Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

KONOMONO – Rebirth (2026) (Review)

Manchmal ist eine EP genau lang genug. Nicht, weil die Band nach sechs Songs nichts mehr zu sagen hätte, sondern weil sie ziemlich genau weiß, wann es besser ist, einen Punkt zu machen. Rebirth von KONOMONO gehört in diese Kategorie.

Sechs Stücke, knapp 29 Minuten, und musikalisch bewegt sich das Zürcher Quintett irgendwo zwischen Krautrock, Psychedelic Rock, Dream Pop und Shoegaze. Das klingt zunächst nach einer ziemlich vollen Schublade. Auf Rebirth wirkt diese Mischung allerdings weniger wie ein bewusst zusammengestelltes Konzept als wie etwas, das sich im Laufe der Songs ganz selbstverständlich ergibt.

KONOMONO setzen dabei stark auf Wiederholung. Aber eben nicht auf die Art von Wiederholung, die nach drei Minuten nach einer guten Idee klingt, die man besser nicht auf acht Minuten hätte ausdehnen sollen. Die Muster verändern sich langsam, Instrumente verschieben ihre Position, und auch die Vocals werden eher als Teil des Gesamtbildes eingesetzt, statt permanent im Mittelpunkt stehen zu müssen.

Schon Would You Listen to Me? gibt die Richtung vor. Der Song hat einen gewissen Sog, ohne sich dafür besonders anzustrengen. Die Gitarren bleiben in Bewegung, während sich der Rest des Arrangements darum herum organisiert. Es ist Musik, die eher nebenbei anfängt, interessant zu werden.

Feed Your Words geht einen Schritt weiter und zeigt stärker die poppige Seite von KONOMONO. Der Song ist zugänglicher, ohne plötzlich nach glattgebügeltem Indie-Pop zu klingen. Genau hier funktioniert die Verbindung von Dream Pop und Krautrock besonders gut: Die Melodie ist vorhanden, aber die Band lässt ihr genügend Raum, um nicht sofort nach Refrain und Wiederholung zu schreien.

Dann kommt Miāo Miāo Miào Miào – und spätestens hier dürfte klar sein, dass KONOMONO nicht sonderlich daran interessiert sind, eine möglichst vorhersehbare Abfolge von Indie-Rock-Songs abzuliefern.

Der Titel ist dabei fast so eigenwillig wie der Song selbst. Statt die bisherige Linie einfach fortzusetzen, verschiebt die Band den Schwerpunkt erneut und lässt mehr psychedelische Elemente zu. Das wirkt nicht wie ein Fremdkörper, sondern eher wie eine Erinnerung daran, dass Rebirth nicht unbedingt ein Album sein will, das man beim ersten Durchlauf vollständig „versteht“.

Das kurze Lean Closer übernimmt anschließend eine fast skizzenhafte Funktion. Gerade einmal etwas mehr als zwei Minuten – und damit genau lang genug, um nicht aus einer kleinen Idee künstlich einen vollständigen Song machen zu müssen.

Der eigentliche Mittelpunkt der EP ist dann Night Drive.

Mit über acht Minuten ist der Song mit Abstand der längste Track auf Rebirth, und KONOMONO nutzen die Zeit. Statt möglichst schnell irgendwo anzukommen, lassen sie die einzelnen Elemente arbeiten. Wiederholung wird hier zum eigentlichen Stilmittel. Kleine Veränderungen fallen dadurch stärker auf, weil die Band nicht permanent mit neuen Reizen um sich wirft.

Das erinnert natürlich an Krautrock, aber KONOMONO übernehmen nicht einfach dessen historische Ästhetik. Die weicheren Vocals und die teilweise fast schwebende Gitarrenarbeit holen das Stück deutlich näher an Shoegaze und Dream Pop heran.

Und genau diese Mischung macht Rebirth interessant.

Denn die Band klingt weder nach einer klassischen Krautrock-Revival-Truppe noch nach einer weiteren Dream-Pop-Band, die zufällig entdeckt hat, dass lange Gitarrenflächen ganz schön aussehen können. Die rhythmische Seite bleibt wichtig, gleichzeitig darf die Musik immer wieder ausfransen.

Der Abschluss 鸡蛋六只 – auf Englisch Six Eggs – setzt schließlich noch einmal einen eigenen Akzent. Auch hier zeigt sich, dass KONOMONO keine Angst davor haben, unterschiedliche Ideen innerhalb einer relativ kurzen Veröffentlichung nebeneinander stehen zu lassen.

Das Album wirkt dadurch nicht komplett durchkomponiert im klassischen Sinn. Eher wie eine Momentaufnahme einer Band, die gerade herausfindet, wie weit sie ihre verschiedenen Einflüsse miteinander verbinden kann.

Und das ist wahrscheinlich auch der Punkt, an dem man Rebirth entweder mögen oder ziemlich schnell beiseitelegen wird.

Wer Musik braucht, die nach spätestens 30 Sekunden klar macht, worauf sie hinauswill, wird mit KONOMONO vermutlich wenig anfangen können. Diese Songs verlangen etwas Geduld. Nicht übermäßig viel – aber eben doch mehr als der durchschnittliche Indie-Rock-Track.

Dafür belohnt Rebirth diejenigen, die sich darauf einlassen.

Die EP ist nicht besonders laut, nicht besonders aggressiv und auch nicht darauf aus, mit technischen Kunststücken zu beeindrucken. Ihre Wirkung entsteht vielmehr aus dem Zusammenspiel von Rhythmus, Wiederholung und Atmosphäre. Und obwohl das Ganze stellenweise ziemlich entspannt daherkommt, ist die Musik keineswegs belanglos.

Im Gegenteil: Gerade weil KONOMONO nicht jede freie Stelle mit irgendetwas auffüllen, bekommen die einzelnen Bestandteile Raum.

Das macht Rebirth letztlich zu einer angenehm eigenwilligen Veröffentlichung. Nicht perfekt ausbalanciert, nicht immer sofort greifbar, aber mit einer klaren eigenen Vorstellung davon, wie diese Mischung aus Krautrock, Psychedelic, Shoegaze und Dream Pop funktionieren kann.

KONOMONO liefern mit Rebirth keine EP für nebenbei. Zumindest nicht, wenn man sie wirklich kennenlernen will. Wer sich auf die langsame Entwicklung der Songs einlässt, bekommt dafür eine Platte, die ihre Einflüsse nicht einfach nachspielt, sondern ziemlich locker miteinander vermischt. Ein interessantes Debüt – und vor allem eines, bei dem man gerne wissen möchte, wohin die Band als Nächstes geht.

https://www.instagram.com/konomonokonomono

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