Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

High on Doom: Hemplifier zwischen Sci-Fi, Voodoo und seismischen Wellen

Wir haben mit Dino von Hemplifier, der Stoner-/Doom-Band von Malta, gesprochen. Im Interview erzählt er, wie alles begann, worum es bei ihrem Sound geht und wie sie ihre kosmischen, schweren Riffs erschaffen. Außerdem gibt er Einblicke in das Debütalbum The Stoner Side of the Doom und das eigene Reeferfest.

Hi! Könnt ihr Hemplifier neuen Hörern vorstellen – Besetzung, wie alles angefangen hat und worum es bei eurem Sound geht?

Hi! Wir sind eine Stoner-/Doom-Band von der Insel Malta. Dabei sind Emanuel Portelli an Gitarre und Gesang (Thy Legion, Animamortua, Victims of Creation), Fred Burd am Bass und mit Backing-Vocals (Victims of Creation, A Black White Satellite) sowie Dino Mifsud Lepre am Schlagzeug und mit Samples (Victims of Creation, Pilgrimage).

Wir haben uns 2019 zusammengetan. Der Hauptgrund war, dass beim Proben mit unserer anderen Band Victims of Creation immer wieder stonerige Riffs entstanden, die zu schade waren, um sie zu vergessen. Wir wollen keine gewöhnliche Stoner-/Doom-Band sein, auch wenn wir wie viele andere brutal downtuned und schwer klingen. Unsere Songs schreiben wir auf unsere eigene Art, um unsere Ideen bestmöglich umzusetzen.

Unser Ziel war immer: jammen, Spaß haben, die schwersten Riffs spielen und dabei seismische Wellen über den Planeten schicken, während wir in unserem Raumschiff abhängen! Thematisch geht es in unseren Texten um Sci-Fi, Aliens, Übernatürliches, Okkultes, Voodoo, Gras, Riesen und einen Hauch lokaler Folklore und Mythologie. Außerdem organisieren wir das Reeferfest, bei dem Bands wie Godwatt aus Italien, Omega Sun aus Slowenien, Belzebong aus Polen und zuletzt Acid Mammoth aus Griechenland sowie UFOMAMMUT aus Italien gespielt haben.

Was steckt hinter dem Bandnamen?

Wir lieben Ironie und zwinkernden Humor bei Band- und Songtiteln – typisch für die Stoner-Szene. Hemplifier entstand aus einer Wortspielidee: Wir wollten einen Namen, der auf die Pflanze anspielt, die wir lieben, die aber nicht high macht – und gleichzeitig gut klingt. Klar, ein Wortspiel auf „Amplifier“, aber eben auch „Hemp-lifier“, also die Verstärkung von Hanf. Außerdem ist es ein kleiner ironischer Seitenhieb darauf, wie viele Leute Gras und das ganze Thema immer noch verteufeln. Vor ein paar Jahren war das auf Malta noch deutlich strenger, inzwischen hat sich das glücklicherweise entspannt.

„The Stoner Side of the Doom“ erschien 2023 – wie seht ihr das Album heute?

Wir sind immer noch sehr zufrieden mit dem Album und dem Sound, den wir eingefangen haben. Ein großes Dankeschön an Daniel, der genau verstanden hat, was wir wollten, und das Ergebnis perfekt umgesetzt hat. Außerdem danken wir Marco und Electric Valley Records, die von Anfang an an uns geglaubt haben und uns die Chance gegeben haben, unser Debüt zu veröffentlichen.

Welche Einflüsse hatten euch damals am meisten geprägt?

Wir lassen uns von allem inspirieren, was wir hören – natürlich Stoner-Musik, aber auch andere Genres. Zum Glück sind wir drei sehr offen, was Musik angeht, und hören unterschiedliche Sachen. Die meisten Ideen und Riffs entstehen jedoch während unserer Jamsessions. Wir experimentieren gerne und halten unsere Songstrukturen möglichst frei.

Wie war das Feedback bisher?

