Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

SATURNA – Light and Shadow (2026, Spinda Records / Discos Macarras / Ripple Music) (Review)

SATURNA haben inzwischen genug Jahre auf dem Buckel, um sich nicht mehr groß vorstellen zu müssen. Seit über einem Jahrzehnt arbeitet die Band aus Barcelona an ihrem eigenen Verständnis von schwerem Rock, irgendwo zwischen klassischem Hard Rock, Psychedelic und Alternative Rock. „Light and Shadow“ ist nun das sechste Studioalbum und hält sich nicht lange mit der Frage auf, ob diese Mischung noch zeitgemäß ist. Muss sie auch nicht. SATURNA wissen ziemlich genau, was sie wollen.

Schon die Eckdaten machen klar, wohin die Reise geht: dreizehn Songs, 70er-Jahre-Schwere, Proto-Grooves, Melodien und ein Sound, der weniger nach Hochglanz als nach Bandraum riechen soll. Das Material wurde von SATURNA selbst aufgenommen und produziert, Enric Verdaguer übernahm den Mix. Dazu kommt der erklärte Wunsch nach einem organischeren und stärker live orientierten Klang. Das passt zu einer Band, deren Musik seit Jahren nicht allein von Studioarbeit lebt.

Interessant ist dabei, dass SATURNA ihre Grundzutaten keineswegs austauschen müssen, um Veränderung zu zeigen. Hard Rock, Psychedelic und alternative Einflüsse sind weiterhin deutlich Teil der DNA. Neu ist eher die Art, wie weit die Band diese Palette ausdehnt. Mehr Dynamik, mehr unterschiedliche Texturen, mehr Bewegung innerhalb dessen, was man von SATURNA bereits kennt. Das ist keine komplette Kehrtwende und will es offensichtlich auch nicht sein.

Gerade darin liegt eine der Stärken von „Light and Shadow“. Die Band versucht nicht krampfhaft, aus ihrem eigenen Sound auszubrechen, nur damit das sechste Album irgendwie nach einem Karrierebruch aussieht. Nach „The Reset“ von 2023, das international einiges an Aufmerksamkeit bekam und sogar Platz eins der US Doom Charts erreichte, wäre ein noch größerer Schritt durchaus denkbar gewesen. Stattdessen bleibt SATURNA bei dem, was funktioniert, und verschiebt innerhalb dieses Rahmens die Gewichte.

Der Titel ist dabei kein besonders subtiler Fingerzeig. Licht und Dunkelheit, Liebe und Hass, Leben und Tod: Die Texte kreisen um Gegensätze und persönliche Erfahrungen. Das kann schnell nach Standardformulierungen aus dem Rock-Baukasten klingen. Bei SATURNA ergibt es allerdings zumindest konzeptionell Sinn, denn auch musikalisch lebt die Band seit Jahren von diesem Wechsel zwischen Gewicht und Melodie, zwischen Härte und Nachdenklichkeit.

Und genau diese Balance ist wohl der eigentliche rote Faden des Albums. SATURNA sind nie nur eine klassische Hard-Rock-Band, die ein paar psychedelische Effekte darüberkippt. Dafür steckt zu viel Melodie und zu viel Gespür für Atmosphäre in ihrem Ansatz. Gleichzeitig verliert sich die Band offenbar nicht in endlosen Ausflügen, bei denen jeder Song zunächst eine Landkarte braucht. Die Basis bleibt Rock. Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang stehen im Zentrum.

Dass Max Eriksson stärker in den kompositorischen Prozess eingebunden war, passt ebenfalls ins Bild. „Light and Shadow“ soll das bekannte SATURNA-Gefüge erweitern, ohne dessen Identität aufzugeben. Das ist im Grunde die schwierigere Variante, denn einen komplett neuen Sound kann jede Band versuchen. Interessanter ist die Frage, was man aus den eigenen Mitteln noch herausholen kann.

Mit dreizehn Songs ist „Light and Shadow“ dabei kein kleines Statement. SATURNA setzen klar auf ein vollständiges Album und nicht bloß auf eine Sammlung möglicher Singles. Das passt zu einer Band, die ihre Musik auch live denkt. Eine Anfang August in Barcelona aufgenommene Live-Session mit drei neuen Songs unterstreicht diesen Ansatz zusätzlich.

„Light and Shadow“ wirkt damit weniger wie der Versuch, SATURNA neu zu erfinden, als wie die nächste konsequente Phase einer Band, die ihre Sprache längst gefunden hat. Klassischer Heavy Rock bleibt die Basis, psychedelische und alternative Elemente sorgen für Bewegung, und über allem liegt dieses Interesse an Melodie, Dynamik und Gegensätzen.

Nein, das Rad wird hier nicht neu erfunden. Das wäre bei SATURNA inzwischen auch gar nicht mehr der Punkt. Entscheidend ist, wie überzeugend eine Band mit ihren eigenen Mitteln arbeitet. Und genau dort setzt „Light and Shadow“ an.

https://www.instagram.com/saturnaband

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