Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

YAWNING BALCH – Volume Four (2026, Heavy Psych Sounds) (Review)

Bei Yawning Balch weiß man inzwischen eigentlich ziemlich genau, worauf man sich einlässt. Das Ding basiert erneut auf improvisierten Sessions irgendwo in der Joshua-Tree-Wüste, Gary Arce und Bob Balch drehen gemeinsam an endlosen Desert-/Psych-Räumen herum, und am Ende landet wieder eine Platte irgendwo zwischen Heavy-Psych, Ambient, Post-Rock und staubigem Jam-Universum. Klingt erstmal nach einer typischen „entweder komplett drin oder komplett raus“-Geschichte – und genau das ist „Volume Four“ auch geworden.

Der Unterschied diesmal: Die Platte wirkt stellenweise schwerer und gleichzeitig diffuser als die Vorgänger. Weniger diese entspannte Wüstenfahrt, mehr ein langsames Treiben durch dichten Nebel, bei dem man manchmal selbst nicht mehr genau weiß, ob gerade überhaupt noch ein Song läuft oder nur noch Atmosphäre übrig ist.

„Pyramid Of Djoser“ funktioniert dabei noch am ehesten als tatsächlicher Track. Da passiert vergleichsweise viel Bewegung, die Gitarren schieben mehr, die ganze Sache entwickelt phasenweise fast so etwas wie Druck. Nicht aggressiv im klassischen Sinn, aber deutlich dichter als man es von diesem Projekt oft gewohnt ist. Gerade die Gitarrenarbeit lebt stark davon, dass sich die Musiker gegenseitig genug Raum lassen, statt permanent alles zuzukleistern.

Danach verliert sich „Volume Four“ aber auch bewusst immer stärker im eigenen Flow. „Water Ritual“ zieht das Tempo komplett raus und lebt fast nur noch von Stimmung, Hallräumen und diesen leicht dub-artigen Produktionselementen, die in mehreren Texten erwähnt werden. Das funktioniert erstaunlich gut, weil die Platte nie versucht, daraus irgendeine große „Psychedelic Experience“ zu machen. Es bleibt alles ziemlich reduziert und kontrolliert.

Genau da liegt aber auch der Knackpunkt. Das Album verlangt schon ziemlich viel Geduld und guten Willen. Manche Passagen wirken eher wie ein Zustand als wie tatsächliche Komposition. Wenn man dafür offen ist, kann das extrem hypnotisch werden. Wenn nicht, zieht sich das Ganze teilweise schon ordentlich.

Vor allem gegen Ende merkt man, dass die improvisierte Entstehung gleichzeitig Stärke und Schwäche der Platte ist. Einerseits fühlt sich nichts steril oder überkonstruiert an. Andererseits gibt es Momente, in denen die Musik eher vor sich hin driftet, statt wirklich noch Spannung aufzubauen.

Trotzdem funktioniert „Volume Four“ insgesamt besser, als viele ähnliche Jam-/Psych-Veröffentlichungen das normalerweise tun. Einfach weil Yawning Balch nicht ständig versuchen, aus jeder Minute ein großes Ereignis zu machen. Die Platte vertraut komplett auf Atmosphäre, Dynamik im Kleinen und dieses langsame Ineinanderfließen der Gitarren.

Manchmal reicht genau das. Manchmal eben nicht ganz. Aber immerhin klingt das hier nie nach irgendeiner algorithmisch zusammengesetzten „Desert Rock trifft Post-Metal“-Blaupause, sondern tatsächlich nach Musikern, die sich gegenseitig zuhören und einfach laufen lassen.

https://www.instagram.com/yawning_balch/

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