Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

Led Zeppelin – Led Zeppelin (Klassiker-Review)

Mann, wenn ich an das erste Led Zeppelin-Album denke, krieg ich immer noch Gänsehaut. Ich hab das Ding als Teenager Ende der 70er von meinem großen Bruder geklaut – er hatte die Originalpressung, die schon ziemlich zerkratzt war, und ich hab sie heimlich auf meinem billigen Plattenspieler in der Jugendbude laufen lassen. Mein Alter hat von oben gebrüllt: „Mach leiser, du Spinner!“ Aber ich konnte nicht. Das Album hat mich sofort gepackt und nie wieder losgelassen. Bis heute ist es für mich das beste Debüt aller Zeiten – roh, dreckig, genial und gleichzeitig der Startschuss für alles, was danach kam.

Die Jungs – Jimmy Page frisch aus dem Yardbirds-Chaos, Robert Plant, dieser unbekannte Brüller aus den Midlands, John Paul Jones, der stille Session-Gott, und John Bonham, der einfach der beste Rock-Schlagzeuger aller Zeiten war – kamen 1969 raus und haben die Welt umgehauen. Das Album wurde in 36 Stunden aufgenommen und gemischt, Page hat alles selbst bezahlt, und es klingt live, als wären sie direkt aus dem Proberaum auf die Platte gesprungen. Kein Overdub-Gequatsche, nur pure Energie.

„Good Times Bad Times“ knallt sofort rein – dieses Riff, Bonhams Triolen auf der Bassdrum, Plants Schrei: Das ist Heavy Metal, bevor es Heavy Metal hieß. Dann „Babe I’m Gonna Leave You“ – akustisch, folkig, spanisch angehaucht, und plötzlich explodiert alles elektrisch. Das Stück hat mich durch so viele Liebeskummer-Nächte gebracht, weil Plant so verdammt echt klingt, wenn er leidet. „You Shook Me“ und „I Can’t Quit You Baby“ sind Blues-Covers, klar, und die Puristen haben damals „Plagiat!“ geschrien (Willie Dixon hat ja nie richtig Kohle gesehen). Aber hört mal Jeff Becks Version – Zep macht’s einfach schwerer, sexier, besser.

„Dazed and Confused“ ist das Herzstück – der Bogen auf der Gitarre, die absteigende Basslinie, der Aufbau von creepy Psych zu totalem Wahnsinn. Live wurde daraus später ein 30-Minuten-Jam, aber auf Platte sind’s sechs Minuten pure Spannung. Page hat das von Jake Holmes geklaut, ja, aber er hat es zu seinem gemacht – das ist Zep in Reinform. „Communication Breakdown“ ist der Vorläufer von Punk: schnell, wütend, ein Riff wie ein entgleisender Zug. „Your Time Is Gonna Come“ mit Jones’ Kirchenorgel-Intro, und dann „How Many More Times“ als Closer – neun Minuten Chaos, Bass-Solo, wieder der Bogen, Plant improvisiert wie verrückt.

Klar, das Album ist nicht perfekt. Die Kritiker vom Rolling Stone haben 1969 geschimpft: „prissy“, „redundant“, „Jeff-Beck-Kopie“. Die hatten keine Ahnung. Die Blues-Lifts waren damals ein Problem (heute weiß man: Rock war nie fair), und es ist noch nicht so ausgereift wie IV oder Physical Graffiti. Aber genau diese Rauheit macht es so stark – es fühlt sich an wie der Moment, in dem Rock endgültig erwachsen wurde und gleichzeitig rebellisch blieb.

Wenn du neu dabei bist: Fang hier an. Wenn du alt bist wie ich: Leg es nochmal auf – es wird nie alt. Das ist der Sound, der alles verändert hat.

https://www.ledzeppelin.com/

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