
Witch Ripper im Gespräch: Progressive Sludge aus Seattle – epische Trips durch Schwarze Löcher und fette Riffs
Seattle-Truppe Witch Ripper haut seit über zehn Jahren Konzeptalben raus: Sludge trifft Prog, fette Hooks und abgefahrene Sci-Fi-Stories. Nach „The Flight After the Fall“ steht jetzt die direkte Fortsetzung an – wir haben mit den Jungs über den neuen Kracher, verrückte Studio-Sessions, Gäste und warum Streaming einfach nervt gequatscht.
Stellt euch mal vor – wie hat Witch Ripper angefangen, wer ist dabei, was für Sound macht ihr?
Witch Ripper kommen aus Seattle und machen Progressive Metal mit Sludge-, Rock- und Doom-Einflüssen – alles schön prog-lastig. Lange Songs, kranke Tempowechsel, Konzeptalben ohne Ende. Angefangen hat das Ganze als Solo-Projekt unseres Gitarristen Curtis Parker: Der hat in Minnesota noch ’ne EP eingespielt, bevor er nach Seattle gezogen ist. Mit der hat er dann die Band auf die Beine gestellt. 13 Jahre, drei Alben und etliche US-Touren später sind wir immer noch am Start und gehören mittlerweile fest zur Doom-/Metal-Szene im Nordwesten.
Was steckt hinter dem dritten Album? Könnt ihr schon was verraten?
Es ist die direkte Fortsetzung von „The Flight After the Fall“. Derselbe Typ kämpft sich weiter durchs Schwarze Loch und landet in ’ner neuen Welt – voller alter Erinnerungen und einer Präsenz aus der Vergangenheit, die jetzt ziemlich wütend ist. Es geht um Verlust, Akzeptanz und darum, irgendwann Frieden zu schließen – alles verpackt in ein ordentlich abgedrehtes Sci-Fi-Setting.
Wieder bei Magnetic Eye Records?
Ja, und das passt nach wie vor super. Der Typ, der das Label macht, hat echt Bock auf gute Musik und nimmt sich Zeit für jede Band, damit am Ende alles stimmt.
Coole Momente bei den Aufnahmen?
Nichts komplett Irres, aber nach sechs Stunden Gitarren-Tracking haben wir spontan beschlossen, unter eine Line ohne klaren Grundton noch ’ne Harmonie zu legen, die zwischen verschiedenen Moll-Tonarten hin- und herspringt. Das hat uns allen kollektiv das Hirn verbrannt. Aber wir haben’s durchgezogen – und es klingt brutal gut. Zum ersten Mal hatten wir auch einen Gast-Sänger dabei: Irene Barber von Dust Moth. Die ist reingekommen und hat die Bude komplett abgerissen. Wir sind gespannt, wie die Leute darauf reagieren. Generell gehen wir immer sehr vorbereitet ins Studio: Vorher machen wir ’ne Demo vom kompletten Album, um zu checken, was funktioniert und was nicht. Spart am Ende ’ne Menge Stress.
Euer Sound in drei Worten?
Progressive Sludge. Dicke Riffs. Große Refrains. Nerdige Konzepte.
Welche Bands haben euch am meisten geprägt – alte wie neue?
Schwer zu sagen, weil jeder von uns aus ’ner anderen Ecke kommt. Curtis ist klar im Metal und Prog sozialisiert. Brian und Chad kommen eher aus chaotischem Post-Hardcore und Rock. Joe kennt sich extrem gut in Metal aus, aber auch in Jazz. Das alles landet in einem ziemlich eigenartigen Schmelztiegel – wer genau hinhört, entdeckt davon überall kleine Spuren auf der Platte.
Wie oft spielt ihr live? Gab’s schon denkwürdige Trips außerhalb der USA?
In Seattle spielen wir so drei- bis viermal im Jahr – dadurch bleibt jeder Gig etwas Besonderes. Getourt haben wir bisher nur innerhalb der USA. Und jede Tour hat ihre eigenen Geschichten: Mal trifft man völlig durchgeknallte Leute in winzigen Kaffs, mal feiert man ein bisschen zu hart, mal verreckt der Van irgendwo auf dem Highway. Gehört alles dazu.
Wie entstehen neue Songs bei euch?
Meist bringt Curtis die ersten Ideen mit – ein paar Riffs oder vielleicht einen Refrain. Dann wird viel gejammt, und die ganze Band formt daraus die Songs. Die Stücke werden locker 20-mal umgebaut, bevor sie fertig sind. Das kann ziemlich nerven, aber wir finden, das Ergebnis rechtfertigt den Aufwand. Wir wollen bewusst Musik machen und nicht einfach irgendeinen Kram raushauen.

Was haltet ihr von Promotion und Streaming heutzutage?
Wir sind für jede Unterstützung dankbar – auch dafür, dass ihr uns diese Fragen stellt. Es ist extrem schwer geworden, heute noch aus dem ganzen Lärm herauszustechen. Es kommt so viel Musik raus, dass viele Leute komplett überfordert sind. Wenn sich jemand gezielt meldet und sagt, dass ihm unsere Musik etwas bedeutet, heißt uns das enorm viel. Social Media ist größtenteils Müll, und Streaming lebt davon, dass Künstler hoffen, ihre Seele würde in der Musik gehört.
Wenn eure Musik ein körperliches Gefühl wäre – welches?
Vielleicht Aufregung? Schwer zu sagen, weil die Songs sehr unterschiedlich sind und jeder Musik anders wahrnimmt. Aber egal ob Stil oder Thema: Uns ist wichtig, dass es klanglich spannend bleibt und den Hörer packt.
Was steht als Nächstes an?
Wir freuen uns riesig auf den Album-Release. Ein Video und die erste Single sind schon draußen. Touren stehen an, Shows mit Bands, die wir feiern, kommen auch. Dazu mehr neue Musik und noch eine kleine Überraschung. Bleibt dran.
Danke fürs Gespräch – wir wissen das sehr zu schätzen!
Danke euch – bedeutet uns viel. Meldet euch jederzeit, wenn wir noch irgendwas tun können.
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