
Purple Skies: Doom, Fuzz und der lange Weg zu „A Million Years“
Mit „A Million Years“ beweisen Purple Skies, dass stundenlanges Riff-Feilen, Songwriting-Marathons und die Suche nach dem perfekten Sound sich lohnen. Gitarrist und Songwriter Henrik erzählt, wie die Band alte Doom-Wurzeln, poppige Melodien und ihren eigenen Stil vereint hat – und warum die Platte so lange gedauert hat.
Hi! Ihr habt 2017 in einem kalten Keller auf Askøy angefangen – ohne große Pläne, einfach nur Doom. Welcher war der erste Riff, bei dem ihr gemerkt habt: Moment mal, das geht in eine andere Richtung?
Ganz ehrlich: Solche Sachen vergesse ich ziemlich schnell. Die ältesten Songs, die es am Ende aufs Album geschafft haben, sind wohl „Red Road“ und „Worthless Men“. Die dazugehörigen Riffs dürften also zu den ersten gehört haben – und letztlich auch der Auslöser gewesen sein, überhaupt eine Platte machen zu wollen.
Das Line-up hat sich ja lange ständig verändert, bis schließlich Robert und Jøran dazukamen. Gab es diesen einen Moment im Proberaum, wo plötzlich alles Klick gemacht hat – oder war das eher ein schleichender Prozess?
Ein festes Line-up mit halbwegs ähnlichem Musikgeschmack hat auf jeden Fall enorm geholfen – sowohl beim Songwriting als auch dabei, überhaupt als Band zu funktionieren. Soweit ich weiß, war das hier für alle außer Robert die erste „richtige“ Band. Er hat vorher bei einer Punkband namens Rismann & The Stakedrivers gespielt (coole Band!). Für uns war das also viel Learning by Doing. Jeder, der mal in einer Band war, kennt das: Gerade am Anfang ist es verdammt schwer, zuverlässige und passende Leute zu finden.
Auf „A Million Years“ – welcher Song klingt heute noch am ehesten nach diesen ersten Keller-Ideen, und welcher hat sich am meisten verändert?
Wahrscheinlich wieder „Red Road“ und „Worthless Men“. Auch das Instrumental „Haven“ und „Mr. Fear“ gehen noch stark in die Richtung dieses Sleep/Electric Wizard-Sounds, den wir 2017/18 im Kopf hatten.
Produziert wurde das Ganze von Leif Herland im Polyfon Studio. Was hat er euch immer wieder neu machen lassen, was euch damals genervt hat, sich im Nachhinein aber gelohnt hat?
Eigentlich lag das Problem eher bei uns – wir waren schlicht nicht so vorbereitet und professionell, wie wir dachten. Vor allem Songstrukturen, tightes Zusammenspiel und Melodien mussten wir überarbeiten. Für „Bitchcraft“ haben wir, wenn ich mich richtig erinnere, einen ganzen Abend nur an den Drums gesessen. Ich habe zusammen mit Jøran eingespielt, während er die Drumspuren aufgenommen hat – ich war am Ende komplett fertig. Will gar nicht wissen, wie es ihm ging. Aber am Ende saß es.
Für die Vocals wurde neben Marius auch Anniken aus der Pop-Ecke dazugeholt. Gab es Vorschläge von ihrer Seite, die euch erst komisch vorkamen, die ihr aber trotzdem behalten habt?
Da kann ich nicht viel zu sagen, weil ich bei den Vocal-Aufnahmen nicht dabei war. Das Ergebnis spricht aber für sich. Grundsätzlich finde ich es aber sinnvoll, Elemente aus dem Pop in diese Art von Musik einzubauen. Gute Hooks und klare Strophen sind wichtig.
Wenn es um euren Sound geht, fallen oft Namen wie Black Sabbath und Witchcraft. Habt ihr im Studio gezielt versucht, bestimmte Sounds zu treffen – oder eher darauf geachtet, nicht zu nah dran zu sein?
Sabbath und vor allem Witchcraft sind mittlerweile einfach Teil unserer DNA – das lässt sich gar nicht vermeiden. Vieles hat sich im Studio gemeinsam mit Leif entwickelt. Klar war aber von Anfang an, dass die Drums in eine ähnliche Richtung gehen sollten wie auf „Legend“ von Witchcraft. Gitarren und Bass orientieren sich stark an unserem Livesound: Röhrenamps, viel Fuzz, am liebsten Orange und Marshall.
Das Album hat ewig gedauert. Ist der Titel „A Million Years“ einfach ein Seitenhieb auf den langen Prozess – oder steckt mehr dahinter?
Der Titel kommt aus den Lyrics zum Song „A Million Years“. Die Zeile „It took a million years to drown“ hat mich komplett umgehauen – für mich eines der stärksten Stücke Text, das ich je gehört habe (von Marius geschrieben). Deshalb habe ich vorgeschlagen, das als Albumtitel zu nehmen. Passte perfekt – auch, weil sich die Entstehung der Platte tatsächlich wie eine kleine Ewigkeit angefühlt hat.

Die Rockszene in Bergen ist ziemlich überschaubar. Jeder kennt jeden. Wann habt ihr aufgehört, euch Gedanken zu machen, wie ihr da reinpasst, und einfach euer Ding gemacht?
Ich glaube, darüber haben wir uns nie wirklich Gedanken gemacht. Wir feiern einen Großteil der Szene total – vor allem Kryptograf, Gjenferd, Bismarck und Strange Horizon. Wir wollten genau diese Art Musik machen, und es ist einfach Zufall, dass viele starke Bands aus derselben Gegend kommen. Das inspiriert eher, als dass es einschränkt. Jeder bringt seinen eigenen Twist rein, und das spornt an, kreativ zu bleiben.
Schwere Fuzz-Riffs sind das eine – Melodien einzubauen, ohne weich zu klingen, das andere. Welcher Song war diesbezüglich die größte Herausforderung?
Wahrscheinlich „Quiet Flowers“. Der ist deutlich poppiger als alles, was wir vorher gemacht haben. Da mussten wir schauen, wie wir das so einbauen, dass es trotzdem zum Rest passt. Am Ende hat’s funktioniert – und bringt etwas Abwechslung rein.
Leif wollte einen Sound, der laut ist, aber nicht auseinanderfällt. Wo hat er euch am meisten gepusht – Gitarre, Drums oder Gesang – sodass es den Song am Ende wirklich verändert hat?
Eigentlich überall. Wie gesagt, wir waren nicht so vorbereitet, wie wir dachten, also hat Leif uns erstmal ein bisschen geradegezogen – fast wie ein Bootcamp für Bands. Er hat jeden Einzelnen gepusht, das Maximum rauszuholen, und gleichzeitig dafür gesorgt, dass wir im Zeitrahmen bleiben. Dafür bin ich ihm echt dankbar. Außerdem hat er viel zu den Arrangements beigetragen und bei zwei Songs sogar ein bisschen am Songwriting mitgewirkt.
Euer Ziel war ein Sound, der oldschool wirkt, aber trotzdem heute funktioniert. Wenn jetzt jemand, der mit 70s-Sabbath aufgewachsen ist, und ein junger Underground-Fan das Album hört – was müssten die sagen, damit ihr denkt: Genau getroffen?
Im Idealfall, dass sich die Platte zeitlos anfühlt. Nicht zu retro, nicht zu modern – genau dazwischen.
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