Wir waren vom ersten Tag an überrascht, wie positiv die Resonanz war! Auf Malta waren wir wahrscheinlich die einzige Band, die diesen Stoner-/Doom-Sound spielte, und das hat sicher geholfen. Wir waren nicht die ersten Stoner-/Doom-Band hier, aber für Leute, die genau unseren Stil mögen, fehlte offenbar noch eine Band wie unsere. Besonders beeindruckt hat uns, dass auch aus dem Ausland so viel positives Feedback kam. Wir haben immer an unsere Musik geglaubt, aber dass wir so schnell einen Plattenvertrag bekommen und auf Festivals wie Tolminator, Bunkerfest (beide Slowenien), Doom Over Vienna (Österreich) oder zweimal beim Electric Valley Fest in Sardinien spielen durften, war unglaublich! Dazu kamen noch lokale Gigs bei Rock the South, Nebular und natürlich unserem eigenen Reeferfest. Alles innerhalb kurzer Zeit – und das Feedback war immer großartig. Auch unsere Merchandise-Verkäufe und das Album liefen hervorragend.

Ihr seid schon lange dabei (Dino, du persönlich seit 1995, oder?) – was hält euch am Laufen?

Für mich (Dino) ist es die Liebe zur Musik. Besonders wichtig ist, dass ich immer das machen konnte, was mir Spaß macht. Ich war in Bands, deren Musik ich wirklich gefühlt habe. Beim Songwriting versuche ich nie etwas zu erzwingen, sondern folge einfach dem Gefühl. Wichtig ist, sich nicht in etwas hineinzwingen zu lassen, das einem fremd ist – das hilft auch, nach längeren Pausen wieder zu den alten Ideen zurückzufinden und besser zu werden. Neues auszuprobieren hält uns frisch. Alben aufnehmen, Gigs im Ausland planen – Dinge, auf die man sich freuen kann, sind Gold wert. Übrigens: Mit Victims of Creation habe ich 1992 angefangen, da begann auch meine Schlagzeugkarriere.

Wie schwer ist es, auf Malta eine stabile Besetzung zu halten? Kann man davon leben?

Allein von Musik leben? Eher unwahrscheinlich. Aber das Problem betrifft Künstler überall. Zuschauerzahlen bei Konzerten sind seit Corona gesunken, und es wird immer schwieriger, Proberaum, Equipment und Aufnahmen zu finanzieren.

Welchen Song würdet ihr einem Neuling von „The Stoner Side of the Doom“ zuerst vorspielen?

Wahrscheinlich „Weedcraft“ – er vereint alles, was Hemplifier ausmacht, und ist zusammen mit „Invocation“ einer der Publikumslieblinge. Den spielen wir fast bei jedem Gig.

Pläne für neues Material, Videos oder Shows?

Wir arbeiten ständig an neuem Material und hoffen, bis Ende des Jahres genug Songs beisammen zu haben, um die beste Auswahl zu treffen. Für 2026 planen wir etwas kürzerzutreten, um uns voll auf Neues zu konzentrieren. Wenn aber ein spannender Auslands-Gig kommt, sind wir immer offen – einfach melden!

Ein Tipp für alle, die heute eine Stoner-/Doom-Band gründen wollen?

Macht euer Ding! Kopiert niemals eine andere Band. 100 % Originalität ist fast unmöglich, aber wer von Anfang an versucht, authentisch zu sein, schafft etwas Eigenes – und das fällt meist auf, weil es ehrlich ist.

Der ungewöhnlichste Ort, an dem ihr je gespielt habt?

Nicht extrem verrückt, aber wir durften einmal beim Festival „Haunting the Theatre“ in einem echten Theater spielen – eine richtig coole Atmosphäre.

Abschließende Worte an die deutschen Fans?

Deutschland lieben wir! Wir haben viele Freunde dort und wurden mit unserer anderen Band VoC schon oft großartig gefeiert. Klar, Hemplifier ist eine andere Band, anderes Genre, aber wenn ihr uns live sehen wollt: meldet euch! 🙂

Hört gern rein und schaut euch unser Reeferfest an – vielleicht für eine kleine Auszeit unter maltesischer Sonne mit slow und heavy Stoner-Vibes. Malta ist ohnehin beliebt für Mini-Urlaube – könnte passen!

Danke, Karl, für das Interview und deine Unterstützung – bedeutet uns sehr viel.

Stay Hemplified!

https://www.instagram.com/hemplifier420

https://linktr.ee/electricvalley

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