irgendwann automatisch mit dem Kopf nickt, obwohl man sich vorgenommen hatte, eigentlich nur kurz zuzuhören. Die Gitarrenarbeit ist dabei ziemlich stark und zeigt, warum drei Gitarristen in diesem Fall tatsächlich Sinn ergeben.

Und dann kommt „Venom Ripper, Gorgon Blaster“. Knapp drei Minuten, deutlich schneller und mit beiden Füßen im Achtziger-Thrash beziehungsweise NWOBHM. Das Ganze ist so offensichtlich auf Metal-Klischees gebaut, dass es schon wieder Spaß macht. Die Band gibt das sogar selbst zu. Kein Versuch, daraus irgendeine tiefgründige musikalische Offenbarung zu machen – einfach ein kurzer, dreckiger Metal-Arschtritt zwischen den längeren Songs. Genau deshalb funktioniert er.

Den größten Brocken hebt sich die Band für den Schluss auf. „Abysmal Flame“ läuft fast zehn Minuten und verbindet Stoner, Doom, Sludge und Thrash noch einmal miteinander. Der Song braucht seine Zeit, verliert sich aber nicht komplett darin. Besonders die Entwicklung innerhalb des Stücks zeigt, dass SLEEPING GIANT mehr können, als nur schwere Riffs möglichst laut abzuspielen. Hier kommen auch die melodischeren Seiten der drei Gitarren besser zur Geltung. Gleichzeitig bleibt der Song angenehm erdig und weit weg von überproduziertem Modern-Metal-Pathos.

Was The Beauty Of Obliteration letztlich zusammenhält, ist das Gespür für Riffs. Die Isländer haben davon reichlich. Manchmal sind allerdings die einzelnen Riffs interessanter als die Songs, in denen sie stecken. Einige Übergänge wirken etwas mechanisch, und gerade bei einem Debüt dieser Art hätte man sich an manchen Stellen noch etwas mehr Mut zu wirklich überraschenden Wendungen gewünscht. Dafür klingt die Band bereits erstaunlich eingespielt – was bei Material, das teilweise schon einige Jahre auf dem Buckel hat, wenig verwundert.

Als Debüt ist das trotzdem eine ziemlich starke Angelegenheit. SLEEPING GIANT versuchen nicht, den Doom-Sludge-Stoner-Kuchen neu zu erfinden. Sie nehmen lieber die Zutaten, die ihnen gefallen, werfen noch etwas Thrash und Extreme Metal dazu und machen daraus ihren eigenen, ziemlich groovenden Brei. Nicht jeder Song landet dabei gleich weit vorne, aber die besten Momente sitzen.

The Beauty Of Obliteration ist also kein Album, das man wegen irgendeiner spektakulären Neuerfindung des Genres auflegen muss. Man legt es auf, weil die Riffs funktionieren, die Band ordentlich Druck macht und spätestens bei „The Monk“ oder „Venom Ripper, Gorgon Blaster“ klar wird, dass hier sechs Leute einfach verdammt viel Spaß daran haben, schwere Musik zu spielen.

https://www.instagram.com/sleeping.doom.giant

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert