
Abrasive Trees – Light Remaining (2026, Argonauta Records) (Review)

Manche Platten sind sofort da. Light Remaining gehört nicht dazu. Abrasive Trees lassen sich Zeit. Gitarren hängen irgendwo im Raum, der Rhythmus kommt und geht, Matthew Rochfords Stimme taucht auf, verschwindet wieder, und nicht immer ist sofort klar, wohin das Stück eigentlich will.
Bei „Star Sapphire“ wird die Sache greifbarer. Kantige Gitarren, etwas Post-Punk, darunter dieser verwaschene Sound, der eigentlich das ganze Album begleitet. „Tao To Earth“ geht stärker nach vorne und bleibt auch melodisch eher hängen. Danach wird es mit „Flickering Flame“ wieder langsamer und schwerer. Viel Hall, Delay auf den Gitarren, Bass und Schlagzeug, die alles ziemlich weit nach unten ziehen.
Dieses Grau ist eigentlich ständig da.
Rochfords Gesang passt dazu. Nicht immer sauber, manchmal eher gesprochen als gesungen. Mich stört das hier überhaupt nicht. Im Gegenteil. Gerade weil die Stimme nicht versucht, besonders schön oder dramatisch zu klingen, funktioniert sie in diesem Sound ziemlich gut. „Carved Skull“ bringt das schön auf den Punkt. Fast acht Minuten, langsam, viel Raum zwischen den Tönen und diese leicht kaputte Goth-Rock-Note, die immer wieder durchscheint.
Die Vergleiche mit Swans oder Crippled Black Phoenix sind nachvollziehbar. Auch Post-Punk spielt eine Rolle. Trotzdem klingt Light Remaining nicht wie eine Band, die ihre Einflüsse sorgfältig aufeinanderstapelt. Dafür ist manches zu lose und manches zu eigen.
„No Solace“ ist dafür wahrscheinlich das beste Beispiel. Der Song treibt erst einmal ziemlich ziellos vor sich hin, was zum Album passt, aber auch Geduld verlangt. Nicht jede Passage sitzt. Manchmal hat man den Eindruck, dass Abrasive Trees lieber eine bestimmte Stimmung halten als unbedingt den nächsten starken Songmoment zu liefern.
Spannender wird es später bei „I Didn’t Mean To Hurt You“. Der Song braucht seine Zeit, dann kommen die Streicher, der Bass wird schwerer, und aus dem ganzen Schwebezustand entwickelt sich plötzlich mehr Bewegung. Kein großer Befreiungsschlag. Eher ein Moment, in dem etwas aufmacht.
Überhaupt funktionieren diese kleinen Verschiebungen hier besser als die großen Gesten. Eine Gitarre verändert ihren Ton, der Rhythmus greift endlich richtig, eine Stimme kommt nach längerer Pause zurück. Viel passiert nicht unbedingt auf einmal. Dafür merkt man es nach ein paar Durchläufen.
Und dann gibt es natürlich Stellen, an denen diese Art von Musik ziemlich anstrengend werden kann. Die Vocals werden nicht jedem gefallen, manche Übergänge wirken gesucht, und ein paar Passagen hätten für meinen Geschmack etwas früher auf den Punkt kommen dürfen.
Aber gerade die kleinen Unsauberkeiten passen zum Album. Light Remaining klingt nicht geschniegelt und auch nicht so, als wäre jede Kante vor der Veröffentlichung abgeschliffen worden. Das macht die Platte sympathischer, als eine technisch perfekte Version es wahrscheinlich wäre.
Am Ende bleibt vor allem dieses Gefühl von Dunkelheit, aus der gelegentlich etwas Helleres auftaucht. Nicht besonders pathetisch. Einfach da.
Kein Album für fünf Minuten nebenbei. Aber eines, in dem man nach und nach mehr entdeckt.
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