
Waste a Saint: „Wir sind nie wirklich fertig“
Waste a Saint aus Trondheim veröffentlichen mit …And It’s Evergreen ihr neues Album nach elf Jahren Bandgeschichte. Im Interview spricht die Band über kreative Prozesse, Wandel im Line-up und ihren ungebrochenen Drang, Musik zu machen.
Hey Leute, zuerst einmal: Für alle, die euch noch nicht kennen – gebt uns bitte einen kurzen WASTE A SAINT-Überblick: Wer ist aktuell in der Band, wie habt ihr euch alle zusammengefunden usw.?
Waste a Saint sind:
Bogey Stefansdottir – Gesang
Ole Nogva – Bass
Alexander Skomakerstuen – Gitarre
Trym Solan Renolen – Schlagzeug
Wir sind ein Vierer aus Trondheim in Norwegen und spielen Stoner Rock mit einem gewissen Alternative- und melodischen Hard-Rock-Einschlag. Wer auf Desert Rock, Stoner Rock oder generell melodischen Rock steht – also etwa QOTSA, Sabbath, All Them Witches oder Jack White – sollte hier grundsätzlich richtig liegen. Wir kopieren allerdings niemanden, sondern machen unser eigenes Ding.
Kennengelernt haben sich Bogey, Ole und Alex um 2014/15 an der Trøndertun Folkehøgskole – einer typischen norwegischen Schule, an der man nach der High School ein Jahr lang das macht, worauf man Lust hat. Besonders bekannt ist sie für ihre Musikprogramme. Alex und Bogey spielten damals gemeinsam in einer Band, Ole und Alex in einer anderen.
Nach dem Ende des Schuljahres haben sich diese Bands dann größtenteils aufgelöst – Leute sind weggezogen, zum Militär gegangen oder haben andere Wege eingeschlagen. Alex, der aus Trondheim kommt, hat schließlich Bogey überzeugt, dorthin zu ziehen und gemeinsam mit Ole etwas Neues zu starten. Ole war ebenfalls mit an Bord.
Als Bass, Gesang und Gitarre standen, fehlte nur noch das Schlagzeug. Den ersten Drummer haben wir über Facebook gefunden – damit war Waste a Saint geboren.
Zehn Jahre, eine EP, zwei Alben, unzählige Shows und fünf Drummer später sind wir schließlich bei Trym Solan Renolen gelandet – und genau da stehen wir heute.
Euer Bandname – was steckt dahinter? War das ein längerer Prozess oder ist der einfach irgendwann entstanden? Gab es vielleicht sogar alte Namen?
Einen Bandnamen zu finden ist ehrlich gesagt immer eine Qual. Man dreht sich im Kreis, jeder Vorschlag klingt irgendwann falsch, und am Ende soll man etwas wählen, das einen im besten Fall für immer begleitet.
Wir hatten tatsächlich schon einen Gig gebucht, bevor wir überhaupt einen Namen hatten. Unser erster Ansatz war „Hiroshima Sunset“ – rückblickend ein wirklich, wirklich schlechter Name, den wir aus offensichtlichen Gründen schnell wieder verworfen haben.
Alex hatte außerdem ein Notizbuch voller Ideen, aber vieles davon fühlte sich einfach zu kindlich oder nicht passend an. Ich erinnere mich noch an „Crash Queens“… eher schwierig.
Zwischendurch hieß es erst „Waste Saint“. Damit haben wir auch ein paar Shows gespielt, aber irgendetwas hat noch gefehlt. Dann kam die Idee, ein „A“ dazwischenzusetzen – und damit war der Name plötzlich da: Waste a Saint.
Euer neues Album …And It’s Evergreen erscheint bald – wie blickt ihr heute darauf? Seid ihr zufrieden oder gibt es Dinge, die ihr anders machen würdet?
Als Künstler ist man eigentlich nie komplett zufrieden mit dem Endergebnis. Man hört später immer Dinge, die man anders machen würde – sei es in der Produktion oder wenn man die Songs später live spielt.
