Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

BIRDLORD – Dreams Lie In The Eagle’s Eye (2026, Octopus Rising) (Review)

Bei BIRDLORD stimmt schon die Ausgangslage nicht ganz mit dem überein, was man sich unter einem klassischen Rock-Trio vorstellt. Gitarre, Bass, Schlagzeug, dazu jede Menge Fuzz und psychedelische Sounds. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Aber Dreams Lie In The Eagle’s Eye hat etwas Eigenwilliges. Die Songs können ziemlich groß werden und kurz darauf wieder alles zurücknehmen, ohne dass BIRDLORD dabei nach einer Prog-Band klingen, die unbedingt zeigen will, was sie alles kann.

„The Birds Don’t Sing They Screech In Pain“ macht das ziemlich gut vor. Der Beginn ist fast harmlos, dann wird der Sound immer voller, die Spannung steigt, irgendwann wird aus dem Singen tatsächlich Schreien. Die Band hat den Song im Studio praktisch neu gebaut und viel mit Effekten und Pedalen herumprobiert. Das hört man ihm an. Es klingt nicht wie sauber abgearbeitete Arrangementarbeit.

Köbi Ferbers Bass spielt dabei eine ziemlich wichtige Rolle. Spätestens bei „En Donde Me Perdí“ ist das nicht mehr zu überhören. Der Song war einer der schnellsten, die sie geschrieben haben, und hat diesen leicht dreckigen Groove, der sofort hängen bleibt. Dazu der spanische Gesang und ein Gitarrensound, der ziemlich deutlich Richtung 70er schaut, ohne gleich in Retro-Rock abzurutschen.

Überhaupt wechseln BIRDLORD erstaunlich oft den Ton. „Plumas Y Espadas Para Luchar“ fühlt sich weiter und etwas schwebender an, während „Where Do You Lead“ zunächst zurückhaltend beginnt und dann mit einem ziemlich massiven Riff auffährt. Die Frage aus dem Songtitel bleibt dabei tatsächlich im Kopf. Kein besonders kompliziertes Konzept, eher dieses nervige Kreisen um eine Entscheidung, bei der man selbst nicht weiß, wohin die Sache führen soll.

Die emotionaleren Stücke funktionieren ebenfalls. „Rebuild What Was Lost“ hat diesen ständigen Fuzz-Riff, der sich fast wie ein Mantra durch den Song zieht, und ausgerechnet im Refrain bekommt das Ganze etwas, das man beinahe als Piratenlied bezeichnen könnte. Klingt albern. Im Zusammenhang mit dem Album funktioniert es erstaunlich gut.

„Drunken Dream“ ist dann die andere Seite der Band. Das Stück macht hörbar Spaß, ohne komplett belanglos zu werden. Der Rhythmus im Gitarrensolo wechselt zwischen 7/8 und 8/8, was man nicht unbedingt sofort mitzählt, aber die leicht schiefe Bewegung ist da. Auch textlich ist der Song weniger schwer als der Rest. Es geht um Träume, die irgendwann wichtiger werden als alles andere, bis man alleine damit dasteht.

Am schönsten finde ich die Momente, in denen BIRDLORD ihre Lautstärke einfach zurücknehmen. „Carry On What’s Left Of Me“ beginnt fast nackt mit Clean-Gitarre und Stimme. Später kommen Fuzz und Doublebass dazu, dann zieht sich das Stück wieder zurück. Kein Trick. Es funktioniert, weil die Band den Aufbau nicht unnötig beschleunigt.

Und dann „We Hope We Heal“. Ein ziemlich eigenartiger Abschluss, irgendwo zwischen Desert Rock und instrumentalem Nachspiel. Die Stimmen verschwinden nach der ersten Hälfte fast ganz, danach bleibt eine längere Reise durch Gitarren, Bass und Drums. Das Stück wurde im Studio am Ende nochmals ziemlich radikal verändert. Gut so. Der ursprüngliche Plan wäre vermutlich weniger interessant gewesen.

Lily Lords Gitarrenarbeit steht dabei ständig zwischen Riff und Fläche. Manchmal geht es sehr direkt nach vorne, an anderer Stelle löst sich alles in Hall und Effekten auf. Gaia Giacomellis Schlagzeug reagiert darauf ziemlich flexibel. BIRDLORD haben also keinen festen „so klingt unser Song“-Modus, sondern wechseln ihre Gangart, ohne den Faden komplett zu verlieren.

Die Texte kreisen um Natur, Schmerz, Selbstzweifel, Verlust und die Hoffnung, dass man sich irgendwo wieder zusammensetzen kann. Das wirkt nicht wie ein aufgesetztes Konzept. Eher wie verschiedene Gedanken, die auf einem Album zusammengefunden haben. Selbst das Adler-Motiv passt dazu, ohne dass man es groß erklären müsste.

Dreams Lie In The Eagle’s Eye ist deshalb weniger ein Album, das ständig nach vorne stürmt, als eines, das immer wieder die Richtung verändert. Mal riffbetont und ziemlich laut, dann wieder zurückgezogen und fast verträumt. Nicht jede Passage sitzt gleich sofort. Muss sie auch nicht.

BIRDLORD haben hier jedenfalls einen Sound gefunden, der genug Ecken hat, um interessant zu bleiben, aber nicht so viele, dass die Songs darunter verschwinden. Und ein paar dieser Riffs sind tatsächlich ziemlich schwer wieder loszuwerden.

https://www.instagram.com/birdlord_band

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