
HOllOW DRiFTER – Colours In Time (2026) (Review)

Drei Songs, knapp eine halbe Stunde Spielzeit und ein Tempo, bei dem man besser nicht auf die Uhr schaut: Colours In Time von Hollow Drifter ist keine EP für Menschen, die ständig wissen müssen, was als Nächstes passiert.
Und das ist durchaus positiv gemeint.
Das britische Quartett nimmt sich auf diesen drei Stücken ziemlich viel Zeit. Vor allem Seasons, Ages, Legends… mit seinen rund vierzehn Minuten macht deutlich, dass Hollow Drifter nicht an klassischen Songformaten interessiert sind. Der Track entwickelt sich langsam, fügt nach und nach neue Elemente hinzu und vertraut darauf, dass nicht jede Minute mit einem neuen musikalischen Einfall gefüllt werden muss.
Das funktioniert erstaunlich gut.
Hollow Drifter bewegen sich irgendwo zwischen Psychedelic Rock, Folk, Siebziger-Hard-Rock und moderneren, eher atmosphärischen Spielarten des Post-Rock. Entscheidend ist dabei weniger, welche dieser Zutaten gerade im Vordergrund steht, sondern wie selbstverständlich die Band zwischen ihnen wechselt.
Morning Fog eröffnet die EP noch vergleichsweise zurückhaltend. Akustische Gitarren und folkige Melodien geben den Ton an, während sich die Arrangements nur langsam öffnen. Das Stück wirkt dabei nicht wie ein bloßes Intro für den langen Mittelteil, sondern setzt ziemlich genau die Geduld voraus, die Colours In Time anschließend verlangt.
Denn Hollow Drifter lassen ihre Musik lieber wachsen, als sie sofort auf den Punkt zu bringen.
Das klingt in der Theorie schnell nach einer Ausrede für fehlendes Songwriting. Hier ist es das Gegenteil. Gerade weil die Band ihre Stücke nicht unnötig mit Höhepunkten vollstopft, funktionieren die dynamischen Veränderungen wesentlich besser. Wenn sich bei Seasons, Ages, Legends… die elektrischen Instrumente stärker in den Vordergrund schieben, hat das tatsächlich Gewicht.
Der Track bleibt dabei angenehm organisch. Keine hektischen Wendungen, kein Versuch, aus einem langen Song unbedingt ein Epos zu machen. Stattdessen baut Hollow Drifter die Spannung Schritt für Schritt auf und lässt sie anschließend wieder verschwinden.
Das ist wahrscheinlich die größte Stärke der EP.
Sie will nicht beeindrucken.
Sie will, dass man zuhört.
Cradlesong bringt anschließend wieder mehr Ruhe hinein und beendet die Platte beinahe beiläufig. Zarte Gitarren und Keyboards sorgen dafür, dass nach dem langen Mittelstück nicht noch ein weiterer Höhepunkt erzwungen wird. Die EP darf einfach aufhören.
Und genau dadurch funktioniert Colours In Time als Gesamtwerk besser, als es die überschaubare Tracklist zunächst vermuten lässt.
Natürlich ist das keine Musik, die man unbedingt wegen ihrer Härte auflegt. Wer von einer Rockplatte permanent Druck und Energie erwartet, dürfte hier relativ schnell unruhig werden. Hollow Drifter interessieren sich eher für Atmosphäre, Dynamik und die kleinen Veränderungen innerhalb eines Stücks.
Das kann sehr schnell langweilig werden.
Hier wird es das nicht.
Vielleicht auch deshalb, weil die Band trotz ihrer offensichtlichen Siebziger-Vorliebe nicht komplett in der Vergangenheit hängen bleibt. Die folkige Grundlage und die psychedelischen Elemente wirken vertraut, während die längeren Spannungsbögen durchaus aus einer jüngeren musikalischen Welt stammen könnten.
Im Vergleich zum 2024er Devolve zeigt Colours In Time jedenfalls eine deutlich sanftere Seite von Hollow Drifter. Die Band muss diesmal nicht beweisen, dass sie laut oder komplex sein kann. Sie lässt den Songs einfach den nötigen Raum.
Und manchmal ist genau das die bessere Entscheidung.
Mit Colours In Time liefern Hollow Drifter eine angenehm unaufgeregte EP ab, die ihre Wirkung nicht über große Gesten sucht. Drei Stücke, viel Geduld und ein ziemlich gutes Gespür dafür, wann ein Song weiterlaufen und wann er besser einfach in Ruhe gelassen werden sollte. Wer psychedelischen Rock nicht ausschließlich mit fuzzigen Verstärkern und großen Gesten verbindet, sollte hier durchaus mal länger zuhören.
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