
Khan – That Fair and Warlike Form // Return to Dust (Review)

Zwei Stücke, jeweils über zwanzig Minuten lang – schon auf den ersten Blick wird klar, dass Khan hier kein gewöhnliches Album abliefern wollten. That Fair and Warlike Form // Return to Dust funktioniert eher wie zwei lange Reisen durch denselben Klangraum. Statt vieler einzelner Songs gibt es zwei große Bögen, die sich langsam entfalten.
Der erste Teil, „That Fair and Warlike Form“, beginnt ruhig. Ein paar Gitarrenlinien stehen im Raum, der Bass hält sich zunächst zurück, das Schlagzeug setzt sparsam Akzente. Viel passiert nicht sofort – und genau darin liegt der Reiz. Die Band lässt sich Zeit. Schritt für Schritt wird das Arrangement dichter: weitere Gitarrenspuren tauchen auf, im Hintergrund legen Synthesizer eine leichte Fläche unter die Musik.
Nach einigen Minuten gewinnt das Stück spürbar an Gewicht. Die Gitarren werden breiter, der Bass tritt stärker hervor, und plötzlich steht ein massiver Groove im Raum. Trotzdem bleibt alles kontrolliert. Khan bauen ihre Spannung nicht mit schnellen Wendungen auf, sondern mit Geduld.
Im zweiten Stück, „Return to Dust“, verändert sich die Stimmung leicht. Der Einstieg wirkt düsterer, fast ein wenig unheilvoll. Gitarren und Bass greifen ineinander, während das Schlagzeug einen gleichmäßigen Puls vorgibt. Auch hier arbeitet die Band mit langen Entwicklungen: ruhigere Passagen wechseln sich mit schweren, druckvollen Abschnitten ab.
Auffällig ist, wie fließend sich die einzelnen Teile verbinden. Es gibt kaum harte Übergänge. Stattdessen verändert sich die Musik langsam, manchmal fast unmerklich. Gerade dadurch entsteht dieser Sog, der einen über die gesamte Länge der Stücke trägt.
Der Gesang bleibt eher im Hintergrund und wirkt mehr wie ein zusätzlicher Klang als wie ein Mittelpunkt. Die Stimme fügt sich in das Gesamtbild ein, anstatt sich davor zu stellen. Dadurch bleibt der Fokus stark auf den Instrumenten und der Atmosphäre.
Auch klanglich wirkt alles sehr direkt. Die Gitarren behalten ihre raue Struktur, der Bass klingt tief und voll, das Schlagzeug bleibt klar und trocken im Mix. Gleichzeitig lässt die Produktion genug Platz, damit sich die verschiedenen Schichten der Musik entfalten können.
Inhaltlich greift das Album Motive rund um Erlik auf – eine Gestalt aus der turk-mongolischen Mythologie, die mit Tod und Unterwelt verbunden wird. Diese Idee passt gut zur dunklen Grundstimmung der Musik, ohne dass die Platte dadurch überladen wirkt.
That Fair and Warlike Form // Return to Dust braucht Zeit. Wer nur kurz hineinhört, verpasst wahrscheinlich den eigentlichen Kern. Wer sich darauf einlässt, erlebt zwei lange Stücke, die sich langsam aufbauen und Schritt für Schritt ihre Wirkung entfalten.
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