
CONAN – Violence Dimension (Review)

Wenn man sich schon länger in Doom- und Stoner-Kreisen bewegt, weiß man: Conan machen es niemandem leicht – weder den Ohren noch der Nackenmuskulatur. Seit fast zwei Jahrzehnten feilen die Briten an ihrem monolithischen, erderschütternden „Caveman Battle Doom“, und Violence Dimension bricht nicht mit dieser Linie. Stattdessen wird die bekannte Formel noch tiefer und schwerer in den Boden gerammt – wie ein Güterzug, der ohne zu bremsen durch eine Betonwand pflügt.
Schon mit den ersten, gigantisch heruntergestimmten Riffs von „Foeman’s Flesh“ ist klar: Das hier ist kein Leichtgewicht. Diese Musik will dich begraben. Sie wuchtet sich langsam voran wie ein Ungetüm, doch gerade dieses schleppende Tempo macht jeden einzelnen Akkord umso vernichtender. Fuzzig, dicht und hässlich im besten Sinne – ein Sound, der den Brustkorb durchrüttelt und sich danach hartnäckig im Schädel festsetzt.
Stücke wie „Total Bicep“ schlagen stellenweise ein etwas höheres Tempo an und bewegen sich fast schon in thrashige Gefilde, bleiben dabei aber fest in der typischen Conan-Schlammspur verankert. Für eine Band, deren Ruf auf zermalmendem Zeitlupen-Doom basiert, wirkt das überraschend dynamisch – und fügt sich trotzdem perfekt ins Grundthema des Albums ein: rohe Gewalt frontal zu konfrontieren.
Die Rhythmussektion – nun getragen vom neuen Bassisten David Ryley – ist dabei mehr als nur schwer. Sie fühlt sich schwer an. Jeder Drum-Hit drückt dir spürbar die Luft aus den Lungen, und der Bass ist nicht einfach nur tief, sondern körperlich präsent. Man hört die Töne nicht nur, man spürt sie, noch bevor sie sich im Kopf formen. Der Fokus auf Klang und Frequenz wirkt, als würde flüssiges Metall durch dicke Kabel gepresst statt klassische Instrumente zu bedienen.
Trotzdem ist Violence Dimension kein eindimensionaler Koloss. Der Titeltrack etwa erlaubt sich kurze Momente, die fast etwas Unheimliches, leicht Blues-Angehauchtes haben, bevor alles wieder gnadenlos in den Doom-Strudel zurückgezogen wird. Atmosphäre ja – Schönheit nein. Eher die unheimliche Ruhe, bevor tonnenschwere Betonplatten vom Himmel stürzen.
Dann gibt es diese seltsamen, beinahe chaotischen Einsprengsel – etwa das kurze, explosive „Warpsword“ (45 Sekunden), das weniger nach Doom klingt als nach einem plötzlichen, brutalen Ausbruch reiner Entropie. Irritierend, sperrig, aber genau deshalb wirkungsvoll. Denn klar ist: Das hier ist kein Nebenbei-Hören, sondern eine direkte Konfrontation.
Wer den unverfälschten Conan-Sound sucht, findet mit „Ocean Of Boiling Skin“ einen würdigen Abschluss. Lang, erdrückend und auf seine eigene grausame Art hypnotisch. Ein Track, der mit jedem Durchlauf neue Nuancen von Schwere offenbart und Geduld belohnt.
Klar ist aber auch: Violence Dimension wird niemanden plötzlich von Conan überzeugen, der mit der Band bisher nichts anfangen konnte. Zugänglichkeit war nie ihr Ziel. Ihre Stärke lag immer darin, den Hörer tief in den Morast zu ziehen, Konventionen beiseite zu schieben und dieser archaischen Urgewalt das Wort zu überlassen. In dieser Hinsicht ist das Album eine konsequente Fortsetzung ihres Weges – vielleicht nicht das ultimative Conan-Album, aber ganz sicher eines der dichtesten und kompromisslosesten Schwergewichte ihrer Diskografie.
Am Ende fühlt sich Violence Dimension genau nach dem an, wofür Conan seit jeher stehen: unnachgiebige Schwere, ein gnadenloser Groove und Riffs, die wirken, als seien sie älter als jede Zivilisation.
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