
Fuzz, Wut und Freiheit: THE CLAMPS im Interview
Seit über zehn Jahren mischen THE CLAMPS die Stoner- und Psych-Szene mit ihrem High-Energy-Fat-Rock auf. Wir haben mit der Band über ihr neues Album Megamouth, Tourerfahrungen und die Energie gesprochen, die sie seit 2012 antreibt.
Hi! Stellt THE CLAMPS doch bitte kurz vor – Gründung, Besetzung, Sound?
2012 ging’s los. Ben (Gitarre, Gesang) und Bely (Bass) haben damals schon zusammen gezockt und suchten noch einen Drummer. Ich (Marci) bin eingestiegen – mit eigenem Proberaum im Gepäck, was die Sache natürlich leichter machte. Ein paar Sessions später war klar: Das passt. Kurz darauf haben wir unser Debüt Deadly Kick for a Fat Fucker aufgenommen – Songs waren bereits genug da.
Unser Sound? Fuzz-getränkter, schnörkelloser High-Energy-Fat-Rock.
Ben kam vom Metal, Bely eher aus Garage und Rock’n’Roll, ich aus der Alternative-Ecke. Wir haben alles in einen Topf geworfen – raus kam schneller, dreckiger Stoner-Rock’n’Roll mit ordentlich Attitüde.
Was war der Zündfunke hinter „Megamouth“?
Der Großteil der Songs entstand 2020 zwischen Shows und Touren. Dann kam der Lockdown – und plötzlich war zwei Jahre Pause angesagt. Keine Proben, keine Gigs. Ben und Bely haben in der Zeit neue Riffs ausgearbeitet, ich hab am Schlagzeug Dampf abgelassen. Als wir endlich wieder zusammen im Raum standen, haben wir die vorhandenen Nummern überarbeitet und noch ein paar neue draufgesetzt.
Keine Angst, kein Grübeln – nur rohe Wut. Und dieses Gefühl von Freiheit, als endlich wieder alles aufging. Genau das wollten wir auf Platte bannen.
Was steckt hinter ein paar Songs?
„Cubomedusa“ erzählt von einer riesigen Qualle, die durch die Ozeane zieht und verzweifelt nach Rock’n’Roll-Gigs sucht – aber nur auf bescheuerte Hummer trifft. (Okay, Spaß. Ist ein Instrumental.)
„Bill Jenkins“ dreht sich um einen Drag-Racer der Fünfziger, Zigarrenliebhaber und Pionier seiner Zeit. Klingt nach Klischee, aber schnelle Muscle Cars liegen uns im Blut – vor allem Bely.
„Freedom To Run“ entstand, als Ben beschloss, joggen zu gehen, um fitter zu werden. Zwei Wochen hat er durchgehalten. Im Kern geht’s aber um das befreiende Gefühl, etwas Negatives hinter sich zu lassen.
„Blood“ … hat, glaube ich, irgendwas mit einem Videospiel zu tun. Vermutlich zumindest.
Wo habt ihr aufgenommen?
Megamouth entstand im Trai Studio bei Mailand. Trai ist ein absoluter Könner hinterm Pult. Erste Zusammenarbeit – sicher nicht die letzte. Die Stimmung war top. Und ganz nebenbei auch kulinarisch ein Highlight: Trai kocht leidenschaftlich gern. Ben übrigens auch.
Was treibt euch nach 14 Jahren noch an?
Wir kommen gut miteinander klar. Wenn was nicht passt, sagen wir’s direkt ins Gesicht und klären das. Kein Drama, kein Hinterzimmer-Gelaber.
Und klar: Wir lieben Musik. Vor allem live. Auf der Bühne zu stehen ist für uns das Entscheidende. Dafür machen wir das alles. Das hält den Puls oben.
Gute Reviews, trotzdem Underground – warum?
Wir kommen aus den Tälern rund um Bergamo. Vielleicht liegt’s daran.
Im Ernst: Uns ist egal, wie groß die Bühne ist. Wir stehen hinter dem, was wir tun. Und wir sind stolz, Teil der Heavy-Psych-Sounds-Familie zu sein – und auf das, was wir als Underground-Band bisher erreicht haben.
Auch international unterwegs? Größere Supports?
Absolut. Touren ist für uns das Größte. Wir sind von Anfang an europaweit unterwegs gewesen – Clubs, Festivals, alles dabei.
Wir haben unter anderem mit Fu Manchu, Nashville Pussy, Valley of the Sun, Black Rainbows und Black Tusk die Bühne geteilt.
Wie schaltet ihr ab?
Was sonst – wir hören Musik. Und gehen auf Konzerte.
Bely fährt Vespa und Motorrad und ist viel unterwegs, Marci schwimmt und fährt Snowboard, Ben steht am liebsten am Herd. Und natürlich genießen wir die Zeit mit unseren Familien.
Pläne?
Ein paar starke Festivalshows in Europa stehen an – Details folgen.
Außerdem sind wir wieder regelmäßig im Proberaum und arbeiten an neuem Material.
Stichworte: Religion – Tod – USA – Drogen.
Wir glauben an Black Sabbath.
Eagles of Death Metal.
USA – wir sind bereit für Westküste, Ostküste, völlig egal welche Küste.
„Purple haze all in my brain …“
Wenn ihr irgendwo in der Wüste jammen könntet?
Duna Jam auf Sardinien. Kein Firlefanz – einfach Abriss.
Letzte Worte an die deutschen Fans?
Wir lieben es, durch Deutschland zu touren. So oft es geht, kommen wir rüber.
Zuletzt beim HPS Fest in Berlin und als Support für Colour Haze in München – zwei richtig starke Abende.
https://www.instagram.com/theclamps_band

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