Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

STAY DEAD! – Beneath the Weight of Worlds (2026, Ripple Music) (Review)

Manchmal reichen zwei, drei Minuten, um zu merken, dass eine Platte anders funktioniert als erwartet. Bei STAY DEAD war das jedenfalls mein erster Eindruck. Ich hatte mit einer dieser typischen Sludge-Veröffentlichungen gerechnet, die vor allem über Gewicht kommen und irgendwann anfangen, sich selbst zu wiederholen. Passiert hier erstaunlich selten.

Natürlich ist Beneath the Weight of Worlds schwer. Das wäre bei den beteiligten Musikern auch alles andere als überraschend. Trotzdem entsteht nie der Eindruck, dass die Band ständig beweisen müsste, wie massiv sie klingen kann. Die Riffs stehen zwar im Mittelpunkt, sie werden aber nicht wie Trophäen vor sich hergetragen. Genau das macht die Platte angenehmer, als ich zunächst erwartet hätte.

Was mich dagegen ziemlich schnell gepackt hat, war die Stimmung. Nicht dieses allgegenwärtige Weltuntergangspathos, das inzwischen jede zweite Doom- oder Sludge-Band für unverzichtbar hält. Eher das Gefühl, dass hier jemand tatsächlich etwas loswerden musste. Vielleicht ist das der Unterschied. Vieles wirkt persönlicher, als es der durchaus große Rahmen des Albums zunächst vermuten lässt.

Dass Ryan Garney hier singt, dürfte sich als Glücksgriff erweisen. Seine Stimme trägt die Songs ohne sich permanent in den Vordergrund zu drängen. Gerade in den ruhigeren Momenten funktioniert das ausgesprochen gut. Er muss nicht jeden Refrain zum großen Drama aufblasen. Ein paar Töne reichen oft völlig aus, um die Richtung vorzugeben.

Über die Gastauftritte wird im Vorfeld vermutlich jeder sprechen. Matt Pike. Troy Sanders. Klingt auf dem Papier beeindruckend. Nach mehreren Durchläufen verlieren diese Namen allerdings erstaunlich schnell an Bedeutung. Nicht, weil ihre Beiträge belanglos wären. Eher weil die Platte auch ohne sie funktionieren würde. Das ist letztlich das größere Kompliment.

Überhaupt hat Beneath the Weight of Worlds wenig Interesse daran, ständig Aufmerksamkeit einzufordern. Es gibt Alben, die den Hörer bei jeder Gelegenheit am Kragen packen wollen. STAY DEAD gehen anders vor. Die Musik zieht einen eher langsam hinein. Irgendwann merkt man, dass längst eine knappe halbe Stunde vergangen ist, ohne dass man dauernd auf den nächsten Höhepunkt gewartet hätte.

Vielleicht liegt genau darin die größte Qualität dieser EP. Sie versucht gar nicht erst, jede Minute mit einem möglichst spektakulären Moment vollzustopfen. Manche Ideen bleiben bewusst stehen. Andere lösen sich fast unbemerkt wieder auf. Das wirkt stellenweise beinahe improvisiert, obwohl dahinter offensichtlich ein ziemlich klares Gespür für Dynamik steckt.

Ganz ohne kleine Schwächen kommt die Platte trotzdem nicht davon. What Happened To Rock ‚N‘ Roll hat mich beispielsweise nicht wirklich abgeholt. Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar, im Albumfluss wirkt das Stück für meinen Geschmack aber eher wie eine kurze Unterbrechung als wie ein notwendiger Bestandteil. Nach dem starken Material davor fällt das noch etwas deutlicher auf.

Interessant fand ich dagegen, dass ich die Platte nach dem ersten Durchlauf deutlich unspektakulärer eingeschätzt hatte als nach dem dritten oder vierten. Das passiert nicht oft. Viele Veröffentlichungen funktionieren genau andersherum. Hier war eher das Gegenteil der Fall. Je besser ich die Songs kannte, desto mehr Details tauchten plötzlich auf, die vorher komplett untergegangen waren.

Das Rad erfinden STAY DEAD damit sicher nicht neu. Müssen sie aber auch gar nicht. Viel wichtiger ist, dass sich Beneath the Weight of Worlds nicht wie das Produkt einer Band anhört, die möglichst viele Genre-Zutaten abhaken wollte. Die Platte besitzt ihren eigenen Rhythmus und lässt sich davon auch nicht abbringen.

Und genau deshalb bleibt am Ende weniger der einzelne Song hängen als dieses eigenartige Gefühl, das einen während des Hörens begleitet. Man legt die EP nicht mit dem Gedanken weg, gerade das schwerste oder lauteste Sludge-Album des Jahres gehört zu haben. Eher mit der Überzeugung, dass hier eine Band ihren eigenen Ton bereits erstaunlich gut gefunden hat. Für ein Debüt ist das vermutlich mehr wert als jeder besonders spektakuläre Gastauftritt.

https://www.instagram.com/stay_dead_band/

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