Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

Vinnum Sabbathi im Gespräch: Mexikanischer Space-Doom mit Geschichte und Riff-Power

Juan von Vinnum Sabbathi erzählt von den Anfängen als Solo-Projekt, den ersten Europatouren, der neuen EP „Intersatelital“ mit mexikanischer Raumfahrt-Geschichte und dem harten Alltag einer Underground-Band in Mexiko. Die Instrumental-Truppe aus Mexico City mischt dröhnende Riffs mit Sci-Fi-Samples und macht seit über einem Jahrzehnt konsequent Druck.

Könnt ihr uns eine kurze Bandgeschichte geben – wann und warum es losging, Besetzung, Sound?
Hallo, hier ist Juan! Vinnum Sabbathi hat 2012 als Ein-Mann-Projekt angefangen, direkt nachdem ich mit dem Studium begonnen hatte. Ich hab damals eine Demo und die erste EP komplett alleine aufgenommen. 2013 kamen Gerardo (Schlagzeug) und Samuel (Bass) dazu, wir haben angefangen live zu spielen, und kurz darauf hat mein Bruder Roman (Samples) die Besetzung komplettiert.
2017 kam unser erstes Album „Gravity Works“ raus, und wir hatten die Chance, zum ersten Mal im Ausland zu spielen – fast drei Monate durch Europa. 2020 folgte das zweite Album „Of Dimensions & Theories“, das wir wegen der Pandemie erst ab 2023 richtig live supporten konnten, inklusive Rückkehr nach Europa für Desertfest London und Sonic Whip.
Zwischen den Alben gab’s noch Splits mit Bands aus aller Welt und ein gemeinsames Album mit Rezn aus Chicago als Teil der Postwax-Serie vom US-Label Blues Funeral.
VS ist eine Instrumental-Band, unsere „Gesangs“-Parts sind gesprochene Samples aus Sci-Fi und Wissenschaftsthemen. Wir stehen auf laute, langsame, verzerrte Riffs.

Was könnt ihr uns zu „Intersatelital“ erzählen – Konzept, Highlights bei den Aufnahmen?
Unsere neueste Veröffentlichung „Intersatelital“ ist eine kurze EP, mit der wir ein wichtiges Kapitel der mexikanischen Raumfahrtgeschichte ehren. Es geht um die ersten mexikanischen Satelliten (Morelos I & II) und den ersten mexikanischen Astronauten Dr. Rodolfo Neri.
Aufgenommen haben wir alles zusammen im Testa Estudio in León, Mexiko – alle im selben Raum, Songs in einem Take durchgespielt, nur Samples und Synths später hinzugefügt. Die Samples sind diesmal komplett auf Spanisch, und wir hatten den Segen von Dr. Neri persönlich.
Das Artwork stammt vom indonesischen Künstler Asep Yasin Abdulah, der auch schon das Cover unseres letzten Albums gemacht hat.

Wie war das Feedback bisher?
Wir konnten die neuen Songs diesen Sommer auf unserer Europatour dem Publikum präsentieren – es war spannend zu hören, wie die Fans auf die spanischen Samples reagiert haben und dass wir ihnen die Geschichte dahinter erzählen konnten. Die Resonanz war durchweg super, drei Vinyl-Editionen sind schon ausverkauft.

Selten Line-up-Wechsel – was ist das Geheimnis?
Die Bandgeschichte ist schon etwas kurios. Früh musste unser Schlagzeuger wegen seines Studiums nach UK ziehen. In der Zeit haben ein paar Freunde in Mexiko ausgeholfen, damit der Laden läuft. Heute wohnen wir alle in verschiedenen Teilen des Landes, Jobs machen es kompliziert, aber wir kriegen es irgendwie hin. Für die letzte Tour war unser Kumpel Javi von Terror Cósmico am Bass dabei – wir kennen uns seit über zehn Jahren.

Was hat dich zuerst zum Stoner/Doom gezogen?
Mein Bruder hat mir in der Oberstufe und Uni die ersten schweren Bands vorgespielt. Die dicken Klangwände von Electric Wizard, Sunn O))) und Boris haben mich so gepackt, dass ich selbst eine Band in dem Stil starten wollte.

Wie ist die Szene in Mexico City – unterstützend oder hart?
Die Bands rocken meiner Meinung nach richtig ab. Alle helfen sich gegenseitig, wir machen oft gemeinsame Shows, weil die Szene im Vergleich zu USA oder Europa noch ziemlich klein ist. Aber es gibt massenhaft gute Ideen und Einsatz. Was fehlt, sind vernünftige Venues für Underground-Bands. Die Gentrifizierung in der Stadt macht es immer schwerer, kleine Spots für uns zu halten.

Gibt’s bald Visuals oder neues Merch?
Ich kann mal unser Merch von der letzten Tour pushen – wer dabei war, weiß, dass wir eine Menge Optionen hatten, mit richtig krassem Artwork, das extra für die neue EP und die Tour in Auftrag gegeben wurde.

Was sollen die Leute nach eurer Musik fühlen?
Ich hoffe, dass die Zuhörer neugierig genug sind, um tiefer in die Konzepte und Geschichten einzutauchen, die wir teilen.

Ein Traum-Collaborator?
Wir hatten bisher das Glück, mit richtig talentierten Musikern zusammenzuarbeiten. Persönlich würde ich mir Artwork von David A. Hardy wünschen.

Spielt Umweltbewusstsein oder nachhaltiges Touren schon eine Rolle bei euren Plänen?
Bis jetzt haben wir alles selbst gemacht, also versuchen wir, so verantwortungsvoll wie möglich zu reisen – aber besser geht immer.

Abschließende Worte an Leser und Fans?
Wie immer: Unendlicher Dank an alle Freunde weltweit für eure Unterstützung. Wir hoffen, irgendwann mal in eurer Nähe zu spielen. Hail Sagan!

https://www.instagram.com/vinnumsabbathiband/

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