Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

Stinking Lizaveta – Cassandra, Prophet of Doom (2026, SRA Records) (Review)

Acht Instrumentalstücke, drei Leute, kein Gesang. Stinking Lizaveta brauchen offenbar nicht viel, um eine ziemlich große Sauerei anzurichten.

Nach mehr als dreißig Jahren klingt das Trio aus Philadelphia immer noch nicht so, als müsste es irgendjemandem etwas beweisen. Cassandra, Prophet of Doom springt zwischen Heavy Rock, Jazz, Punk, Doom und Psychedelic hin und her, ohne daraus irgendein Konzeptalbum über musikalische Grenzüberschreitung zu machen. Die Stücke sind einfach da und machen, was sie wollen.

„Champion of My Mind“ geht sofort los. Cheshire Agusta treibt, Alexi Papadopoulos legt den Bass darunter und Yanni übernimmt mit der Gitarre. Erst schwer, dann etwas freier, mit diesen jazzigen Stellen, die immer wieder durch den Rock dringen. Kein langes Vorgeplänkel.

„Stinkface“ ist noch direkter und hat deutlich mehr Punk im Rücken. Das Stück sitzt auf einem ziemlich sturen Groove, während die Gitarre darüber kreischt und sich immer wieder kleine Ausgänge sucht. Bei „Please Start Now“ wird es technischer, ohne dass die Sache nach Zirkus klingt. Die Gitarrenarbeit ist schon ziemlich wild, aber die Rhythmussektion hält das alles zusammen.

Dann „Lindsay Wagner Intro“. Eine Minute Pause vom Lärm, beinahe proggig, fast wie ein kleines Fundstück, das jemand zwischen zwei Songs liegen gelassen hat. Direkt danach wird „Lindsay Wagner“ daraus. Langsamer, melodischer, ziemlich groß. Hier hört man die 70er-Jahre-Seite der Band deutlicher, aber eben ohne dieses ewige Retro-Gehabe.

Der Titelsong gehört für mich zu den stärkeren Momenten der Platte. Erst langsam und etwas entrückt, dann kommt mehr Gewicht, die Gitarre wird schwerer, später fällt alles wieder zurück. Es ist kein Stück, das beim ersten Durchlauf einfach alles hergibt. Es verändert ständig seine Temperatur.

„Sherman’s March“ nimmt einen anderen Weg. Etwas Südstaaten-Rock, etwas Doom, ein Groove, der fast schon lässig daherkommt. Dann wieder mehr Druck. Stinking Lizaveta können innerhalb weniger Minuten vom Riff zur fast schon bluesigen Passage wechseln, ohne dass die Sache auseinanderfällt.

Und dann „Never to Be Believed“. Ruhiger Beginn, schwerer Bass, dieses leicht schimmernde Gitarrenspiel. Es hat etwas Geisterhaftes, ohne auf Atmosphäre zu bestehen. Der Song lässt die Platte eher auslaufen, als sie mit einem letzten großen Schlag zu beenden.

Was hier besonders gut funktioniert, ist die Besetzung. Alexis elektrischer Upright Bass klingt ohnehin anders als der übliche Tieftöner, und zusammen mit Agustas Schlagzeug bekommt die Gitarre genug Platz, sich ständig zu verändern. Mal Riff, mal Melodie, mal Geräusch. Manchmal ziemlich nah am Jazz, dann wieder direkt in den Keller.

Natürlich gibt es Referenzen. SST, alte Bad Brains, The Obsessed, Earthless, etwas Desert Rock. Aber das sind eher Wegweiser. Stinking Lizaveta laufen diese Wege nicht noch einmal ab.

Nach zehn Alben wäre es ziemlich einfach, sich auf dem eigenen Stil auszuruhen. Cassandra, Prophet of Doom macht das nicht. Die Platte klingt eher wie eine Band, die weiterhin wissen will, was passiert, wenn sie noch ein bisschen weitergeht.

Drei Instrumente reichen dafür völlig.

https://www.instagram.com/stinking_lizaveta

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Ein Kommentar zu „Stinking Lizaveta – Cassandra, Prophet of Doom (2026, SRA Records) (Review)“

  1. Avatar von Yanni Papadopoulos
    Yanni Papadopoulos

    Wow, thanks for listening and understanding. We really appreciate your work.