Wir arbeiten generell sehr schnell. Die meisten unserer Alben sind innerhalb von ungefähr einer Woche aufgenommen worden. Da bleibt es nicht aus, dass man im Nachhinein noch Kleinigkeiten ändern würde.
Aber genau das gehört auch dazu. Irgendwann ist es fertig – und dann ist es eben so. Man kann nicht zurück, nur nach vorne. Was einmal aufgenommen ist, bleibt bestehen.
Worum ging es euch thematisch bei dem Album? Gab es einen konkreten Auslöser?
Wir setzen uns nie hin und sagen: Jetzt machen wir ein Album über ein bestimmtes Thema. Wir gehen einfach ins Studio und arbeiten darauf hin. Inspiration ist da kein festes Konzept.
Die Themen entstehen eher unterwegs. Vieles ergibt sich erst im Prozess selbst.
Rückblickend spielt sicher auch der Wechsel im Line-up eine Rolle. Mit unserem neuen Drummer Trym mussten wir erst wieder zusammenfinden und als Einheit wachsen. Solche Veränderungen prägen natürlich auch den kreativen Prozess.
Wie ist das Feedback bisher ausgefallen?
Bisher ziemlich gut. Die beiden Singles „Porcelain“ und „Northbound“ sind sehr unterschiedlich, kommen aber offenbar beide gut an – bei Fans wie auch bei Kritikern.
Ihr seid jetzt seit elf Jahren aktiv – was treibt euch noch an?
Im Grunde ist es genau das Leben als Band: live spielen, Songs schreiben und mit Freunden unterwegs sein. Das hält alles zusammen.
Dazu kommt dieser permanente Drang, weiter Musik zu machen. Schon die Albumtitel Hypercarnivore und Ravenous zeigen das ganz gut – man ist eigentlich nie „fertig“.
Wie schwierig ist es, als Band in Norwegen zu bestehen? Kann man davon heute noch leben?
Ehrlich gesagt: Wir verdienen seit Jahren kein Geld damit – eher im Gegenteil. Es kostet alles eine Menge Geld.
Aber das ist eben das, was wir machen wollen. Leute kaufen Merch und Vinyl, unterstützen uns über Bandcamp oder im Plattenladen – das bedeutet uns viel.
Unterm Strich übersteigen die Kosten für Touren, Pressungen, Promotion und Studio das, was reinkommt, deutlich. Streaming bringt da praktisch nichts.

Wenn ihr einen Song auswählen müsstet, um neue Hörer reinzuholen – welcher wäre das?
Wahrscheinlich „Blindfold Marigold“. Der ist ziemlich typisch für uns.
Meistens läuft es so: Bogey schreibt den Text, Alex denkt sich den Titel aus, und am Ende entsteht ein Song, bei dem jeder ein bisschen etwas anderes spielt – das sich dann trotzdem zusammenfügt. Irgendwie funktioniert das als Mischung aus Punk und Stoner Rock.
Gibt es schon Pläne nach dem Release?
Ja, wir haben einige Shows im Frühling und Sommer geplant und wollen das unbedingt weiter ausbauen. Außerdem sind ein paar Videos in Arbeit – vielleicht auch eine Live-Session.
Und wir würden sehr gerne auch nach Deutschland und Mitteleuropa kommen – Booker können sich gerne melden.
Was wäre euer Tipp für neue Bands?
Nicht zu lange überlegen. Einfach machen.
Wenn …And It’s Evergreen ein Film wäre – welches Genre wäre das?
Gute Frage. Ehrlich gesagt fühlt es sich eher wie eine Serie an – eher episodisch.
Wenn ich mich festlegen muss: eine düstere HBO-Serie aus den frühen 2000ern wie Deadwood oder The Wire.
Wenn es unbedingt ein Filmgenre sein soll: Neo-Western.
Letzte Worte oder Grüße an eure deutschen Fans?
Wir würden sehr gerne bald nach Deutschland kommen. Hoffentlich sehen wir uns dort!
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