
IRATA – Human (2026, Small Stone Recordings) (Review)

IRATA haben nie besonders viel davon gehalten, sich auf eine Schublade festzulegen. Seit der Bandgründung 2007 hat sich das Trio aus North Carolina immer wieder bewegt, ohne dabei seinen eigenen Kern zu verlieren: ein schwerer, beinahe hypnotischer Bass, Drums mit ordentlich Druck und darüber Gitarren, Keyboards und Gesang, die sich nicht unbedingt an die üblichen Regeln des Heavy Rock halten. Human macht da keine Ausnahme.
Im Gegenteil: Die Platte wirkt erstaunlich gelassen.
„Altar“ eröffnet das Album nicht mit dem großen Knall, sondern lässt sich Zeit. Der Bass zieht seine Kreise, die Drums arbeiten sich langsam hinein und erst nach und nach zeigt sich, wohin der Song eigentlich will. Das ist kein Stoner-Riff zum Kopfnicken nach drei Sekunden. IRATA bauen Spannung lieber über Bewegung und Wiederholung auf.
Überhaupt ist der Bass auf Human mehr als nur das Fundament. Jon Case trägt etliche Stücke geradezu mit seinen Riffs, während Jason Ward am Schlagzeug dagegenhält. Diese Kombination ist seit Jahren ein wichtiger Bestandteil des IRATA-Sounds und funktioniert auch hier hervorragend. Die Band kann schwer klingen, ohne ständig auf maximale Lautstärke zu setzen.
Interessant wird es vor allem dort, wo die Gitarren und Stimmen etwas mehr Raum bekommen. „Seeds“ und „Confessions“ zeigen eine deutlich melodischere Seite, ohne dass IRATA dafür ihre Schwere opfern müssten. Die Gesangslinien sind tatsächlich ein wichtiger Teil der Songs und nicht bloß etwas, das zwischen den Riffs untergebracht wurde. Das unterscheidet Human von so mancher Underground-Produktion, bei der die Vocals eher als zusätzliche Schicht über einem Instrumentalstück hängen.
„Delirium“ und „Mirrors“ halten das Album in Bewegung, während „Slipped“ wieder stärker mit Atmosphäre arbeitet. Hier darf es auch einmal etwas offener und weniger unmittelbar werden. IRATA müssen nicht jede Minute beweisen, dass sie eine Heavy-Rock-Band sind. Genau das tut dem Album gut.
Natürlich ist nicht alles gleich zwingend. Die Geduld, die bei „Altar“ oder „Slipped“ funktioniert, kann an anderen Stellen auch einmal dazu führen, dass ein Song ein wenig auf der Stelle tritt. Und obwohl IRATA ihren eigenen Charakter haben, bewegen sie sich weiterhin in einem musikalischen Umfeld, in dem schwere Bassriffs, psychedelische Elemente, Grunge-Anleihen und alternative Rockstrukturen nun wirklich keine Seltenheit mehr sind. Human erfindet diese Mischung nicht neu.
Aber darum geht es der Band offenbar auch gar nicht.
Stattdessen arbeiten IRATA an den Details. Ein Riff wird nicht unbedingt größer, sondern bekommt mehr Raum. Ein Refrain wird nicht sofort zum Stadionmoment aufgeblasen. Ein Song darf sich entwickeln, ohne dass nach drei Minuten zwingend der nächste große Höhepunkt kommen muss. Dadurch wirkt Human trotz seiner durchaus gewichtigen Zutaten erstaunlich organisch.
Am deutlichsten zeigt sich das im abschließenden „Daystar“. Mit über sieben Minuten ist der Song das längste Stück des Albums und zugleich dessen weitester Ausblick. Hier darf sich die Band wirklich Zeit nehmen, ohne in einen endlosen Jam abzurutschen. Die verschiedenen Elemente, die vorher immer wieder aufgetaucht sind – Schwere, Melodie, Atmosphäre und diese eigentümliche rhythmische Spannung zwischen Bass und Schlagzeug – laufen hier noch einmal zusammen.
Dass Human als eine Art Kreis gedacht ist, vom Ende zum Neubeginn, muss man dabei nicht unbedingt aus dem Begleittext kennen. Die Musik bekommt diese Wirkung auch ohne große Konzept-Erklärung hin. Das ist letztlich die bessere Variante.
IRATA sind mit Human also weder plötzlich eine völlig andere Band geworden noch versuchen sie, ihre bisherigen Alben zu übertrumpfen. Sie haben ihren Sound eher weiter auseinandergezogen und dabei mehr Platz für Melodie und Dynamik geschaffen. Das Ergebnis ist weniger unmittelbar als mancher klassische Stoner-Brocken, dafür langlebiger.
Nicht jeder Song bleibt gleich stark hängen. Das Gesamtbild stimmt allerdings, und gerade die Mischung aus wuchtigem Rhythmusfundament und überraschend viel melodischer Zurückhaltung macht Human interessant.
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