
Turtle Skull – Being Here (Review)

Die Australier von Turtle Skull haben mit Being Here endlich ein Album hingelegt, das wirklich sitzt. Fünf Jahre nach Monoliths klingt das Ganze deutlich reifer, organischer, fast so, als wäre es live im Raum aufgenommen worden – und genau das macht den Unterschied. Acht Songs, knapp 40 Minuten, und es fühlt sich an wie ein warmer, fuzziger Nachmittag, der unmerklich dunkler wird.
Der Opener „Being Here“ täuscht zunächst mit einem klassischen Psych-Teaser, dann setzt der richtige Groove ein – und man ist sofort drin. „Into The Sun“ ist für mich der Hit: sonniger Major-Key-Hook, aber textlich geht es tiefer in existenzielle Fragen, ohne aufgesetzt zu wirken. „Let It Go“ und „The Only One“ bringen unerwartet CSNY-mäßige Harmonien ins Spiel, die erstaunlich gut passen. „On The Run“ groovt fett und dreckig, „The Horizon“ und „Someday Soon“ schweben angenehm trippy dahin, und „End of Time“ als Closer lässt alles langsam ausklingen, ohne sentimental zu werden.
Die Produktion ist warm und druckvoll, die Gitarren fuzzig, aber nie matschig – man hört jede Schicht, jedes Atmen. Die Vocals von Dean und Julian sind melodisch, fast indie-typisch, ohne ins Kitschige abzurutschen. Emotional funktioniert das Album besonders dann, wenn man sich auf die Texte einlässt: Es geht ums Hiersein, ums Loslassen, um die Suche nach dem Horizont – und das alles ganz ohne Pathos.
Ein kleiner Kritikpunkt: Stellenweise fehlt es an echtem Kontrast. Manche Passagen sind so gleichmäßig lush und dreamy, dass sie etwas abdriften – nach ein paar Durchläufen hätte man sich mehr harte Breaks oder richtig fiese Riffs gewünscht, um den Flow gelegentlich zu durchbrechen. Schön ist das alles, aber nicht immer aufwühlend.
Trotzdem gilt: Für Fans von Neo-Psych, die es auch mal melodisch und entspannt mögen, ohne dass es beliebig wird, ist Being Here absolut Gold wert. Live dürfte das Material sogar noch besser zünden. Turtle Skull sind angekommen – fuzzig, ehrlich und verdammt sympathisch.
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