
DEATHCHANT – KOVA (2026, RidingEasy Records) (Review)

Bei Deathchant ist man an einen gewissen Grad an Dreck gewöhnt. KOVA hat davon reichlich, klingt aber gleichzeitig deutlich persönlicher als die früheren Platten. Schon „Enemy“ haut mit dicken Gitarren und diesem heiseren Gebrüll von Thomas J. Lemieux los, kurz darauf kommt ein Solo, dann sackt der Song wieder ab. Die Band kann offensichtlich immer noch ordentlich Krach machen.
„Red Sun“ macht es nicht gerade entspannter. Hektische Gitarren, nervöse Riffs, Lemieux irgendwo tief im Mix. Die Texte sind nicht immer leicht zu verstehen, was hier eher zur Sache passt als sie stört. „Funeral Pyre“ geht noch weiter nach vorne und bekommt gegen Ende diese geisterhaften Stimmen, die plötzlich auftauchen und genauso plötzlich wieder verschwinden.
Und dann „Reverie“.
Lemieux singt plötzlich bluesig, fast weich. Die Gitarren lassen etwas Luft, die ganze Sache wirkt für einen Moment viel größer als diese ziemlich wilde Rockband, die man gerade noch gehört hat. „Worshipper“ geht noch weiter raus. Der Song bricht fast komplett auseinander, weiblicher Gesang taucht auf, und Deathchant lassen sich einfach darauf ein. Kein Riff, das sofort alles wieder zusammenklebt.
Überhaupt passiert auf KOVA mehr, als das Etikett Doom/Stoner vermuten lässt. Da steckt ziemlich viel klassischer Hard Rock drin, aber auch Blues, Psychedelic und diese etwas dreckige Art von Heavy Rock, bei der die Gitarren nicht immer genau das tun, was man erwartet. Die Twin-Gitarren gehören klar zum Sound, ohne dass Deathchant wie eine Retro-Band klingen.
Der Titelsong beginnt dann tatsächlich akustisch. Ein bisschen Country-Rock, ziemlich ungewohnt für diese Platte. Dann kommt der Umschlag und die Band steht wieder mit beiden Füßen im schweren Groove. Später wird es erneut ruhiger. Diese ständigen kleinen Verschiebungen sind inzwischen Teil des Deathchant-Sounds geworden.
„Ruin“ gefällt mir besonders. Der Song hat zuerst diesen mächtigen Groove, dann drehen die Gitarren immer weiter auf, Lemieux klingt völlig entfesselt, und irgendwann kippt alles in einen viel verträumteren Abschnitt. Keine große Ansage, einfach ein anderer Zustand.
Am schönsten wird es gegen Ende. „Forgiveness“ beginnt fast zerbrechlich, mit sauberen Gitarren und Lemieux ungewöhnlich zurückgenommen. Das funktioniert gerade deshalb, weil man seine normale Stimme so gut kennt. Danach geht es in „Requiem“ über. Chorstimmen, ein langes Ausklingen, viel weniger klassische Rockstruktur als am Anfang des Albums.
KOVA ist Davey Kova gewidmet, und natürlich hängt diese Geschichte über der Platte. Trotzdem klingt das nicht nach einem Album, das ständig um seinen Verlust kreist und dafür jedes Riff mit Bedeutung auflädt. Man merkt eher, dass hier jemand andere Dinge zulässt als früher.
Die Produktion lässt das alles angenehm rau. Zach Weeks hat den Sound nicht glattgezogen, und gerade die Gitarren behalten diesen leicht dreckigen Charakter. Lemieuxs Stimme sitzt teilweise tief genug im Mix, dass man genauer hinhören muss.
Nach *Thrones* war also offensichtlich noch einiges offen. KOVA wirkt nicht wie eine Neuerfindung von Deathchant. Eher wie eine Band, die inzwischen weniger Angst davor hat, auch mal etwas anderes stehen zu lassen.
Und ja, die schweren Riffs sind weiterhin da. Gott sei Dank.
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