
Aetere – Theogonie (2026, Octopus Rising) (Review)

Bei manchen Alben weiß man nach zehn Minuten, woran man ist. Bei „Théogonie“ hat das deutlich länger gedauert.
Aetere stammen aus Bordeaux und veröffentlichen mit diesem Werk ihr Debüt über Argonauta Records. Die Zutaten lesen sich zunächst nicht unbedingt spektakulär: Doom, Shoegaze, Post-Punk, Ambient. Alles schon einmal gehört. Umso überraschender ist es, wie eigenständig das Ergebnis am Ende wirkt.
Wer hier auf schnelle Wirkung hofft, ist allerdings an der falschen Adresse. Aetere haben offensichtlich keinerlei Interesse daran, möglichst rasch zum nächsten Höhepunkt zu gelangen. Die Stücke entwickeln sich langsam, teilweise sehr langsam. Trotzdem hatte ich während des Hörens nie das Gefühl, dass die Band Zeit schindet. Genau daran scheitern schließlich viele Veröffentlichungen dieses Genres.
Schon nach wenigen Durchläufen fiel mir auf, wie viel unter der Oberfläche passiert. Die Gitarren liefern das Fundament, aber ständig tauchen kleine Details auf, die man beim ersten Hören leicht übersieht. Mal sind es Synthesizerflächen, mal einzelne Melodielinien, die kurz aus dem Nebel auftauchen und wenig später wieder verschwinden.
An manchen Stellen fühlte ich mich tatsächlich an Warning erinnert. Wenige Minuten später eher an Slowdive. Dann wieder überhaupt nicht. Genau das macht den Reiz von „Théogonie“ aus. Die Einflüsse sind erkennbar, dominieren die Musik aber nie vollständig.
Auch Alice Ronzinis Gesang trägt seinen Teil dazu bei. Ihre Stimme wirkt angenehm ungekünstelt und vermeidet vieles von dem Pathos, das in diesem Bereich gerne überstrapaziert wird. Dadurch bekommen die Songs eine gewisse Verletzlichkeit, ohne dabei an Gewicht zu verlieren.
Erst später las ich, dass sich die Texte unter anderem auf Blake, Dante, Milton oder Homer beziehen. Überraschend war das nicht. Über dem gesamten Album liegt eine Schwere, die sich nur schwer beschreiben lässt. Das klingt jetzt vielleicht hochtrabend, aber manche Musik transportiert solche Stimmungen einfach besser als jede noch so ausgefeilte Textanalyse.
Besonders gelungen finde ich die Dynamik zwischen den schweren und den zurückgenommenen Passagen. Viele Bands neigen dazu, jede freie Ecke mit zusätzlichen Spuren zu füllen. Aetere machen häufig das Gegenteil. Sie lassen die Musik atmen. Und genau dadurch entfalten die massiven Momente später umso mehr Wirkung.
Auch klanglich gibt es wenig Anlass zur Kritik. Das Album besitzt genügend Druck, ohne dabei seine Details zu verlieren. Über Kopfhörer fallen ständig neue Kleinigkeiten auf, während die Songs über eine gute Anlage vor allem von ihrer Wucht leben.
Eigentlich wollte ich „Théogonie“ zunächst nebenbei laufen lassen, während ich ein paar andere Dinge erledige. Daraus wurde allerdings nichts. Immer wieder landete meine Aufmerksamkeit bei der Musik. Das passiert nicht allzu oft.
Für ein Debüt hinterlässt das Album einen erstaunlich geschlossenen Eindruck. Vor allem aber vermittelt es das Gefühl, dass Aetere bereits ziemlich genau wissen, wohin die Reise gehen soll. Und das ist heutzutage alles andere als selbstverständlich.
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